Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.10.2017

14:52 Uhr

Katalonien

Separatisten verunsichern Anleger

VonAndrea Cünnen

Spanien gerät auch an den Märkten unter Druck: Die Aktienkurse fallen, die Risikoprämien der Anleihen steigen. Doch an eine Abspaltung Kataloniens glaubt an den Finanzmärkten kaum jemand.

Börse Frankfurt

Spanien verunsichert Anleger

Börse Frankfurt: Spanien verunsichert Anleger

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Frankfurt Am Sonntag stürmten spanische Landespolizisten Wahllokale in Katalonien, setzten Schlagstöcke und Gummigeschosse ein und verletzten mehr als 840 Menschen. Mit der verfassungswidrigen Abstimmung hat der Konflikt um Kataloniens Unabhängigkeit eine neue Eskalationsstufe erreicht. Ein Konflikt, der das Land in eine tiefe politische Krise stürzt und auch vor den Finanzmärkten nicht haltmacht.

Eine regelrechte Panik kommt zwar nicht auf, aber Investoren sind nervös. „Es ist nicht klar, ob es tatsächlich zu einer Unabhängigkeit der Region kommt. Aber klar ist, dass Spanien vor einer tiefen politischen Krise steht“, sagte Padhraic Garvey, Leiter der Zinsstrategie bei der niederländischen Großbank ING.

Die Unsicherheit lässt sich sowohl an den Aktien- als auch an den Anleihemärkten ablesen. Spaniens Leitindex Ibex 35 verliert bis zum Mittag gegen den Trend in Europa 1,4 Prozent. Besonders leiden die in Katalonien angesiedelten Finanzinstitute Banco de Sabadell und Caixabank.

Katalonien: Spanien steht noch Schlimmeres bevor

Katalonien

Spanien steht noch Schlimmeres bevor

Erklären die Separatisten die Unabhängigkeit, könnte Spaniens Ministerpräsident Rajoy Kataloniens Regionalregierung absetzen. Dabei gibt es Alternativen zum „Ja“ oder „Nein“ in der Abspaltungsfrage. Eine Analyse.

Auch bei Anleihen geraten die Kurse unter Druck, dafür steigen die Renditen. Die Rendite der zehnjährigen spanischen Staatsanleihe erhöht sich um bis zu 0,09 Prozentpunkte auf 1,69 Prozent. So hoch lag sie zuletzt vor knapp drei Monaten. Die Risikoprämie im Vergleich zur zehnjährigen deutschen Bundesanleihe steigt auf 1,2 Prozentpunkte. Auch der Euro verliert und rutscht auf bis zu 1,1731 Dollar ab, ein Minus von 0,7 Prozent.

„Die Stimmung im Land ist vergiftet, es wird dauern, die Wunden zu heilen“, meint Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. Dennoch: Von Panik ist an den Märkten nichts zu spüren. Seit Jahresanfang liegt der Ibex 35 immer noch gut neun Prozent im Plus, und die Rendite der zehnjährigen spanischen Staatsanleihe lag im März mit 1,9 Prozent höher als derzeit.

Die Polizeieinheiten im Einsatz in Katalonien

Mossos d'Esquadra

Die Mossos d'Esquadra sind die Polizei von Katalonien. Auch wenn die Wurzeln der „Mossos“, wie sie umgangssprachlich genannt werden, bis ins frühe 18. Jahrhundert zurückreichen, wurde die Einheit in ihrer heutigen Form erst im Jahr 1983 gegründet. Sie besteht aus knapp 17.000 Beamten. Diese sind die einzigen Polizisten, die in der „Comunidad Autónoma“, der Autonomen Gemeinschaft in normalen Zeiten auf Patrouille gehen. In Spanien haben sonst nur das Baskenland und Navarra eigene Polizeieinheiten. Bei der Aufklärung der Terroranschläge von Barcelona im August avancierte der Chef der Mossos, Josep Lluis Trapero, vor allem in der Region zum Helden. Die Mossos hatten vor Beginn des Katalonien-Referendum erklärt, sie hielten sich an die Anweisungen der Generalstaatsanwaltschaft, aber ihre vorderste Aufgabe sei, die Sicherheit der Bürger zu garantieren.

Guardia Civil

Die Guardia Civil (Zivilgarde) ist eine paramilitärisch organisierte Einheit, die sowohl dem Innen- als auch dem Verteidigungsministerium in Madrid untersteht. Sie gibt es schon seit 1844. Ihre rund 80 000 Angehörigen sind sehr gut ausgebildet und für die Sicherheit im Inland verantwortlich. Man kann die Guardia Civil mit den Carabinieri in Italien oder mit der Gendarmerie in Frankreich vergleichen. Die „Guardias Civiles“ genießen in Spanien zwar ein hohes Ansehen. Viele Katalanen und auch andere Spanier können aber auch heute nicht vergessen, dass die Truppe während der Diktatur des „Generalísimo“ Francisco Franco (1939-1975) eine Hauptrolle bei der brutalen politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Unterdrückung gespielt hat.

Policía Nacional

Die Policía Nacional, die Nationalpolizei, ist eine Einheit, die dem Innenministerium in Madrid untersteht. Sie kümmert sich um die Sicherheit und Ordnung in städtischen Ballungsgebieten mit mehr als 20 000 Einwohnern und patrouilliert in den Straßen der Regionen, die keine eigene Polizei haben. Aber auch in solchen Autonomen Gemeinschaften - wie etwa Katalonien - hat die Policía Nacional eigene Befugnisse. Dazu gehören Bereiche wie die Bekämpfung des Terrorismus, der organisierten Kriminalität sowie der illegalen Einwanderung. Da man in Madrid Zweifel an der Einsatzbereitschaft der Mossos beim Referendum hatte, schickte die Zentralregierung in den vergangenen Tagen mehr als 4000 Angehörige der Guardia Civil und der Nationalpolizei nach Katalonien.

Der Euro hat sich in diesem Jahr zum US-Dollar um mehr als elf Prozent aufgewertet. „Es gab heute eine Reaktion an den Märkten, aber schwer greifbare politische Ereignisse sorgen nicht für übermäßige Ausschläge“, sagt Christian Lenk, Zinsstratege bei der DZ Bank. Leichter Druck auf die Märkte habe sich erst mit der Ankündigung des Referendums am 5. September gezeigt – obwohl Kataloniens Ministerpräsident Puigdemont schon bei seiner Wahl Anfang 2016 ein Referendum über die Unabhängigkeit der Region angekündigt hatte.

„Letztlich kann sich der Markt wohl nicht vorstellen, dass sich Katalonien tatsächlich von Spanien trennt“, meint Lenk. „Investoren scheinen daran zu glauben, dass es doch noch eine Lösung geben wird.“ Das glaubt auch die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P). Sie hatte erst am Freitag Spaniens Rating „BBB+“, das für eine ordentliche Bonität steht, mit positivem Ausblick bestätigt und geht davon aus, dass die Region Teil Spaniens bleibt. Sollte der Streit nicht eingedämmt werden, könne er sich langfristig auf das Geschäftsklima und Investitionen auswirken. Im Moment werde die wirtschaftliche Entwicklung davon wohl nicht beeinflusst, heißt es.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Rainer Hake

02.10.2017, 15:16 Uhr

Woduch doch die Anleger in der letzten Zeit immer verunsichert wurden. Ihre Schlagzeile kann man eigentlichen nur noch mit einem müden Lächeln zur Kenntnis nehmen.
Die Aktien - Märkte haben ich immer bewegt und werden das auch in Zukunft tun, Wer bei jeder Meldung sofort zuckt und nervös wird sollte sein Geld im Sparstrumpf oder auf dem Girokonto zu Null Zinsen parken.

Herr Carlos Santos

02.10.2017, 15:33 Uhr

KATALONIEN
Separatisten verunsichern Anleger
von:
Andrea Cünnen
Datum:
02.10.2017 14:52 Uhr
Spanien gerät auch an den Märkten unter Druck: Die Aktienkurse fallen, die Risikoprämien der Anleihen steigen. Doch an eine Abspaltung Kataloniens glaubt an den Finanzmärkten kaum jemand.

..........................

Wenn nur Aktienstände für diese Europäische Union zählt dann verkaufen wir ALLE EUROPÄER alle unsere Aktien aus Europa und bringen so am deutlichsten unsere Fassungslosigkeit gegenüber der GEWALT VON GUARDIA CIVIL in Katalonien am 01.10.2017 zum AUSDRUCK !

ZUSÄTZLICH kaufen wir alle bis nach Weihnanchten nichts mehr in Europa, nichts Weihnachtliches und nicht einmal Weihnachtsgeschenke !!!

Dann mal sehen ob die Europäische Union endlich versteht und endlich von selber wieder geht !!!

Herr Carlos Santos

02.10.2017, 16:01 Uhr

POROSCHENKO IN DER UKRAINE fragt sich bestimmt auch selber, wie die gleiche Europäische Union die Ihm einst beraten hatte die Teilung der Ukraine durchziehen zu lassen um den Friedenswillen ...

jetzt in Katalonien / Spanien plötzlich den gleichen Friedenswillen wegen nicht einen einzigen Referendum abhalten lässt !!!

Stattdessen über 700 VERLETZTE entstehen lässt an einem SONNTAG und dazu an Wehrlose Menschen wie etwa ältere und Kinder !

Die menschen in der Ukraine haben auch TV um die nachrichten zu sehen um jetzt zu entscheiden wer besser ist für die Zukunft der Ukraine !!!

RUSSLAND oder EU ???

Beide sind Gewaltvoll !!!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×