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05.01.2007

07:00 Uhr

Kauf- und Halteempfehlungen

Münchener Rück: Zeit für größere Schritte

VonRalf Drescher

Der Aktienkurs der Münchener Rück kommt nur langsam voran: Im vergangenen Jahr stieg er um 14 Prozent – unter den 30 Dax-Werten reichte das nur für Platz 19. Dabei hat der Münchener Konzern ein richtig gutes Jahr hinter sich.

FRANKFURT. Vor der Zentrale der Münchener Rück in der Leopoldstraße in Schwabing steht eine 17 Meter große Skulptur: „Walking Man“ hat der Künstler Jonathan Borofsky den weißen Schlaks genannt, der mit großen Schritten voranschreitet. Große Schritte, wie sie sich auch die Aktionäre der Münchener Rück wünschen würden. Denn deren Aktienkurs kommt nur langsam voran: Im vergangenen Jahr stieg er um 14 Prozent – unter den 30 Dax-Werten reichte das nur für Platz 19.

Dabei hat der Münchener Konzern ein richtig gutes Jahr hinter sich. Nach den Wirbelsturmschäden im Jahr zuvor blieben schwere Katastrophen 2006 aus. Weltweit betrugen die versicherten Schäden 15 Mrd. Dollar – das ist gerade einmal ein Sechstel der Schadenssumme im Jahr 2005.

Weil gleichzeitig die Prämien für Rückversicherungsschutz hoch sind und auch die Geschäfte der Erstversicherungstochter Ergo gut laufen, steht die Münchener Rück vor dem dritten Rekordjahr in Folge. 3,2 bis 3,4 Mrd. Euro Nettogewinn stellt das Unternehmen in Aussicht, nach 2,7 Mrd. Euro im Vorjahr. Analysten rechnen sogar mit noch mehr, zumal die Auflösung von Steuerguthaben einen Einmalbetrag von mehreren hundert Mill. Euro einbringen wird.

Für 2007 lässt sich dieser Trend aber nicht ohne weiteres fortschreiben. Zum einen ist da die ewige Gefahr neuer, teurer Katastrophen. Dazu kommt als zweite Unbekannte die Preisentwicklung in der Rückversicherung hinzu. Nach den hohen Schäden im Jahr 2005 fiel es der Branche leicht, von ihren Kunden hohe Prämien zu verlangen. Das wird sich nun vermutlich ändern.

Analysten bewerten die Aktie der Münchener Rück daher zurückhaltend. Die Zahl der Kauf- und Halteempfehlungen hält sich die Waage. Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hingegen glaubt an eine nachhaltig positive Geschäftsentwicklung. Sie hat die Bonitätsnote für die Münchener vor kurzem von „A+“ auf „AA-„ angehoben. Damit befinden sich diese wieder auf Augenhöhe mit dem Weltmarktführer Swiss Re – für Verhandlungen mit Kunden ein wichtiges Argument.

Als einen Grund für die Hochstufung nennt S&P die Kapitalausstattung der Münchener Rück. Die ist inzwischen so gut, dass der Konzern zum ersten Mal überhaupt Aktien zurückkauft. Zwar holt er mit 3,4 Prozent der Papiere zunächst weniger vom Markt als erhofft, aber weitere Rückkäufe dürften bald folgen. Zudem wird das Unternehmen 2006 mehr Dividende zahlen als im Vorjahr. Im Gespräch ist ein Anstieg von 3,10 auf 3,50 Euro.

Neben der aktionärsfreundlicheren Politik spricht vor allem die attraktive Bewertung für die Aktie der Münchener. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von neun zählt sie zu den günstigsten im Dax und weist auch im Vergleich zum Rivalen Swiss Re einen klaren Abschlag auf. Für weiter steigende Kurse sollte das auf jeden Fall reichen – und vielleicht sogar für einen größeren Schritt nach vorne.

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