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24.06.2013

16:52 Uhr

Kehrtwende in Fed-Politik erwartet

Bondmarkt-Renditen klettern

Am Wochenende rangen die EU-Finanzminister um neue Regeln zur Bankenauflösung – ohne Ergebnis. Das hat auch die Bundesanleihen am Montag nicht unberührt gelassen.

Die Bundesanleihen haben mit Kursverlusten zu kämpfen. dpa

Die Bundesanleihen haben mit Kursverlusten zu kämpfen.

Deutsche Bundesanleihen haben am Montag weitere Kursverluste verzeichnet. Auch an den anderen europäischen Staatsanleihemärkten und bei den US-Treasuries fielen die Kurse teils kräftig. Die Aussicht, dass die US- Notenbank in diesem Jahr beginnen wird, ihre Anleihekäufe zurückzufahren, dämpfte die Nachfrage nach Festverzinslichen. Hinzu kam, dass die EU-Finanzminister am Wochenende noch keine Einigung über die Regeln zur Bankenauflösung gefunden haben. Sie werden sich nun noch einmal am 26. Juni zusammensetzen, einen Tag vor dem nächsten EU-Gipfel in Brüssel.

Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren rentierten zuletzt bei 1,82 Prozent zehn Basispunkte höher. Der Terminkontrakt Bund-Future sank um 116 Basispunkte auf 140,24 Prozent.

„Der Markt bleibt ängstlich, dass die Ausstiegs-Politik der Fed für die Bonds eine schmerzhafte Angelegenheit werden wird”, sagte Rainer Guntermann, Zinsstratege bei der Commerzbank AG in Frankfurt. „Es gibt kaum Anzeichen für eine Stabilisierung und der Markt ist verwundbar.”

Konjunkturdaten aus Deutschland zeigten eine Verbesserung. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juni den zweiten Monat in Folge gestiegen, ein Signal, dass die Konjunkturerholung an Schwung gewinnt. Der Wert stieg von 105,7 auf 105,9.

Bei den zehnjährigen Italien-Bonds stieg die Rendite um zuletzt 16 Basispunkte auf 4,78 Prozent. Spanische Staatspapiere mit zehnjähriger Laufzeit rentierten erstmals seit dem 2. April wieder über der Marke von fünf Prozent. Zuletzt lag die Rendite 12 Basispunkte höher bei 5,05 Prozent. Bei den zehnjährigen portugiesischen Anleihen kletterte die Rendite um 29 Basispunkte auf 6,62 Prozent.

Am Primärmarkt hat Belgien Anleihen im Volumen von 2,71 Mrd. Euro mit Fälligkeiten von 2018 bis 2026 untergebracht. Das angestrebte Maximalvolumen lag bei 2,8 Mrd. Euro. Die Durchschnittsrendite der zehnjährigen Papiere lag bei 2,762 Prozent im Vergleich zu 2,143 Prozent bei der letzten Auktion am 28. Mai. Zehnjährigen Belgien Bonds rentierten am Sekundärmarkt am Nachmittag bei 2,85 Prozent 23 Basispunkte höher.

Analystenstimmen zur Fed-Geldpolitik

Uwe Burkert, LBBW

„Die scharfe Reaktion der Rentenmärkte dies- und jenseits des Atlantiks bestätigt unseres Erachtens unseren Eindruck einer negativen Grundstimmung der Marktteilnehmer. Die Reduzierung des Expansionsgrads der Geldpolitik wird jedoch voraussichtlich in einem vorsichtigen Tempo erfolgen, eine Zinsanhebung in den USA dürfte bis Jahresende 2014 voraussichtlich nicht auf der Agenda stehen.“

Rob Lutts, Cabot Money Management

„Das Überraschendste war die Anhebung der Wachstumsrate für 2014. Auf die Wachstumszahlen wird sich der Anleihemarkt am stärksten konzentrieren. Die Bondanleger sagen sich: 'Wenn die Fed richtig liegt, müssen wir kurzfristig mit höheren Renditen rechnen.'“

George Rusnak, Wells Fargo Private Bank

„Die Fed wird mit der Drosselung der Wertpapierkäufe entweder im vierten Quartal oder im ersten Quartal nächsten Jahres beginnen.“

Camilla Sutton, Scotiabank

„Die Konjunkturprognosen signalisieren, dass die Arbeitslosenquote 2014 auf 6,5 Prozent sinken wird. Das bedeutet, dass die Fed die Zinsen früher anziehen könnte als erwartet, möglicherweise bereits im ersten Quartal 2015.“

Axel Merk, Merk Investments

„Die Hauptbotschaft ist, dass die Fed die Wertpapierkäufe wirklich drosseln will und dies bis zum nächsten Sommer abzuschließen hofft. Bernanke möchte kommunizieren, dass dies nicht unbedingt eine geldpolitische Straffung bedeutet, aber der Markt scheint das anders zu sehen.“

Fred Dickson, D.A. Davidson & Co.

„Er hat die Möglichkeit der Drosselung im September vom Tisch gewischt. Seine Aussagen über eine mögliche Verringerung der Wertpapierkäufe zum Jahresende und die Einstellung Mitte kommenden Jahres hat für etwas Klarheit, aber offenbar auch für Überraschung gesorgt.“

Brian Levitt, Oppenheimerfunds

„Die Fed beurteilt die US-Konjunktur offenbar optimistischer als bislang. Ich werte dies als gute Nachricht. Der Prozess der Normalisierung ist langwierig. Es bedeutet nicht, dass die Geldpolitik über Nacht gestrafft wird und die Grundlagen für den Aktienmarkt erscheinen immer noch vernünftig. Anleger sollten ihre Aktienpositionen nicht auflösen, weil die Fed mit dem langwierigen Prozess einer Normalisierung der Geldpolitik beginnt.“

Kan Mayland, Clearview Economics

„Erreicht das Wirtschaft zumindest durchschnittliche Wachstumsraten? Werden monatlich nachhaltig mehr als 200.000 neue Jobs geschaffen? Steigen die Preise zu schnell und überschreiten die Inflationserwartungen die Zielmarken? Nein, Nein und Nein. Daher kann man eine Drosselung zumindest in den kommenden Monaten vergessen.“

Ulrich Leuchtmann, Commerzbank

„Für die nächsten Wochen und Monate dürfte am wichtigsten sein, dass wir nun einen klaren Fahrplan für das "tapering" haben: Wenn sich die Rahmendaten so entwickeln, wie das FOMC erwartet, werden wir - so kündigte Bernanke an - eine erste Reduktion des QE-Volumens "später in diesem Jahr" sehen. Und "um die Mitte" 2014 würde dann QE3 ganz eingestellt. Das ist wesentlich klarer, als alles was wir bisher von der Fed zu diesem Thema gehört haben. Hinzu kommt, dass das Statement wesentlich optimistischer ausfiel als im Mai. (...) Die Kombination aus optimistischerer Konjunktureinschätzung und "Guidance" ist ein starkes Signal für die US-Währung.“

Ralf Umlauf, Helaba

„Fed-Chef Bernanke hat bei der gestrigen Pressekonferenz zur FOMC-Sitzung den zukünftigen Pfad der Geldpolitik, insbesondere die monatlichen Anleihekäufe, an die Entwicklung der Konjunkturdaten gekoppelt. Konkret heißt dies, dass die Notenbanker anhaltende Zeichen eines selbstragenden Aufschwungs und einer nachhaltigen Verbesserung sehen wollen. Sollte dies der Fall sein, könnten die Anleihekäufe im späteren Verlauf des Jahres zurückgefahren werden und gegen Mitte 2014 auslaufen. Während die Fed zukünftig den monetären Impuls allmählich verringern wird, ist die EZB noch immer bereit, der EWU-Wirtschaft mit weiteren Lockerungen unter die Arme zu greifen. Zwar hatte EZB-Präsident Draghi jüngst die Überzeugung geäußert, dass für eine weitere Zinssenkung derzeit keine Notwendigkeit bestehe, alle Optionen inklusive negativer Einlagensätze aber offen seien.“

Yuji Saito, Credit Agricole

„Bernanke ist deutlicher geworden, als der Markt es erwartet hat. Die Richtung des Dollar ist ab jetzt festgelegt.“

Am Markt für US-Staatsanleihen sind die Kurse gesunken, die Renditen haben inzwischen ein Niveau erreicht wie zuletzt 2011. Die in dieser Woche anstehenden US-Konjunkturdaten, dürften die Pläne der US-Notenbank, ihre Bondankäufe zu verringern, stützen. Zehnjährige Treasuries rentierten zuletzt bei 2,62 Prozent neun Basispunkte höher. „Die Renditen der Treasuries sind auf einem ansteigenden Weg”, sagte Hitoshi Asaoka, Leitender Stratege bei Mizuho Trust & Banking Co. in Tokio. “Die Volatilität wird bis auf weiteres hoch bleiben, weil wir uns an einem Wendepunkt der US-amerikanische Geldpolitik befinden”, ergänzte er.

Kommentare (1)

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Elmar2001

24.06.2013, 17:02 Uhr

Regeln für Bankenauflösungen sollten schnell gefunden werden bei den steigenden Zinsen. Viele Institute haben nicht die goldene Bankregel beachtet und werden langfristig günstig herausgegebene Darlehen nur noch verlustreich teurer refinanzieren können. Kann man auch in den Jahresabschlüssen unter den Anghaben zu § 333 SolvV nachlesen. Die Savings and Loan Crisis vor 30 Jahren läßt grüßen...

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