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10.01.2011

19:36 Uhr

Kein Boom

„Euro Stoxx pendelt auf und ab“

VonUlf Sommer

Der Dax kennt momentan nur eine Richtung: Aufwärts. Für den Euro Stoxx 50 ist eine Prognose derzeit nicht so einfach. Im Chartgespräch erklärt der freie Analyst Gregor Bauer, warum Europas Aktien die Richtung fehlt. Die Kurse pendeln auf und ab, für beide Richtungen gibt es gute Argumente.

Dax-Kurve: Im Gegensatz zum boomenden deutschen Aktienindex, folgt der Euro Stoxx 50 derzeit eher einem Seitwärtstrend. dpa

Dax-Kurve: Im Gegensatz zum boomenden deutschen Aktienindex, folgt der Euro Stoxx 50 derzeit eher einem Seitwärtstrend.

DÜSSELDORF. Läuft die Börse wie am Schnürchen in eine Richtung, dann macht es sich die Zunft der Charttechniker mit ihren Prognosen gewöhnlich sehr einfach. Sie schreibt den laufenden Trend einfach in die Zukunft fort. Deshalb finden sich derzeit so viele optimistische Dax-Prognosen.

Die fulminante Rally mit einem Plus von gut 1000 Punkten im vierten Quartal lässt die meisten Experten auf eine Fortsetzung des Trends setzen. Einfach aus der simplen statistischen Regel heraus, dass sich Trends mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 75 Prozent fortsetzen. Natürlich kippen sie irgendwann. Doch darauf mit Blick auf die nächsten Monate zu wetten, geht meistens schief, weil sich Trends meistens über mehrere Jahre hinziehen.

Mit Blick auf Europas wichtigsten Börsenindex tun sich die technischen Analysten indes schwer. Aus einem einfachen Grund: Der Euro Stoxx 50, in dem die größten Konzerne der Eurozone notieren, weist seit Monaten keinen Trend aus. Er pendelt auf und ab. Technische Analysten sprechen vom Seitwärtstrend - ein Trend, der keiner ist.

Nach oben sieht Gregor Bauer, Vorsitzender der Vereinigung Technischer Analysten Deutschlands (VTAD) und Chef der von ihm gegründeten Bauer-Consult, einen Widerstand bei 2900 Punkten. Dieser leitet sich daraus ab, dass der Euro Stoxx zuletzt drei Mal an dieser Marke abgeprallt ist. Nach unten scheint der Index bei 2800 Punkten abgesichert, den Tiefs von Mitte November und Ende Dezember. Sollte diese Unterstützung fallen, dann dient das nächste Tief als Unterstützung: der scharfe Ausreißer vom 30. November. Damals rutschte der Euro Stoxx bis auf 2635 Zähler, weil die Schuldenkrise kurzzeitig massiv aufflammte und nach Ansicht der Skeptiker an den Märkten gleich mehrere Länder von der Pleite bedroht waren.

Das heißt im Zwischenfazit: Europas Börsenindex pendelt auch weiterhin ohne klare Richtung auf und ab. Der technische Analyst bleibt der wichtigsten Grundregel treu: den Trend fortschreiben - auch wenn es ein richtungsloser Trend ist.

Die Kaufbereitschaft ist zuletzt gesunken

In welche Richtung wird der Index mit der größten Wahrscheinlichkeit irgendwann ausbrechen? Für beide Seiten gibt es gute Argumente. Dass der Index seinen Widerstand von 2900 Punkten überwindet, dafür spricht das gute technische Bild, wonach in den vergangenen Monaten jedes Kurstief über dem vergangenen lag (siehe Chart). Zweifellos ein Zeichen von Stärke. Anders ausgedrückt: Immer wenn der Markt nach unten kippte, entschlossen sich auf immer höheren Niveaus Anleger zum Einstieg. Die Kaufbereitschaft ist also gestiegen.

Aber: Solch eine gute Verfassung ist nur dann wirklich gut, wenn gleichzeitig jedes zwischenzeitliche Hoch über dem vergangenen liegt. Das ist aber nicht der Fall. Insbesondere das letzte Hoch zu Beginn der zweiten Dezemberhälfte beflügelt die Laune der Skeptiker. Denn die Auftriebskräfte erlahmten früher als bei vergangenen Anläufen nach oben. Die Kaufbereitschaft nahm also zuletzt ab.

"Der Euro Stoxx 50 pendelt auch in den nächsten Wochen auf und ab", prognostiziert Bauer. Er rät Anlegern davon ab, sich schon jetzt für eine Seite zu entscheiden. Aufwärts geht es mit hoher Wahrscheinlichkeit erst dann, wenn der Index die Marke von 2900 Punkten knackt. In dem Fall sieht der Experte den Euro Stoxx auf mehr als 3000 Punkte steigen.

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