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14.08.2012

16:09 Uhr

Keine Leerverkäufe mehr

Die Spekulanten kapitulieren

Super-Mario vergrault die Hedge-Fonds. Nachdem die Spekulanten massiv gegen europäische Aktien gewettet hatten, lösen sie nun ihre Positionen eilig auf. Das Euro-Versprechen des EZB-Chefs macht ihnen große Probleme.

George Soros, König der Hedge-Fonds-Manager, gilt als großer Euro-Kritiker. AFP

George Soros, König der Hedge-Fonds-Manager, gilt als großer Euro-Kritiker.

Viele Hedge-Fonds lösen zurzeit eilig ihre Wetten gegen europäische Aktien auf. Nachdem sie mit ihren pessimistischen Einschätzungen zum Teil deutlich daneben gelegen haben, spekulieren nun immer mehr von ihnen darauf, dass Europas Politiker - und vor allem Mario Draghi, der Chef der Europäischen Notenbank - ihre Anstrengungen im Kampf gegen die Staatsschuldenkrise weiter verstärken werden.

Das Ausmaß, in dem Makro-Hedge-Fonds dem Euro Stoxx 50 Index hinterher hinken, nimmt derzeit so stark ab wie seit 2009 nicht mehr, wie aus Daten von Bloomberg und JPMorgan Chase hervorgeht. Das ist ein Anzeichen dafür, dass die Fondsmanager ihre Leerverkaufs-Aufträge auflösen und Aktien kaufen. Der Anteil der Aktien im Stoxx Europe 600 Index, die ausgeliehen sind - ein Indiz für Leerverkäufe - sank auf 2,9 Prozent, verglichen mit 3,4 Prozent im Mai, gab Datendienstleister Markit bekannt.

Die Titanen der Hedge-Fonds

Alfred Winslow Jones

Das New York Magazin kürte Winslow 1968 zum „Big Daddy“ der Branche. 1949 hatte er den „abgesicherten Fonds“ erfunden und große Gewinne eingefahren. Er veränderte wie viele Hedge-Fonds-Titanen die Finanzbranche. Kapital wurde nicht mehr nur von Treuhändern verwaltet, sondern aktiv verwaltet.

Michael Steinhardt

Die erste Ära der Hedge-Fonds wurde von der Baisse Anfang der 70er-Jahre jäh beendet. Mchael Steinhardt war einer der Ersten, die danach wieder aufstanden und wurde zur Legende. Dank einer harten Kindheit in Brooklyn unter der Knute eines spielsüchtigen Vaters entwickelte er sich zum „heißesten Analysten der Wall Street“. 1994 verlor er Steinhardt aber sehr viel Geld bei einem „Blutbad“, das auf das Wirken vom damaligen Fed-Chef Alan Greenspan zurückging.

Jerold Fine und Howard Berkowitz

An Steinhardts Seite standen Jerold Fine und Howard Berkowitz. Das Trio gründete 1967 ihren Hedge-Fongs – vorher waren sie Broker gewesen. Die Drei stellten einen Poolbillard-Tisch in ihr Büro und verkündeten die „Überlegenheit der Jugend“. Ihr Erfolg demonstrierte eindrucksvoll die Möglichkeit der antizyklischen Vorgehensweise.

F. Helmut Weymar

Weymars Karriere begann mit seiner Doktorarbeit, in der er eine Methode entwickelte, Kakaopreise zu antizipieren. Er galt als äußerst ehrgeizig, aber auch ein wenig größenwahnsinnig. Doch der Mangel an Selbstzweifel hat ihm viel Geld eingebracht. Er gründete rasch seine eigene Firma – gemeinsam mit Frank Vannersen. Außerdem inspirierte Weymar den Nobelpreisträger Paul Samuelson.

Michael Marcus

Marcus hatte eine denkbar schlechte Eignung für einen Hedge-Fonds-Manager: Er hatte keine Ahnung von Computern und noch weniger von Mathematik. Aber als er in Weymars Firma kam, hatte er großen Erfolg. Marcus zeigte eine furchtsame Selbstkontrolle. Und setzte Weymars ursprüngliches Konzept außer Kraft. Er perfektionierte die Kunst des Tradings nach Chartsignalen.

George Soros

Der berühmteste, aber auch berüchtigste Hedge-Fonds-Manager aller Zeiten: Als der junge Ungar 1949 an der London School of Economics ankam, hatte er schon viel durchgemacht.: Der Jude entkam den Nazis nur mit Mühe und hatte die Grauen des Krieges intensiv mitbekommen. In London verschmolz er sein eigenes Wissen mit Karl Poppers Ideen. Erst 1973, nach vielen Jahren, wurde der Wirtschaftswissenschaftler zum Hedge-Fonds-Manager. 1978 wurde der Soros Fund in Quantum Funds umbenannt, der Rest ist Geschichte. Berühmt wurde Soros im Jahr 1992 mit seiner Spekulation gegen das britische Pfund.

Louis Bacon

Bacon war ein besonders stiller Vertreter der Hedge-Fonds-Branche, die ohnehin nicht mit Exzentrikern überfrachtet ist. Journalisten beschrieben ihn stets als „skurrile Figur hinter einer Wand aus Monitoren“. Am Ende seiner Karriere kaufte er sich eine Insel und hatte dann das geschafft, was vorher eigentlich auch schon galt: Er war maximal isoliert.

Julian Hart Robinson

Robinson war ein spezieller Typ: Er hatte den Charme eines Südstaatlers, aber auch das Netzwerk eines New-Yorkers. Voller Selbstvertrauen, extrovertiert und athletisch. Inspiriert von Steinhardt und Soros gründete er 1980 im fortgeschrittenen Alter von 48 Jahren den Hedge-Fonds „Tiger“. Bis zum Höhepunkt 1998 verdiente „Tiger“ nach Abzug der Gebühren 31,7 Prozent jährlich.

Paul Tudor Jones II

Die späten 80er-Jahre markierten einen Wendepunkt für die Hedge-Fonds. Die Branche war beinahe ausgelöscht, es gab nur noch wenige Fonds mit unbedeutenden Mengen an Kapital. Doch dann entstanden neue Titanen, einer von ihnen war Paul Tudor James II., Sohn eines Baumwollhändlers. Er hatte gelernt, Trading als psychologisches Spiel und als Bluff in hoher Geschwindigkeit zu begreifen.

Stan Druckenmiller

Im Herbst 1988 konnte Druckenmiller den Angeboten von George Soros nicht mehr wiederstehen und heuerte bei ihm an. Die beiden waren sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, passten als Investoren aber perfekt zusammen. Neben einem guten Gespür für Aktien brachte der gelernte Analyst ein starkes Verständnis für Währungen und Zinsen mit.

John Meriwether

Meriwether ist neben George Soros der bekannte Gründer eines Hedge-Fonds – nämlich des Long-Term Capital Management (LTCM). Er war in jungen Jahren einer der ersten Manager an der Wall Street, der das Potenzial neuartiger Finanzprodukte erkannte. Sein Rüstzeug lernte er als Star bei der Bank Solomon Brothers. 1994 gründete Meriwether dann seinen Fonds. Das spezielle Vorgehen – LTCM wette vor allem auf die Entwicklung der Renditeunterschiede zwischen verschiedenen Anleihen – war zunächst äußerst lukrativ. Im Jahr 1998 kam jedoch die Wende, da sich LTCM in der Russland-Krise massiv verspekulierte. LTCM kollabierte und erschütterte die Kapitalmärkte. Der Fonds musste schließlich aufgefangen werden, um eine Finanzkrise zu verhindern. Meriwether wurde danach Selbstüberschätzung vorgeworfen.

David Swensen

Swensen war der Pionier des Ansatzes, Hedge-Fonds mit Stiftungen zu kombinieren. Der asketische Mann aus dem Mittleren Westen war besessen von seinem Sinn für Moral – und hatte eine große Leidenschaft für das Finanzwesen. Als Swensen die Yale-Stiftung übernahm, war diese zu über 80 Prozent in US-Aktien und –Anleihen investiert. Swensen war von der Gestaltung der Hedge-Fonds beeindruckt, wollte den Managern aber nicht dabei helfen, noch reicher zu werden. Er fand in Tom Steyer den richtigen Mann, um im Sinne der Stiftung viel Geld zu verdienen.

James Simons

Es mag an seinem Allerweltsnamen liegen: Simons war Mitte der 2000er-Jahre sicher nicht der berühmteste Milliardär der Welt, aber wohl der klügste von ihnen. Sein Hedge-Fonds Renaissance Technologies ist der wahrscheinlich erfolgreichste aller Zeiten. Der Vorzeigefonds Medaillon verdiente zwischen 1989 und 2006 eine jährliche Rendite von 39 Prozent.

James Chanos

Chanos leitete den Hedge-Fonds Kynikos Associates, dessen Spezialität es war, nach finanziellen Leichen im Keller von Unternehmen zu suchen und auf Leerverkäufe zu setzen. Der schwache Markt der 2000er-Jahre war für Chanos ein Paradies. Und natürlich boten auch die Jahre 2007 und folgende für ihn so manche Chance.

Nach Ansicht von zuversichtlich gestimmten Marktteilnehmern ist der Kauf von Aktien durch Investoren, die sie zuvor geliehen und leer verkauft hatten, ein Zeichen dafür, dass die Rally in Europa anhalten wird. Rückenwind gibt dabei nicht zuletzt das Versprechen von Mario Draghi, dem Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), den Euro zu verteidigen. Der Euro Stoxx 50 hat innerhalb von drei Wochen zwölf Prozent zugelegt und damit doppelt so stark wie der weltweit aufgestellte MSCI All-Country World Index. Die Entwicklung steht im Gegensatz zu den Prognosen, die ein Abrutschen der Wirtschaft im Euroraum in eine Rezession in Aussicht stellen.

„Die Makro-Hedgefonds haben als Gruppe die Entscheidungen vom Juni verschlafen, und angesichts der Aussicht auf Interventionen durch die Zentralbanken kapitulieren sie jetzt“, sagt Nikolaos Panigirtzoglou, Leiter für weltweite Portfolio- Strukturierung bei JPMorgan in London in einem Interview am 7. August. Die US-Großbank verwaltet ein Vermögen im Volumen von 2,3 Billionen Dollar. “Damit die Positionen aufgelöst werden, ist ein Auslöser notwendig. Und der Auslöser waren diese Nachrichten zum Kurs der Notenbanken.”

Zuletzt hatten sich Hedge-Fonds im April 2009 so schnell aus Leerverkäufen zurückgezogen - bevor der Stoxx 600 zu einer Rally um 35 Prozent ansetzte. Makro-Fonds haben in diesem Jahr nicht mit der Marktentwicklung Schritt gehalten. Als Gruppe haben sie bislang 0,1 Prozent zugelegt, die Aktienbenchmark MSCI World Index hat vergleichsweise 8,1 Prozent im gleichen Zeitraum an Wert gewonnen, zeigen Bloomberg-Daten.
Der Euro Stoxx 50 kletterte in der vergangenen Woche um 2,1 Prozent, nachdem die Spekulationen zunahmen, dass Federal Reserve, EZB und die chinesische Notenbank weitere Maßnahmen zur Wirtschaftsförderung ergreifen dürften. Der von Hedge Fund Research Inc. aufgestellte Hedge Fund Macro Index schloss hingegen die letzte Woche ohne Gewinne ab.

Kommentare (18)

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Account gelöscht!

14.08.2012, 14:05 Uhr

"Super-Mario vergrault die Hedge-Fonds"

Jaja logo wir sind alle gerettet, ich weiss :D

Account gelöscht!

14.08.2012, 14:17 Uhr

1.Apil ist erst nächstes Jahr wieder! Wer glaubt denn so einen Unsinn - welcher Azubi hat sich diese Headline nur ausgedacht??

Gordon77

14.08.2012, 14:17 Uhr

Na ob der Artikel so aussagekräftig ist bezweifel ich.

Vielleicht liegt es ja auch daran das in Spanien....
der Leerverkauf auf alle Aktien aktuell nicht möglich ist

Und Italien das selbe aber nur auf alle Finanzunternehmen.

Bei der Gewichtung von von italienischen und spanichen Titel im Stock....dürfte der Rückgang genau deswegen sein

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