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10.01.2014

10:21 Uhr

Keine Zinswende

Bill Gross wettet weiter auf Niedrigzinsen

Ein Mann lässt nicht locker: Auch wenn Bill Gross zuletzt kräftig daneben lag, bleibt er bei seiner Strategie. Er rechnet nicht mit einer schnellen Zinswende – und glaubt, den Grund dafür gefunden zu haben.

Pimco-Gründer Bill Gross: Im Vorjahr gab es noch mehr als zehn Prozent Überschuss, 2013 dann ein Minus von 1,92 Prozent. Reuters

Pimco-Gründer Bill Gross: Im Vorjahr gab es noch mehr als zehn Prozent Überschuss, 2013 dann ein Minus von 1,92 Prozent.

New YorkDer Investor Bill Gross von Pimco rechnet nicht mit einer schnellen Zinswende. Die Federal Reserve werde den Leitzins bis mindestens 2016 nahe null halten, erklärte der Manager des weltgrößten Anleihefonds in seinem monatlichen Investmentausblick. Er rät Anlegern, sich auf Anleihen mit kürzeren Laufzeiten konzentrieren.

Der Markt fokussiere sich auf die Arbeitslosenquote, dabei sei doch die Jahresteuerung der persönlichen Konsumausgaben „die entscheidende monatliche Statistik für eine Analyse der Fed-Zinspolitik in 2014“, schrieb Gross. „Die Anleihekurse - insbesondere am kürzeren Ende der Renditekurve, etwa ein bis fünf Jahre - hängen im entscheidenden Maße von dem künftigen Niveau der Fed Funds ab, nicht von dem gleitenden Pfad der praktisch vorbestellten Rücknahme der Fed- Anleihekäufe.“

Das Protokoll der jüngsten US-Notenbanksitzung hatte gezeigt, dass einige Fed-Mitglieder von schwindenden Effekten durch das monatliche Anleihekaufprogramm ausgehen, welches um zehn Milliarden Dollar auf nun 75 Milliarden Dollar reduziert wurde. Den Leitzins hatte die Fed im Dezember 2008 nahe null gesenkt und will ihn dort belassen, solange die Arbeitslosenquote über 6,5 Prozent liegt und der Inflationsausblick nicht 2,5 Prozent übersteigt.

Die Durchhalteparolen des Bill Gross

Schwieriges Jahr

Das Jahr 2013 war alles andere als gut für Bill Gross und seine Vermögensverwaltung Pimco. Die Performance war unterdurchschnittlich, die Kunden liefen davon. In seiner monatlichen Kolumne versuchte der 69-Jährige, die schwierige Lage an den Märkten zu erklären.

Januar

„Das Ergebnis des Gelddruckens wird in Form von Inflation und Abwertung von Währungen kommen, entweder gegeneinander oder gegen begrenzte Rohstoffe wie Öl oder Gold.“

Februar

„Stellen Sie sich auf niedrigere Renditen bei Ihrer Portfolio-Planung ein.“

März

„Unternehmensanleihen und Hochzinsanleihen sind überschwänglich und irrational bewertet.“

April

„Jeder von uns, selbst alte Hasen wie Buffett, Soros, Fuss, und ja - auch ich, hat seine Laufbahn im vielleicht vorteilhaftesten Zeitraum begonnen, im attraktivsten Zeitalter, das Anleger erfahren durften“

Mai

„Zentralbanken und Politiker sind wie Friseure. Sie beschneiden Ihre Investitionen. Diese Haircuts werden versteckt in Form von Steuern, manipulierten Zinsen und Inflation auftreten, die die Kaufkraft jedes Anlegers reduzieren.“

Juni

„Es kommt ein Punkt, wenn, egal wie viel Blut durch das System gepumpt wird, mit Null-Zinsen und globalen Programme zur quantitativen Lockerung, dass das Blut selbst anämisch werden kann.“

Juli

„Springen Sie noch nicht über Bord. Auch wenn wir an einen Wendepunkt für die Renditen von US-Staatsanleihen, Hypothekenpapieren und Unternehmenstiteln gelangt sind, wäre der Ausstieg eine übertriebene Reaktion.“

August

Bond-Manager müssen an die neue Welt der Null-Zinsen anpassen und niedrige Gesamterträge akzeptieren.“

September

„Eigentlich möchte man Erträge erzielen, gleichzeitig jedoch sein Anlagekapital nicht verlieren. Einige schwören auf Aktien als die alleinige Option. Ich bin mir dessen jedoch nicht so sicher. Denn wenn die US-Notenbank ihr Lockerungsspiel beendet, könnten Aktien ebenfalls in Gefahr sein.“

Oktober

„Die Fed muss irgendwann die Anleihekäufe zurückfahren. Sie können nicht jedes Jahr ihre Bilanz um eine Billion Dollar erweitern, ohne dass etwas Negatives passiert“

November

„Die Investoren in den USA und anderswo sollten auf Investitionen in die Realwirtschaft setzen, nicht auf künstlich aufgeblasene Aktien.“

Dezember

„Die Investoren spielen alle dasselbe gefährliche Spiel, das von der anhaltenden Politik des billigen Geldes und der künstlich niedrigen Zinsen abhängt, mit der verzweifelt versucht wird, das Wachstum anzukurbeln.”

Fed-Chef Ben Bernanke, seine Nachfolgerin Janet Yellen und „ihre heitere Truppe von Fed-Governors und regionalen Präsidenten haben uns gesagt“, dass die Inflationsrate für die Fed-Politik von entscheidender Bedeutung ist, so Gross. „Keine Leitzinserhöhung, bevor nicht die Schwellen sowohl bei der Arbeitslosigkeit als auch der Inflation durchbrochen werden, und selbst dann 'sind es keine Schwellenwerte'“, hieß es weiter.

Es seien noch „Meilen“ bis man damit anfangen müsse, sich über Leitzinserhöhungen Sorgen zu machen, erklärte Gross.

Im vergangenen Jahr lag Gross mit kurzlaufenden Anleihen daneben. Die Ankündigung von Bernanke, Chef der US-Notenbank, das sogenannte Quantitative Easing (QE), also die ständige Ausweitung der Geldmenge, zurückzufahren, ließ die Kurse von Anleihen abrutschen, umgekehrt stiegen die Renditen von zehnjährigen US-Staatsanleihen von rund 1,7 Prozent auf mehr als drei Prozent. Die Notenbanker machten schließlich im Dezember ernst und beschlossen eine Verringerung der monatlichen Ankäufe von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren.

Der Pimco Total Return Fund von Bill Gross verlor knapp zwei Prozent. Die Kunden zogen reihenweise Geld ab: 41,1 Milliarden Dollar im gesamten Jahr. Aktuell kommt der Fonds auf Vermögenswerte von 237 Milliarden Dollar.

Kommentare (4)

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Naiv_ohne_Ende

10.01.2014, 11:20 Uhr

Mittlerweile sollte wohl JEDER die Selbstbedienungsmentalitaet und Enteignungsphilosophie der Politik und deren Zentralbankanhang verstanden haben... Mehr kann man dazu einfach nicht mehr sagen und posten.

Numismatiker

10.01.2014, 11:29 Uhr

"Er rechnet nicht mit einer schnellen Zinswende -..."

Nach den Ankündigungen von EZB und FED ist das auch unglaublich schwierig zu erraten... :-DD

Account gelöscht!

10.01.2014, 11:35 Uhr

Die Niedrigzinsphase ist neuer stabiler Dauerzustand.Den herbeigesehnten Crash an den Aktienmaerkten wird es nicht geben, weil die Welt technologisch einen gewaltigen Sprung nach vorne macht, selbstfahrende Autos, private
Orbitalraumfluege,neue Fertigungsverfahren, synthetische Biologie... .

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