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20.02.2013

15:32 Uhr

KfW-Anleihen

Das Wagnis mit der fremden Währung

VonSara Zinnecker

Ob Schwedische Krone, Australischer Dollar oder Brasilianischer Real: Anleihen in Fremdwährung locken Anleger, die am Euro zweifeln. Einige Bonds bieten besondere Chancen.

Die KfW bietet Anleihen in ausländischer Währung zu Top-Bonität. dpa

Die KfW bietet Anleihen in ausländischer Währung zu Top-Bonität.

DüsseldorfEs ist schon ein besonderes Schmankerl, was die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Anlegern da serviert: Eine Anleihe, die bis 2015 jährlich über fünf Prozent Rendite abwirft und auch für Kleinanleger in Frage kommt. Und weil die Förderbank mit Bund und Ländern staatliche Träger hat, denen die drei führenden Ratingagenturen Top-Bonität bescheinigen, gibt es das Siegel AAA noch obendrauf. Eine besonders sichere und profitable Anlage also, in Zeiten, in denen eine Bundesanleihe gleicher Restlaufzeit nicht einmal 0,2 Prozent Rendite bietet.

Einen Haken muss es geben. Tatsächlich läuft die Anleihe nicht in Euro, sondern in Brasilianischen Reais. Der Anleger tauscht also Euro in Devisen. Von da an aber unterliegt die Anlage dem Wechselkursrisiko.

Für Anleger, die nun damit rechnen, dass der Euro in den kommenden Jahren gegenüber anderen Währungen abwertet, sind Devisen-Bonds eine Option. Zum Laufzeitende bekämen Investoren für ihren fälligen Betrag an Fremdwährung und Zinsen relativ mehr Euro zurück. Zu den ausgewiesenen Renditen kämen so noch Währungsgewinne.

Steckt die Welt im Währungskrieg?

Warum hat der Euro an Wert gewonnen?

Der Höhepunkt der Euro-Krise im Jahr 2012 war ein Tiefpunkt für den Euro. Der Wechselkurs fiel bis auf 1,20 Dollar. Seitdem hat sich die europäische Währung wieder erholt. Aktuell notiert sie bei 1,35 Dollar.
Für Europas obersten Währungshüter, EZB-Chef Mario Draghi, ist klar: „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro.“ Dazu kam die sehr lockere Geldpolitik in Japan und den USA: Die dortigen Notenbanken öffneten ihre Geldschleusen extrem weit, machten damit ihre Währungen billig. Das funktioniert so: Investoren verkaufen Wertpapiere in Dollar oder Yen (zum Beispiel an die Zentralbank, die sie ihnen mit frisch gedrucktem Geld abnimmt) und kaufen stattdessen welche in Euro. Als Konsequenz ändern sich die Wechselkurse - die „Preise“ für Währungen, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln.

Welche Ziele verfolgen die Notenbanken in den USA und Japan?

Draghi ist überzeugt: Es geht nicht um einen „Währungskrieg“ oder einen Wettlauf um die billigste Währung. Vielmehr seien die aktuellen Wechselkursbewegungen ein Nebeneffekt der diversen Bemühungen, die Wirtschaft anzuschieben. Allerdings ist der Ansatz der Notenbanken teils völlig verschieden: Während Preisstabilität vorrangiges Ziel der EZB ist, hat die US-Notenbank Fed explizit einen doppelten Auftrag: Stabile Preise und möglichst hohen Beschäftigungsstand. „Man löscht dann dort eben das Feuer, das am heißesten brennt“, erklärt Commerzbank-Notenbankexperte Bernd Weidensteiner. In Japan übte die Regierung massiv Druck auf die Notenbank aus, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen - ein fatales Signal, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann meint: Die Unabhängigkeit der Zentralbank sei essenziell.

Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

EZB-Präsident Draghi erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge. In einen „Währungskrieg“ will sich die EZB aber bisher nicht hineinziehen lassen - auch weil geldpolitische Schritte zur gezielten Euro-Abwertung Reformen der Krisenstaaten bremsen könnten. „Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer“, sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem „Handelsblatt“. „Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen.“

Wer profitiert von einem starken Euro?

Für Verbraucher in Deutschland bringt ein starker Euro mehrere Vorteile: Urlaubsreisen in ferne Länder werden tendenziell günstiger, ebenso wie der Sprit an der Tankstelle. Tendenziell werden alle importieren Waren günstiger. Auch Unternehmen, die für ihre Produktion Rohstoffe wie Erdöl einführen müssen, können preiswerter einkaufen. Denn diese Rohstoffe werden in Dollar abgerechnet.

Wem schadet ein starker Euro?

Vor allem der deutschen Exportwirtschaft. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen aufgewertet. Waren aus dem Euroraum werden im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Deutsche Maschinenbauer spüren den stärkeren Euro bereits, weil ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder Asien teurer werden. Doch während sich deutsche Maschinen, Autos und Elektroprodukte auch über guten Ruf und Qualität verkaufen, dürfte der erstarkte Euro vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen machen. Allerdings bezweifelt EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder: „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

Ist der Euro gegenüber Dollar oder Yen schon überbewertet?

Laut Draghi bewegt sich der Euro in der Nähe seines langfristigen Durchschnittswerts. 2008 hatte der Euro mal beinahe 1,60 US-Dollar gekostet, 2003 weniger als 90 US-Cent. Glaubt man dem „Big-Mac-Index“ des Magazins „Economist“, dann ist der japanische Yen gegenüber Euro und US-Dollar noch unterbewertet. Der Index vergleicht den Preis für den gleichen Burger in verschiedenen Währungsräumen. Demnach kostete der Big Mac in den USA im Januar 4,37 Dollar, im Euroraum 4,88 Dollar, in Japan nur 3,51 Dollar. Bereinigt um die Wirtschaftskraft pro Kopf ist der Burger damit in Japan um 17,1 Prozent zu billig, in der Eurozone aber um 20,8 Prozent zu teuer. In Deutschland kostet der Big Mac übrigens demnach „nur“ 17,7 Prozent mehr als in den USA, in Griechenland aber 28,1 Prozent, in Italien sogar satte 34,6 Prozent mehr.

Würde der Euro dagegen über die Laufzeit des Bonds aufwerten, bekäme der Anleger bei Fälligkeit weniger Euro zurück. Das drückt die Gesamtrendite. Ein starker Wertgewinn könnte den Zinsertrag schließlich ganz auffressen: Der Anleger bekäme dann weniger heraus, als er ursprünglich eingesetzt hat.  

Investoren müssen sich also genau überlegen, welche Erwartungen sie an die Entwicklung der einzelnen Fremdwährung zum Euro haben. Tatsächlich ist derzeit unklar, wohin die Reise der Gemeinschaftswährung geht. Denn der Höhenflug, den der Euro in den vergangenen sieben Monaten hingelegt hat, könnte bald zu Ende sein.

Für Frankreichs Präsident François Hollande und den Luxemburgischen Premier Jean-Claude Juncker steht der Euro bereits jetzt "gefährlich hoch". Die Politiker fürchten, dass eine zu starke Gemeinschaftswährung jeden Versuch der Krisenstaaten, die Konjunktur anzuschieben, im Keim ersticken könnte. Welche geldpolitischen Weichen wird die Europäische Zentralbank (EZB) also vor diesem Hintergrund stellen?

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