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02.08.2012

20:18 Uhr

Knight Capital

Auf das Chaos folgt der Absturz

Knight Capital hatte am Mittwoch für großes Chaos an der Wall Street gesorgt. Nun gerät der Finanzdienstleister selbst in Bedrängnis. Die verursachten Pannen kosten mehr als 400 Millionen Dollar. Die Aktie bricht ein.

Ein Händler von Knight Capital an der Börse in New York. Reuters

Ein Händler von Knight Capital an der Börse in New York.

New YorkProbleme mit einer neuen Software bei Knight Capital haben nicht nur die Wall Street in Chaos gestürzt, sondern den Finanzdienstleister binnen kurzer Zeit auch 440 Millionen Dollar gekostet. Die Ankündigung von Knight Capital, deshalb einen Kredit aufnehmen zu müssen, schickte den Aktienkurs am Donnerstag in den Keller. Die Papiere des Unternehmens verbilligten sich um fast 50 Prozent auf 3,49 Dollar. Nach Informationen des Fernsehsenders Fox Business Network wurde Knight Capital wegen seines Finanzbedarfs bei der Bank JPMorgan Chase vorstellig. Die Bank lehnte eine Stellungnahme ab.
Wegen Schwierigkeiten mit der am Dienstagabend installierten Software gab es am Mittwoch an der New York Stock Exchange über Minuten hinweg extrem hohe Umsätze und heftige Preisschwankungen bei zahlreichen Aktien. Der normale Handel war zeitweise gestört, einige Papiere wurden ausgesetzt. Die Ursache war zunächst unklar, dann aber räumte der Finanzdienstleister Knight Capital Probleme bei seinen computergestützten Systemen ein.

„Es war bizarr“, sagte Stephen Massocca vom Handelshaus Wedbush Morgan. „Es ging drunter und drüber.“ Die Ursache war zunächst unklar, dann aber räumte Knight Capital Probleme bei seinen computergestützten Systemen ein.

Damit stehen erneut technische Probleme an den Börsen im Blickpunkt: Im Mai hatte es gravierende Pannen im Handelssystem der Nasdaq beim Börsengang von Facebook gegeben. Das hatte den beteiligten Firmen Millionen-Verluste eingebrockt. Die Nasdaq streitet derzeit mit ihnen über den Schadenersatz.

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Der Börsengang der drittgrößten US-Börse BATS Global Markets Ende März endete mit einem kompletten Fiasko, als die Aktien auf dem Handelssystem der BATS binnen Minuten von 16 Dollar auf unter einen Cent rauschten. Ursache war eine neue Software. BATS machte die irrtümlichen Handelsgeschäfte des Tages rückgängig - und seinen eigenen Börsengang gleich dazu. Schon davor hatte es Kritik gegeben an den immer schnelleren Börsengeschäften über Computersysteme.

Die Tücken dieses sogenannten Hochfrequenz-Handels (HFT) gelten auch als Ursache des „Flash Crash“ an der Wall Street, als sich im Mai 2010 durch einen blitzartigen Kurseinbruch aus heiterem Himmel binnen Minuten fast eine Billion Dollar Marktwert in Luft auflöste. Der Börsianer Massocca sagte, der Vorfall bei der Nyse am Mittwoch habe den gesamten normalen Handel in Mitleidenschaft gezogen. Die aktuellen Konjunkturdaten gingen in dem Trubel beinahe unter.

Die Börse selbst erklärte, sie prüfe den Handel mit den Aktien von 148 gelisteten Firmen in den ersten 45 Handelsminuten. Auch Knight Capital erklärte, etwa 150 Titel seien betroffen. Knight gehört zu den größten sogenannten Market Makern an der Wall Street. Diese stehen zum Kauf und Verkauf von Aktien zu den auf der Kurstafel genannten Preisen bereit und sichern damit die Liquidität des Marktes.

Der heftige Handel führte am Mittwoch zur Handelsaussetzung der fünf Werte Corelogic, China Cord Blood, Kronos Worlwide, Trinity Industries und Molycorp. Bei Molycorp etwa wechselten in den ersten 45 Handelsminuten mehr als 5,7 Millionen Aktien den Besitzer - üblich ist bei dem Wert ein Umsatz am gesamten Tag von 2,65 Millionen. Die großen Indizes Dow Jones und Nasdaq selbst waren davon wenig betroffen und notierten wenig verändert.

Von

rtr

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