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31.01.2007

06:40 Uhr

Kommentar: Fonds

Sexy Zahlen sind gefährlich

VonIngo Narat

Das ist der Lockruf des Geldes: eine deutlich zweistellige Jahresrendite und die fünf Jahre lang. Wer will die nicht gerne haben? Wohl jeder Anleger wäre scharf darauf, denn risikolos lassen sich mit deutschen Staatsanleihen nur noch vier Prozent pro Jahr einstreichen.

FRANKFURT. Das zweistellige Wunder haben viele Anleger jetzt vorliegen. Jedenfalls dann, wenn sie in diesem Monat auf die beliebten Fondsabrechnungen blicken. In denen wird bei den längerfristigen Leistungsbilanzen gerne auf Fünfjahresergebnisse zurückgegriffen. Hier sind die Statistiken mit den Kalenderjahres-Endständen immer ein besonderer Hingucker.

Die Anleger stehen da vor spektakulären Ergebnissen. Vor einem Jahr, damals mit den Ultimoständen per Ende 2005, sahen die Fünfjahreszahlen ganz anders aus – düster. Das desaströse Börsenjahr 2001 mit den Folgen des 11. Septembers drückte die Aktienfondsergebnisse in die Verlustzone. Vor allem Depots mit Werten aus den etablierten Industrieländern schrieben rote Zahlen, nur Schwellenländer und Rohstoffe schnitten gut ab.

Doch jetzt, ein Jahr später, ist alles rosig. Der Trick: Das miserable Jahr 2001 ist aus der Fünfjahresbilanz verschwunden, ein erneut gutes Börsenjahr 2006 hat das Gesamtergebnis weiter in die schwarzen Zahlen getrieben. Und wenn im laufenden Jahr alles gut geht, werden die Statistiken mit der Abrechnung per Ultimo 2007 noch eins drauf setzen: Dann fällt auch das üble Börsenjahr 2002 aus der Datenreihe heraus.

Die Zahlen stehen da, schwarz auf weiß, wie in Stein gemeißelt – wirken irgendwie endgültig und unveränderlich. Intuitiv ist man geneigt, ihnen Prognosekraft zuzubilligen, die abgedruckten Renditen einfach in die Zukunft zu projizieren. Nach dem Motto: Gestern war es so, dann wird sich morgen daran nicht viel ändern. In der Finanzwelt sind nur wenige Dinge so sexy wie eine attraktive Performance in der Vergangenheit. Je hübscher die Zahl, umso eher sind Anleger bereit, Geld für ein Investment locker zu machen. So entstehen Auf- und Abschwünge an den Börsen, separiert durch Trendwenden.

Trends und Trendwenden bilden die Daten nur im Nachhinein ab. Performanceangaben sind wie ein Blick in den Rückspiegel, der keine Hinweise auf die vor einem liegenden Kurven gibt. Prognosekraft sollte man den Wertentwicklungen nicht zubilligen. Oder höchstens in einer Weise, die der bekannte amerikanische Finanzprofessor Robert Shiller mit dem Begriff „Reversion to the mean“ umschreibt. Nur kürzerfristig können sich Marktrenditen von ihren langfristigen Durchschnittswerten nach oben oder unten entfernen.

So gesehen dürften die Aktienerträge der vergangenen vier Jahre Ausreißer nach oben gewesen sein, die wahrscheinlich von unterdurchschnittlichen Renditen in der Zukunft kompensiert werden. In den Statistiken fehlt dieser Warnhinweis natürlich.

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