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14.02.2012

09:54 Uhr

Kommentar

Griechenland jagt Anlegern keine Angst ein

VonIngo Narat

Griechenland ist sowieso nicht mehr zu retten. Das ist jedem Anleger klar. Gerade deshalb dürfte die Pleite des kleinen Krisenlandes an den europäischen Märkten keinen Schock auslösen.

Ingo Narat, Handelsblatt-Redakteur. Pablo Castagnola

Ingo Narat, Handelsblatt-Redakteur.

FrankfurtFür weitsichtige Börsianer ist längst klar: Über kurz oder lang ist Griechenland nicht zu halten. Es braucht einen harten Schnitt. Und der Druck von der Straße nimmt täglich zu. Wenn eine große Mehrheit es fordert, wird sich Griechenland aus dem Euro-Verbund verabschieden.

Wie dann die Finanzmärkte reagieren, das ist die große Frage. Sunguard, ein IT-Dienstleister für die Finanzbranche, hat mit seinen Risikomodellen die Pleite simuliert. Das Ergebnis: Der von Griechenland befreite Rest-Euro steigt gegenüber dem Dollar um 10 Prozent, Euro-Zonen-Aktien fallen um diesen Prozentsatz, die Risikoaufschläge von Renditen europäischer Unternehmensanleihen steigen um 20 Prozent, die Renditen der Staatsanleihen aus den weiteren EU-Ländern fallen kräftig.

Wie realistisch sind solche Simulationen? Sie geben einen Hinweis auf Risikopotenziale – und Gewinnmöglichkeiten. Aber sie können kaum die Psychologie der Börsianer einfangen. Die Zahlungsunfähigkeit des Landes kann nicht verhindert werden, es sei denn, die Euro-Länder übernehmen die Gesamthaftung für das Land. Das erscheint heute weniger wahrscheinlich denn je.

Im Notfall würde die Europäische Zentralbank eingreifen

Mehr als einen kurzfristigen Schock dürfte eine offizielle Zahlungsunfähigkeit Griechenlands an den Märkten nicht auslösen – wenn es bei diesem Einzelereignis bleibt. Zu viele Börsianer haben sich schon darauf eingestellt. Außerdem steht im Hintergrund die Europäische Zentralbank, die im Notfall mit Liquiditätsspritzen das Finanzsystem fluten wird. Noch in diesem Monat rechnen Experten mit weiteren Krediten an die Banken.

Es ist auch denkbar, dass die Aktienanleger nach einem griechischen Euro-Austritt in den Euro-Ländern auf Einkaufstour gehen. Eine große Belastung mit nervenzehrenden Rettungsdebatten wäre schließlich ausgestanden. Besitzer von Bundesanleihen dürften weniger froh sein. Die heimischen Staatspapiere würden ihren Status als Fluchtburgen verlieren – zumindest solange die Euro-Schuldenkrise als eingedämmt erscheint. Das müsste die Renditen nach oben treiben und die Kurse im Gegenzug nach unten. Die teilweise hohen Renditen der Staatstitel anderer EU-Länder dagegen würden fallen.

Börsianer ängstigen sich vor allem vor unbekannten Risiken. Griechenland gehört nicht dazu.

Kommentare (2)

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Radiputz

14.02.2012, 11:50 Uhr

Herr Narat hat recht. Das Griechenlandthema ist im Grunde abgehakt. Die Angst vor dem Übertritt des Virus (Italien, Spanien ,Portugal) hat sich erledigt.Griechenland ist insolvent und man kann und muß es in einen geordneten Bankrott gehen lassen. Angemessen ist auch ein Austritt aus der Währungszone, um seine Tourismusindustrie wieder konkurrrnzfähig zu machen. In der EU kann Griechenland bis auf weiteres verbleiben und man kann diesem Land durchaus mit flankierenden Maßnahmen auch weiter zus Seite stehen.
Die Konequenzen für ihr jahrelanges Fehlverhalten, müssen die Griechen allerdings selber tragen und versuchen durch eine Generalbereinigung auf allen Gesellschafts- und Politikfeldern wieder auf die Beine zu kommen.
Das soetwas nicht unmöglich ist, zeigt das Beispiel Argentinien nach dessen Staatsbankrott.

Mazi

14.02.2012, 13:21 Uhr

Herr Narat, ein interessantes Szenario.

Aber wie wird die Alterssicherung eines deutschen Anlegers in Griechenlandanleihen und wie die Geldanlage eines Griechen gehandhabt?

Der Deutsche kann doch nicht schlechter gestellt werden als der Grieche. Oder?

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