Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.08.2011

12:28 Uhr

Kommentar

Warum Investoren den USA (noch) treu bleiben

VonJörg Hackhausen

Eine der führenden Ratingagenturen stuft die Kreditwürdigkeit der USA herunter. So groß die Symbolkraft dieses Schrittes ist, so wenig belastet er die US-Anleihen. Im Gegenteil.

Jörg Hackhausen ist Finanzredakteur des Handelsblatts. Quelle: Pablo Castagnola

Jörg Hackhausen ist Finanzredakteur des Handelsblatts.

Es ist ein Schock für die Amerikaner: Standard & Poor’s stuft die Kreditwürdigkeit der USA geringer ein als die des kleinen Luxemburgs. Das Geld fließt aber noch lange nicht nach Luxemburg und die massenhafte Flucht aus US-Staatsanleihen bleibt heute aus. Im Gegenteil: Die Kurse von US-Staatsanleihen sind am Montag trotz der Herabstufung deutlich gestiegen. Zweijährige Anleihen rentierten mit 0,25 Prozent, fünfjährige Anleihen mit 1,18 Prozent. Bei zehnjährigen Anleihen liegt die Rendite aktuell bei 2,48 Prozent.

Warum stecken Investoren ihr Geld in US-Anleihen, obwohl diese gerade abgewertet wurden?

Natürlich - die Herabstufung durch S&P kam nicht ganz unerwartet. S&P hatte sie frühzeitig angedroht, sodass die Investoren Zeit hatten, sich darauf einzustellen.

Noch wichtiger ist aber ein anderer Mechanismus, der immer dann greift, wenn es an den Finanzmärkten brenzlig wird: Sobald es zur Sache geht, ziehen US-Anleger Geld aus risikoreichen Anlagen ab, die sie rund um den Globus halten. Dazu zählen unter anderem Aktien aus den Schwellenländern, aber auch aus Deutschland. Gerade im Dax waren US-Investoren zuletzt stark investiert – das hat den Dax lange angetrieben, wird ihm nun aber zum Verhängnis. Die vergangene Woche lieferte dafür das beste Beispiel. Der deutsche Leitindex verlor stärker als andere Indizes, und deutlich mehr als die US-Börsen.

Der Tag an den Märkten (Stand: 18:00 Uhr)

Dax

+3,3 Prozent

SMI (Schweiz)

+5,0 Prozent

CAC 40 (Frankreich)

+2,9 Prozent

FTSE 100 (Großbritannien)

+/- 0 Prozent

ASE (Griechenland)

+0,3 Prozent

Ibex 35 (Spanien)

+3,6 Prozent

MIB (Italien)

-1,0 Prozent

Eurostoxx 50

+2,9 Prozent

Dow Jones

+2,6 Prozent

Nasdaq

+3,3 Prozent

S&P 500

+2,9 Prozent

Nikkei

-0,6 Prozent

CSI 300 (China)

+1,5 Prozent

Gold

-1,9 Prozent

Silber

-0,6 Prozent

Öl (Brent)

+1,5 Prozent

Dollar

1 Euro = 1,422 Dollar / +0,5 Prozent

CDS Deutschland

+85 Basispunkte

CDS USA

+54 Basispunkte

CDS Frankreich

+ 174 Basispunkte

Bundesanleihen (10 Jahre)

+/- 0 Basispunkte

US-Staatsanleihen (10 Jahre)

+5 Basispunkte

Griechische Staatsanleihen (10 Jahre)

+8 Basispunkte

Spanische Staatsanleihen (10 Jahre)

-5 Basispunkte

Italienische Staatsanleihen (10 Jahre)

-6 Basispunkte

Durch eine Herunterstufung der USA sinkt zwar die durchschnittliche Kreditqualität im Portfolio der Investoren. Um diese wieder herzustellen, würden US-Anleger eher Anleihen von Staaten mit deutlich schlechterer Bonität verkaufen als die heimischen. Es klingt paradox: Aber das so frei werdende Geld fließt wiederum in US-Treasuries.

Das beste Bespiel für die Treue der US-Anleger ist Warren Buffett. Der legendäre Investor erklärte am Montag, er kaufe weiter US-Staatsanleihen - und wenn er könnte, würde er den USA ein Vierfach-A-Rating verpassen.

Für Investoren gibt es im Moment keine Alternative zu US-Staatsanleihen. Der Markt für Treasuries ist immer noch der größte und liquideste Anleihemarkt weltweit. Wer sein Geld einigermaßen sicher parken will, kommt um US-Anleihen nicht herum. Aktien sind für institutionelle Investoren wie zum Beispiel die großen US-Pensionsfonds zu anfällig für Kursschwankungen. Der Goldmarkt ist zu klein, um die Billionen aufzunehmen, die im Spiel sind.

Niemand sollte den Fehler machen, die Amerikaner jetzt schon abzuschreiben. Die Wall Street und die US-Notenbank geben weiterhin den Takt an den Weltfinanzmärkten vor. Daran ändert die Herunterstufung erst einmal nichts. Luxemburg muss warten.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

08.08.2011, 14:47 Uhr

Die Analyse ist richtig - kurzfristig. denn wie lange kann man heisse Luft kaufen. Was geschieht, wenn dieser Konsens kippt?

Karl

08.08.2011, 18:40 Uhr

Geld nach Luxemburg ?
Was ist denn das für ein Schwachsinn ??
Nicht umsonst gibt es das PPTeam in USA und auch neuerdings hier in Europa um die Märkte zu "stabilisieren"
Ob Investoren den Staatsanleihen Schrott noch kaufen wage ich zu bezweifeln !
Das Weltfinanzsystem ist hochgradig manipuliert, korrupt und verlogen.
Aber die Masse der Menschen hat das noch nicht kapiert.....noch nicht !

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×