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13.07.2011

20:38 Uhr

Kräftige Abstufung

Fitch sieht Griechenland kurz vor der Pleite

Die EU-Schuldenkrise eskaliert: Irlands Anleihen gelten nur noch als „Ramsch“ - und Griechenland steht nach einer weiteren Abwertung kurz vor dem Bankrott. Den 17 Euro-Staaten scheint die Zeit davon zu laufen.

Neue Hiobsbotschaft für Griechenland: Die Rating-Agentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit des Landes erneut herabgestuft. Quelle: dapd

Neue Hiobsbotschaft für Griechenland: Die Rating-Agentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit des Landes erneut herabgestuft.

New York/Berlin/Brüssel/DublinDie Rating-Agentur Fitch hat am Mittwoch die Kreditwürdigkeit von Griechenland erneut kräftig heruntergestuft. Die Agentur verpasste Griechenland die Note „CCC“. Dies ist mehrere Stufen unter der bisherigen Bewertung „B+“ und die schlechteste Note vor einem Zahlungsausfall. Die Herabstufung resultiere daraus, dass es bislang kein neues, komplett finanziertes und glaubwürdiges Wirtschaftsprogramm von EU und IWF gebe. Schuld sei auch der sich verschlechternde wirtschaftliche Ausblick für das Land sowie die Ungewissheit über die Beteiligung privater Gläubiger an einem zweiten Rettungspaket, erklärte Fitch.

Die Regierung Athen reagierte mit Unverständnis auf die Herabstufung. Die Eurogruppe habe vergangenen Montag beschlossen, das neue Hilfsprogramm bis zum 15. September zu schnüren und es in die Tat umzusetzen, hieß es in Athen. Man müsse sich also wundern, „warum Fitch heute diese Erklärung ausgab, obwohl das Programm der Eurozone und des IWF beschlossen und bekannt ist“, erklärte das Finanzministerium in Athen. Die Aktion von Fitch werde das Banksystem Griechenlands nicht beeinflussen. Fitch werde zudem „in der Realität eine Antwort bekommen, sobald das (Rettungs-)Programm voll und ganz in die Tat umgesetzt wird“, hieß es weiter.

Die beiden anderen Ratingagentur Standard & Poor's („CCC“) und Moody's („Caa1“) hatten schon früher ihre Noten auf ein vergleichbares Niveau reduziert. Der Eurokurs reagierte daher kaum auf die Entscheidung von Fitch und notierte mit 1,4160 US-Dollar nur knapp unter seinem Tageshöchstkurs.

In der zunehmend bedrohlichen EU-Schuldenkrise wächst aber der Druck auf Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre europäischen Partner: Mit deutlichen Worten forderte der IWF die EU auf, den Streit um eine Beteiligung der Banken an der finanziellen Rettung Griechenlands zu beenden. Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) beklagt den „Wankelmut der Politik“ und verlangt sogar eine Beistandsgarantie der Bundesregierung für alle Euroländer. Derweil zweifelt die Ratingagentur Moody's nun auch an der Kreditwürdigkeit Irlands und stufte die grüne Insel nach Griechenland und Portugal auf „Ramschniveau“ ab. Kritik an den bisher diskutierten Plänen zur Euro-Rettung kam von Bundesbankpräsident Jens Weidmann.

Der IWF, der an allen drei laufenden EU-Hilfsprogrammen für Griechenland, Portugal und Irland beteiligt ist, bezeichnete eine umfassende Beteiligung des privaten Sektors ausdrücklich als angebracht. Die darüber in der Öffentlichkeit geführte Debatte entwickele sich aber „zu einem ernsten Problem für die Glaubwürdigkeit des Hilfsprogramms“, stellte der IWF in einem am Mittwoch in Washington veröffentlichten Bericht fest.

Der Chef des HWWI, Thomas Straubhaar, empfahl, die bestehenden Rettungsschirme ohne Begrenzung so sehr zu vergrößern, dass es an der Hilfsbereitschaft der EU zugunsten aller Risikokandidaten keinen Zweifel gebe. „Damit die Politik nicht Getriebener der Märkte ist, muss die EU klar sagen: Weder wollen noch können wir ein Land in den Bankrott gehen lassen“, sagte er dem Bremer „Weser-Kurier“ (Donnerstagausgabe).

Kommentare (41)

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Ihr_bekommt_was_ihr_verdient

13.07.2011, 19:37 Uhr

Der Dollar muss leben, auch wenn der Euro und die EU sterben müssen. Das sind wir unseren Partnern im Währungsweltkrieg einfach schuldig.

Dann fängt der Michel eben wieder bei Null an. Das ewig jammernde, aber passive und untertänige Arbeitstier wird es schon richten.

Rainer_J

13.07.2011, 19:38 Uhr

Schaffen wir einfach eine neue Ratingagentur, bei der die EZB ein Mitspracherecht hat und vergeben AAA für Griechenland.

Allerdings wird dieser Schachzug mit der Aufgabe der Partie(Eurozone) enden. Ohnehin steht die EUdSSR mitterweile so schlecht, dass jeder weitere Zug trotzdem zum Matt für die Eurozone führt.

Account gelöscht!

13.07.2011, 19:53 Uhr

Es ist nur eine Frage der Zeit, wann werden Ratingagenturen wie Moody's auch Zweifel an der Kreditwürdigkeit von Deutschland erheben?

Wir bürgen mit 200 Milliarden im ESM dazu kommen nochmal schlappe 1200 Milliarden aus der deutschen Staatsverschuldung. Ich möchte mir nicht ausmalen mit welchen Größenordnungen wir es bei Ausfallversicherungen der deutschen Banken zu tun haben...


Hier können sie prophylaktisch ihre Stimme gegen den geplanten ESM abgeben

https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=18123

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