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12.03.2012

12:21 Uhr

Kreditausfallversicherung

Bundesbank sieht keine Risiken durch Griechenland-Pleite

Der Schuldenschnitt für Griechenland sollte „freiwillig“ über die Bühne gehen. Doch er wird zur zwangsweisen Enteignung. Genau das wollte die Politik vermeiden. Trotzdem bleibt die befürchtete Kettenreaktion bislang aus.

Griechenland hat die letzten widerspenstigen Gläubiger zwangsweise enteignet.   dpa

Griechenland hat die letzten widerspenstigen Gläubiger zwangsweise enteignet.  

DüsseldorfDer Schuldenschnitt für Griechenland ist nichts anderes als eine Staatspleite. Das ist spätestens seit diesem Wochenende endgültig klar. Zwar hat die Politik alles daran gesetzt, den Schuldenschnitt nicht wie eine Pleite aussehen zu lassen – er sollte „freiwillig“ über die Bühne gehen. Doch nun wird Griechenland die letzten widerspenstigen Gläubiger zwangsweise enteignen.

Dem Derivateverband International Swaps and Derivatives Association (ISDA) bleibt deshalb nicht anderes übrig, als die Umschuldung als „Kreditereignis“ zu werten, was einen formalen Zahlungsausfall bedeutet. Dies führt wiederum dazu, dass Kreditausfallversicherungen – Credit Default Swaps (CDS) – fällig werden.

Kreditausfallversicherungen (CDS)

Was sind Kreditausfallversicherungen?

Mit Credit Default Swaps (CDS) - zu deutsch Kreditausfallversicherungen - können sich Investoren gegen einen möglichen Zahlungsausfall zum Beispiel einer Staatsanleihe oder eines Firmenbonds absichern. Kann der Schuldner nicht zahlen, springt der Versicherer ein. Vorausgesetzt er hat ausreichend dafür vorgesorgt - was nicht immer der Fall ist. 2008 stand der damals größte Emittent solcher Produkte, der US-Versicherungsriese American International Group (AIG), kurz vor der Pleite. Damals ging es um CDS auf den Ausfall hochspekulativer Wertpapiere, die Kredite für den amerikanischen Häusermarkt bündelten. Der Versicherungskonzern konnte die Schadenssummen aus den Ausfällen nur zahlen, weil er vorher vom Staat gerettet wurde.

Wer verdient an den CDS?

Zuerst einmal derjenige, der das Risiko versichert - das kann beispielsweise eine Bank sein. Je schlechter ein Land da steht, desto höher die Summe, die für eine Kreditausfallversicherung gezahlt werden muss. Die Prämien für mögliche Ausfälle Griechenlands oder anderer hoch verschuldeter Euro-Staaten sind deutlich gestiegen. Mit Kreditausfallversicherungen wetten aber auch Zocker auf eine schlechtere Bonität der Schuldner, ohne die entsprechenden Staatsanleihen zu besitzen. Dem schiebt die EU weitgehend einen Riegel vor, weil die Praktiken nach gängiger Meinung den Kursverfall von Staatsanleihen künstlich beschleunigt haben. Prinzipiell sollen sich von November 2012 an nur noch Investoren den Schutz über CDS kaufen können, die entsprechende Staatsanleihen halten.

Warum stehen CDS in der Kritik?

CDS werden nicht an der Börse gehandelt, der Markt gilt als wenig transparent und es gibt bisher keine staatliche Kontrolle über die ausgegebenen Papiere. Welche Investoren wie viele CDS auf Griechenland-Anleihen in ihren Büchern haben, ist kaum zu durchschauen. Der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Mählmann von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt sieht daher „dringenden Handlungsbedarf“. „CDS sind durchaus sinnvoll. Aber es
muss klar sein, wer welches Risiko trägt. Es darf keinen zweiten AIG-Fall geben“.

Was ist das Risiko?

Viele Finanzhäuser haben ihr Engagement in Griechenland-Anleihen verringert. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass sie die Papiere verkauft haben. Das Risiko lässt sich auch durch den Erwerb von CDS minimieren. „Die entscheidende Frage ist daher, wo das Risiko geblieben ist. Die Anleihen sind ja nicht verschwunden. Durch die CDS wurde das Risiko lediglich umverteilt“, sagt Mählmann. Zwar führt der amerikanische Finanzdienstleister
Depository Trust & Clearing Corp (DTCC) ein zentrales Register, das Auskunft über die Volumina der Produkte gibt. „Doch CDS müssen nicht darüber laufen. Es gibt nach wie vor keine richtige Transparenz“, kritisiert Mählmann. (Quelle: dpa)

Das wollten die Euro-Retter unbedingt vermeiden. Immer wieder warnten sie vor den Folgen, sollten die CDS in großem Stil ausgelöst werden. Dann sei ein Flächenbrand zu befürchten, hieß es - übrigens nicht nur von Seiten der Politik, sondern auch aus der Branche selbst.

Die Kettenreaktion, ausgelöst durch Kreditausfallversicherungen, bleibt bislang aus; wobei es für ein abschließendes Urteil noch zu früh ist. „Die zum Wochenausklang freundlichen Marktreaktionen werte ich als ermutigendes Zeichen“, sagte Bundesbank-Vorstand, Andreas Dombret. Er kann dem Zahlungsausfall sogar etwas Positives abgewinnen: „Dass CDS-Kontrakte ausgelöst werden, hat aus Sicht der Finanzstabilität auch positive Aspekte.“ Die Bankenaufsicht habe nämlich durchaus ein Interesse daran, dass Institute ihre riskanten Bestände absicherten.

Griechenland-Pleite: Hedge-Fonds werden für Schuldenschnitt entschädigt

Griechenland-Pleite

Hedge-Fonds werden für Ausfälle entschädigt

Nach dem Branchenverband ISDA werden Kreditausfallversicherungen fällig.

Mit Investitionen in CDS können sich Banken oder Hedge-Fonds gegen den Ausfall von Anleihen absichern. Allerdings kaufen viele Investoren diese Finanzinstrumente nicht, um sich abzusichern. Meistens halten sie nicht einmal die zugrunde liegenden Anleihen oder Kredite.

Kommentare (3)

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Acky

12.03.2012, 12:36 Uhr

Hahaha, dann können wir ja weitermachen wie bisher. :-) Wie kann man an GTag 1 nach der Griecheland Pleite sowas schreiben. Noch kein Mensch in den Banken hat ne Ahnung wer was wo wann bekommen soll. War bei Lehman ja auch so. Schön verpackt in Strukturierte Produkte und kreuz und quer mit geringerem Risiko weiterverkauft... Warten wir mal 2 Wochen ab und dann kann man schreiben "Griechenland-Pleite löst keine Kettenreaktion aus"

Die die jetzt freiwillig auf 70% verzichtet haben bekommen jetzt nichts von den Versicherungen ? Nie im Leben. Die haben sicher alle Klauseln mit an Griechenland ins Finanzministerium geschickt, wenn die Insolvenz festgestellt wird und die Versicherungen fällig werden - gilt der freiwillige Verzicht nicht mehr. Wird noch witzig.

gdopamin

12.03.2012, 12:46 Uhr

Wollen wir alle hoffen, dass das HB recht hat.
Ich bin da noch etwas skeptisch. Bei Lehman hat es auch zwei Wochen gedauert bis der Absturz kam. Für Jubelarien ist es noch etwas früh....

daprode

12.03.2012, 12:57 Uhr

Keine Risiken, das kann man nach 2 Tagen sagen? Auch so ein Sinnbild der HB Qualität: "...Der Chef der Bundesbank, Andreas Dombret..." Die letzten 2 Jahre Finanzkrise haben eine nicht mehr zählbare Anzahl an unsinnigen Artikeln beim Handelsblatt produziert, Respekt.

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