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01.03.2012

13:49 Uhr

Kreditausfallversicherung

CDS auf griechische Staatsanleihen werden nicht fällig

VonAndrea Cünnen

Seit Tagen warten Anleger darauf, ob der Schuldenschnitt für Griechenland die Kreditausfallversicherungen CDS aktiviert. Jetzt ist eine Entscheidung gefallen.

Baufällig: Die Akropolis in Athen. dpa

Baufällig: Die Akropolis in Athen.

Investoren, die sich vor einem Zahlungsausfall Griechenlands abgesichert haben, müssen weiter auf ihr Geld warten. Ob sie jemals etwas sehen, ist ungewiss. Den der für die Modalitäten zuständige Derivateverband International Swaps and Derivatives Association (ISDA) hat erneut entschieden, dass es zunächst noch kein Geld gibt.

Konkret ging es dabei um die Fragen, dass die privaten Investoren schlechter gestellt werden, weil die Europäische Zentralbank (EZB) beim freiwilligen Schuldenschnitt der privaten Gläubiger nicht mitmacht. Diese Frage wurde bereits Anfang der Woche bei der ISDA eingereicht. Das zuständige Komitee vereinte sie aber nach einer Telefonkonferenz.

Kreditausfallversicherungen (CDS)

Was sind Kreditausfallversicherungen?

Mit Credit Default Swaps (CDS) - zu deutsch Kreditausfallversicherungen - können sich Investoren gegen einen möglichen Zahlungsausfall zum Beispiel einer Staatsanleihe oder eines Firmenbonds absichern. Kann der Schuldner nicht zahlen, springt der Versicherer ein. Vorausgesetzt er hat ausreichend dafür vorgesorgt - was nicht immer der Fall ist. 2008 stand der damals größte Emittent solcher Produkte, der US-Versicherungsriese American International Group (AIG), kurz vor der Pleite. Damals ging es um CDS auf den Ausfall hochspekulativer Wertpapiere, die Kredite für den amerikanischen Häusermarkt bündelten. Der Versicherungskonzern konnte die Schadenssummen aus den Ausfällen nur zahlen, weil er vorher vom Staat gerettet wurde.

Wer verdient an den CDS?

Zuerst einmal derjenige, der das Risiko versichert - das kann beispielsweise eine Bank sein. Je schlechter ein Land da steht, desto höher die Summe, die für eine Kreditausfallversicherung gezahlt werden muss. Die Prämien für mögliche Ausfälle Griechenlands oder anderer hoch verschuldeter Euro-Staaten sind deutlich gestiegen. Mit Kreditausfallversicherungen wetten aber auch Zocker auf eine schlechtere Bonität der Schuldner, ohne die entsprechenden Staatsanleihen zu besitzen. Dem schiebt die EU weitgehend einen Riegel vor, weil die Praktiken nach gängiger Meinung den Kursverfall von Staatsanleihen künstlich beschleunigt haben. Prinzipiell sollen sich von November 2012 an nur noch Investoren den Schutz über CDS kaufen können, die entsprechende Staatsanleihen halten.

Warum stehen CDS in der Kritik?

CDS werden nicht an der Börse gehandelt, der Markt gilt als wenig transparent und es gibt bisher keine staatliche Kontrolle über die ausgegebenen Papiere. Welche Investoren wie viele CDS auf Griechenland-Anleihen in ihren Büchern haben, ist kaum zu durchschauen. Der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Mählmann von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt sieht daher „dringenden Handlungsbedarf“. „CDS sind durchaus sinnvoll. Aber es
muss klar sein, wer welches Risiko trägt. Es darf keinen zweiten AIG-Fall geben“.

Was ist das Risiko?

Viele Finanzhäuser haben ihr Engagement in Griechenland-Anleihen verringert. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass sie die Papiere verkauft haben. Das Risiko lässt sich auch durch den Erwerb von CDS minimieren. „Die entscheidende Frage ist daher, wo das Risiko geblieben ist. Die Anleihen sind ja nicht verschwunden. Durch die CDS wurde das Risiko lediglich umverteilt“, sagt Mählmann. Zwar führt der amerikanische Finanzdienstleister
Depository Trust & Clearing Corp (DTCC) ein zentrales Register, das Auskunft über die Volumina der Produkte gibt. „Doch CDS müssen nicht darüber laufen. Es gibt nach wie vor keine richtige Transparenz“, kritisiert Mählmann. (Quelle: dpa)

Am Morgen war noch eine weitere Frage dazugekommen, nämlich ob Geld aus den Credit Default Swaps (CDS) genannten Kreditausfallversicherungen fließt, weil die griechische Regierung alle privaten Gläubiger mittels der nachträglich eingefügten Umschuldungsklauseln dazu zwingen kann, sich am Schuldenschnitt zu beteiligen. Auch dazu sagte die ISDA nein.

Für Experten kommt dies nicht überraschend, da sich der Derivateverband zuvor bereits ähnlich geäußert hatte. Er legt fest, wann ein sogenanntes „Kreditereignis“ vorliegt, dass sofortige Zahlungen aus den CDS zur Folge hat. Dieses Kreditereignis sieht die ISDA gemäß ihren Regeln aber nur, wenn Investoren zwangsweise auf Geld verzichten müssen. Das ist aber noch nicht der Fall, obwohl der Weltbankenverband IIF bereits zugesagt hat, dass die privaten Gläubiger freiwillig auf nominal 107 Milliarden Euro ihrer griechischen Anleihen im Wert von 206 Milliarden Euro verzichten werden.

CDS-Zockerpapiere: Versicherung ohne jede Sicherheit

CDS-Zockerpapiere

Versicherung ohne jede Sicherheit

Eigentlich soll eine Kreditausfallversicherung gegen eine Pleite versichern - außer beim „freiwilligen“ Schuldenschnitt für Griechenland. Das entlarvt die Derivate als das, was sie sind: Zockerpapiere.

Experten gehen aber davon aus, dass die CDS erst fällig werden, wenn sich nicht genügend private Gläubiger an der freiwilligen Umschuldung beteiligen und deshalb tatsächlich alle Gläubiger zum Tausch gezwungen werden. Darüber entscheidet die griechische Regierung voraussichtlich ab dem 12. März. Unter dem Strich würden bei einem Kreditereignis Zahlungen über 3,2 Milliarden Dollar fließen.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

01.03.2012, 14:21 Uhr

In der Headline fehlt ein Wort: noch

blackstone13

01.03.2012, 15:01 Uhr

Da fehlt noch viel mehr!
3. Satz: DenN der ...
6. Satz: Das zuständige Komitee verNeinte ...
4. Absatz: schließen doppelt
5. Absatz: Deutsch eBank ... DeutschE Bank
Heute Praktikantentag oder gestern Feiertag?
LG Blackstone13

cityboy

01.03.2012, 15:07 Uhr

die auslegung des nichtausfalls, schließlich erfolgt ja der umtausch "freiwillig" und die besserstellung der geldwächter als nicht credit event durch die isda war zu erwarten. ich bin gespannt wie die mitspieler reagieren werden. die meisten banken sind wahrscheinlich froh, dass sie für den sondermüll in ihren büchern nichts zahlen müssen. aber die zocker, also die geckos dieser welt und deren brüder, die hedgefonds, werden sicher alle hebel und kreativen ideen in bewegung setzen, um den credit event noch auszulösen. es ist aber vielleicht auch nicht unwahrscheinlich, dass die aufseher hier mal aufwachen und einschreiten. schließlich zeigt dieser fall, dass eine absicherung durch cds nur mit der güte und gnade der isda zu erzielen ist. also sollte schleunnigst in frage gestellt werden, ob diese produkte somit überhaupt irgendeinen permanenten absicherungsnutzen haben können. solvv- und ifrs-experten sind gefragt. es könnte also sein, dass die idee der isda nach hinten losgeht. zu wünschen wäre es, denn wie bewegung ins thema kommt ist egal. hoffentlich wird irgendwann doch noch erkannt werden, dass diese produkte verboten gehören. spätestens beim credit event, von dem ich erwarte, dass er bald eintreten wird, werden aber sicher viele überrascht sein, welche banken "kreativ bewerteten" schrott im portfolio haben und probleme bekommen werden. es bleibt spannend, auf zum fröhlichen zocken.

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