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28.03.2012

07:24 Uhr

Kreditausfallversicherung

Zwei Milliarden für CDS-Spekulanten

Investoren mit Kreditausfallversicherungen für griechische Staatsanleihen können sich freuen. Sie erhalten eine Entschädigung für die Griechenland-Pleite. Die genaue Summe steht jetzt fest.

Das Wahrzeichen Griechenlands: Die Akropolis in Athen. dapd

Das Wahrzeichen Griechenlands: Die Akropolis in Athen.

New YorkInvestoren mit Kreditausfallversicherungen für griechische Staatsanleihen haben wegen des erzwungenen Schuldentauschs rund 2,2 Milliarden Euro erhalten. Dies gab am Dienstag der US-Börsendienstleister DTCC bekannt, ein Zentralregister für sogenannte Credit Default Swaps. Die Summe liegt leicht unter den Schätzungen.

Die Zahlungen decken die Differenz zwischen dem Wert der neuen griechischen Papiere sowie dem Nominalwert der alten Anleihen ab. Der größte Anleihetausch der Geschichte soll erheblich dazu beitragen, den griechischen Schuldenberg von derzeit 160 Prozent der Wirtschaftsleistung bis 2020 auf 120 Prozent zu reduzieren.

Welche Banken mit CDS auf Griechenland handeln

Deutsche Bank

CDS gekauft („protection buyer“): 4,324 Milliarden Euro

CDS verkauft („protection seller“): 4,420 Milliarden Euro

Summe: - 96 Millionen Euro

Quelle: European Banking Authority (EBA)

Commerzbank

CDS gekauft („protection buyer“): 825 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 825 Millionen Euro

Summe: 0

Landesbank Baden-Württemberg

CDS gekauft („protection buyer“): 271 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 216 Millionen Euro

Summe: 55 Millionen Euro

DZ Bank

CDS gekauft („protection buyer“): 636 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 806 Millionen Euro

Summe: - 170 Millionen Euro

NordLB

CDS gekauft („protection buyer“): 0

CDS verkauft („protection seller“): 92 Millionen Euro

Summe: - 92 Millionen Euro

WestLB

CDS gekauft („protection buyer“): 326 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 403 Millionen Euro

Summe: - 77 Millionen Euro

DekaBank

CDS gekauft („protection buyer“): 10 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 20 Millionen Euro

Summe: - 10 Millionen Euro

Österreichische Volksbank

CDS gekauft („protection buyer“): 81 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 35 Millionen Euro

Summe: 46 Millionen Euro

Banco Santander

CDS gekauft („protection buyer“): 214 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 214 Millionen Euro

Summe: 0

BNP Paribas

CDS gekauft („protection buyer“): 214 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 306 Millionen Euro

Summe: - 92 Millionen Euro

Credit Agricole

CDS gekauft („protection buyer“): 9 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 48 Millionen Euro

Summe: - 39 Millionen Euro

Societe Generale

CDS gekauft („protection buyer“): 2,454 Milliarden Euro

CDS verkauft („protection seller“): 2,457 Milliarden Euro

Summe: - 3 Millionen Euro

Royal Bank of Scotland

CDS gekauft („protection buyer“): 3,375 Milliarden Euro

CDS verkauft („protection seller“): 3,152 Milliarden Euro

Summe: 223 Millionen Euro

HSBC Holdings

CDS gekauft („protection buyer“): 1,725 Milliarden Euro

CDS verkauft („protection seller“): 1,482 Milliarden Euro

Summe: 243 Millionen Euro

Barclays

CDS gekauft („protection buyer“): 4,372 Milliarden Euro

CDS verkauft („protection seller“): 4,451 Milliarden Euro

Summe: - 79 Millionen Euro

Unicredit

CDS gekauft („protection buyer“): 817 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 1,116 Milliarden Euro

Summe: - 299 Millionen Euro

Quelle: European Banking Authority (EBA)

Griechenland hatte bei seinem Schuldenschnitt Zwangsklauseln aktiviert. Dies führte dazu, dass Kreditausfallversicherungen - Credit Default Swaps (CDS) - fällig werden. Die Entscheidung darüber hat der Derivateverband International Swaps and Derivatives Association (ISDA) getroffen.

Presseschau: Belohnung für die Zocker

Presseschau

Eine Belohnung für die Zocker

Die Entscheidung des internationalen Derivateverbands zur Fälligkeit von Kreditausfallversicherungen sorgt für ein großes Medienecho. Doch das Votum bleibt umstritten. Die Presseschau.

Mit Investitionen in CDS können sich Anleger gegen den Ausfall von Anleihen absichern. Das Geschäft ist spätestens seit der Finanzkrise extrem umstritten. Nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers hätte der CDS-Markt beinahe schon einmal einen Flächenbrand ausgelöst. Damals hatten sich Investoren mit mehr als 500 Milliarden Dollar gegen eine Lehman-Pleite abgesichert.

Experten-Interview

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Experten-Interview: Sind griechische Staatsanleihen wieder sicher?

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Tatsächlich hätte AIG diese gewaltige Summe niemals bezahlen können. Hätte die US-Regierung den Versicherer damals nicht aufgefangen, wäre er in die Pleite gerutscht und mit ihm viele Banken, die sich über die CDS gegen einen Lehman-Kollpas versichert hatten.

Glossar

Collective Action Clauses (CAC) ...

... sind Umschuldungsklauseln für Anleihen. Sie besagen, dass alle übrigen Gläubiger auch zu einer Teilnahme gezwungen werden können, wenn eine große Mehrheit der Bondbesitzer einer Umschuldung freiwillig zustimmt. Die Mehrheit bemisst sich dabei am Bondvolumen.

Credit Default Swaps (CDS) ...

... sind Kreditausfallversicherungen. Mit solchen Derivaten können sich Anleger vor der Pleite eines Unternehmens oder Staates schützen, dessen Anleihen sie besitzen. Die Finanzinstitute, die solche CDS-Kontrakte verkaufen, versprechen den Käufern, dass sie für den Schaden einstehen, der durch die Pleite des Anleihe-Emittenten entsteht. Sollte dieser Fall eintreten, reicht der Versicherungsnehmer die entsprechende Pleite-Anleihe ein. Ein Gremium der ISDA entscheidet, ob der Schadensfall eingetreten ist und der Anleger Geld bekommt.

ISDA ...

... steht für International Swaps and Derivatives Association, also für den internationalen Derivatehändlerverband. Ein 15-köpfiges ISDA-Gremium darf entscheiden, ob ein Schadensfall eingetreten ist, der die Auszahlung der CDS-Kontrakte auslöst. Ist dies der Fall, gibt es eine Auktion, bei der sich alle CDS-Besitzer treffen und den Schaden regulieren. Das ISDA-Gremium wird von zehn internationalen Großbanken dominiert, die zu den größten CDS-Händlern zählen. Außerdem sitzen auf Investorenseite noch vier große Hedge-Fonds und der Anleiheinvestor Pimco in dem Komitee.


Von

rtr

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

28.03.2012, 09:35 Uhr

AUF EIN NEUES!
Was kosten denn so die Absicherungspapiere auf die neuen griechischen Anleihen?
Wäre da auch Zeit für eine schöne neue Wortneuschöpfung.
PAPPERLAPAPP - GRIECHENLAND IST PLEITE!

Sven

28.03.2012, 10:44 Uhr

CDS auf neue Anleihen Griechenlands bekommen Sie recht günstig denke ich. Einfach Ihren Bankberater fragen oder online ein Finanzportal (Bloomberg, Reuters) checken.

Auch wenn Griechenland pleite sein sollte, nutzt Ihnen vermutlich der CDS wenig, da die neuen Anleihen garantiert sind. Und Sie brauchen vermutlich auch die Anleihe im Bestand um entsprechende CDS zu erwerben.

Oekonomix

29.03.2012, 00:57 Uhr

"Den griechischen Schuldenberg von derzeit 160 Prozent der Wirtschaftsleistung bis 2020 auf 120 Prozent zu reduzieren."

So ein Quatsch. Der Schuldenschnitt von 107 Mrd. hat den gr. Schuldenberg bereits auf 112% des BIP reduziert. Hinzu kommt noch die extrem niedrige Verzinsung der neuen Bonds. GR zahlt für seine Schulden nun kaum mehr als 2% Zinsen. Wenn GR nun auf einen Schuldenstand von 120% kommen will können sie sich die Reformen ersparen und weiter munter unser Geld ausgeben.

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