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20.12.2011

15:23 Uhr

Kreditausfallversicherungen

Gefährliches Spiel mit den Staatsschulden

VonYasmin Osman

Deutsche Banken haben Anleger in großem Stil gegen die Risiken europäischer Staatsanleihen abgesichert. Das könnte für die Institute zum Problem werden. Sollte die Schuldenkrise eskaliert, drohen hohe Verluste.

Blick über die Frankfurter Bankentürme: Deutsche Banken haben viele Kreditderivate verkauft. dpa

Blick über die Frankfurter Bankentürme: Deutsche Banken haben viele Kreditderivate verkauft.

FrankfurtDie Insolvenz europäischer Staaten wäre für deutsche Banken besonders unangenehm. Das liegt daran, dass die heimischen Banken Anlegern besonders viele Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, kurz CDS) für europäische Staatsanleihen verkauft haben. Die 13 deutschen Banken, die am Stresstest der europäischen Bankenaufsicht Eba teilnahmen, kommen auf ein CDS-Volumen von 8,2 Milliarden Euro in Europa. Davon entfallen 7,6 Milliarden Euro auf Staaten der Euro-Zone, zeigen Auswertungen der Stresstestdaten der Eba, die den Stand vom 30. September 2011 abbilden.

Mit diesen CDS-Kontrakten können sich Investoren gegen die Insolvenz von Staaten absichern. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge sind deutsche Banken damit stärker am CDS-Markt engagiert als Institute anderer Länder. So kommen die vier französischen Banken im Stresstest auf ein Nettorisiko von 4,1 Milliarden Euro, bei den fünf geprüften italienischen Banken waren es drei Milliarden Euro.

Für deutsche Banken wäre es daher besonders unangenehm, wenn es zu unkontrollierten Insolvenzen in Europa käme. Derzeit droht so ein Szenario höchstens in Griechenland - aber auch nur dann, wenn es zu keiner "freiwilligen" Umschuldung kommt. Die dann fälligen Beträge wären mit 380 Millionen Euro für die Institute noch überschaubar. Solange der Schuldenschnitt aber das Etikett "freiwillig" behält, geschieht ohnehin nichts.

Unangenehm können große Bestände an Kreditausfallversicherungen für die Banken aber dann werden, wenn die Risikoprämien für diese Instrumente weiter steigen. Dann belasten sie unter Umständen die Ergebnisse derjenigen Banken, die solch einen Versicherungsschutz angeboten haben. Zu einem solchen Risikoanstieg könnte es kommen, wenn die Staatsschuldenkrise eskaliert oder Ratingagenturen die Bonität europäischer Staaten weiter senken.

Die Risiken aus Kreditderivaten sind ungleich verteilt. Am stärksten ist die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) engagiert. Sie hat europaweit Staatsanleihen im Umfang von 4,2 Milliarden Euro abgesichert, davon 3,1 Milliarden Euro aus der Euro-Zone. Die LBBW wollte sich dazu nicht äußern.

Kommentare (3)

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Klaus

20.12.2011, 16:16 Uhr

3,1 Milliarden Euro aus der Euro-Zone? Was sind das den für Peanuts. Da ist der werte Leser mittlerweile ganz andere Zahlen gewöhnt. Da machen die so ein Wind drum.

Markus

20.12.2011, 21:19 Uhr

Der Blödsinn mit den CDS gehört verboten. Sollte jedem klar sein, dass eine Staatspleite von z.B. Deutschland nicht mit CDS versicherbar ist. Welche Bank wäre denn noch zahlungsfähig bei der zu erwartenden Kettenreaktion? Damit ist auch klar dass es nicht wirklich um Absicherung sondern nur um Risikoverschleierung, Bilanzkosmetik und letztendlich Boni geht. Hat man auch eindrucksvoll bei der "Pleite" von AIG gesehen. Ein paar Herren haben irre viele CDS verkauft in guten Jahren ein Vermögen mit ihren Boni gemacht. 2008 war dann plötzlich kein Geld da als die Versicherungen fällig wurden, die Versicherung konnte nicht zahlen und AIG und zig Banken wären völlig blank wenn die USA nicht rettend eingegriffen hätten.

Mazi

21.12.2011, 12:57 Uhr

Man sollte fein säuberlich auf die Umschreibung Brutto- und Nettorisiko achten.

Nettorisiko ist dann oK, wenn die Positionssaldierung konkursfest ist. Genau dies darf man aber in einem solchen Fall nicht unterstellen.

Die Angaben sind mal wieder vergleichbar mit den Angaben zum Stresstest der Aufsichtsbehörden "vor Risiken".

Wenn man den Begriff "Euro-Rettung" mit dem Begriff "Bankenrettung" ersetzt ist man mal wieder sehr nah an der Wirklichkeit. Merkel muss sich da mal wieder mehr einfallen lassen. Ihr Vokabular ist abgenutzt und die Bürger verstehen sie schon richtig oder besser: "immer besser!"

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