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11.06.2015

06:46 Uhr

Kredite, Festgeld, Bundesanleihen

Wie die Zinswende Kredite teurer macht

VonKatharina Schneider

So hatten Anleger sich das nicht vorgestellt. Nachdem die Renditen für zehnjährige Bundesanleihen deutlich angezogen haben, steigen endlich auch andere Zinsen – aber die falschen. Sparer brauchen weiterhin Geduld.

Die Rendite der Bundesanleihen steigt wieder - und damit auch die Kreditzinsen. Imago

Ein Trend kippt

Die Rendite der Bundesanleihen steigt wieder - und damit auch die Kreditzinsen.

FrankfurtMit Wünschen muss man vorsichtig sein, denn sie könnten in Erfüllung gehen. Das gilt auch für den Wunsch nach einer Zinswende. Die nämlich setzt gerade ein, allerdings nicht so, wie Verbraucher sich das vorgestellt hatten.

Erstmals seit neun Monaten hat die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen am Mittwoch wieder die Ein-Prozent-Marke überschritten. Bei Millionen sicherheitsorientierten Anlegern schürt das die Hoffnung auf höhere Zinsen für ihre Spareinlagen. Es wäre doch schön, wenn das Festgeldkonto wenigstens die Inflationsrate ausgleichen könnte. Aktuell ist davon aber noch nichts zu sehen. Stattdessen tut sich etwas am Kreditmarkt – doch leider nicht zugunsten der Verbraucher.

Nach einer Auswertung der FMH-Finanzberatung haben sich die Zinsen für einjähriges Festgeld in den vergangenen Wochen kaum verändert. Während die Bund-Rendite seit dem 20. April von 0,05 auf aktuell knapp ein Prozent kletterte, schwankten die Festgeldzinsen minimal zwischen 0,37 und 0,40 Prozent. Anders die Reaktion etwa bei den Hypothekenzinsen mit einer Laufzeit von zehn Jahren: Diese sind von 1,27 auf 1,69 Prozent gestiegen – der Kredit per Hausbeleihung ist also teurer geworden. Die gleiche Tendenz zeigt sich bei Ratenkrediten.

So sparen die Deutschen

Der Durchschnitt

Ich spare regelmäßig: 64 Prozent
gelegentlich: 26 Prozent
gar nicht: 9 Prozent
keine Angabe: 1 Prozent
Quelle: Forsa-Umfrage „Sparerkompass 2015“

Nach Geschlecht

Regelmäßige Sparer:

Männer: 65 Prozent
Frauen: 62 Prozent

Gelegentliche Sparer:
Männer: 22 Prozent
Frauen: 30 Prozent

Nicht-Sparer:
Männer: 11 Prozent
Frauen: 7 Prozent

Nach Alter

Regelmäßige Sparer:

18-29 Jahre: 63 Prozent
30-39 Jahre: 68 Prozent
40-49 Jahre: 62 Prozent
50-59 Jahre: 62 Prozent
60-69 Jahre: 65 Prozent

Nach Familienstand

Regelmäßige Sparer:
Mit einem Partner lebend: 68 Prozent
Allein lebend: 56 Prozent

Gelegentliche Sparer:
Mit einem Partner lebend: 24 Prozent
Allein lebend: 31 Prozent

Nicht-Sparer:
Mit einem Partner lebend: 8 Prozent
Allein lebend: 11 Prozent

Nach Erwerbstätigkeit

Regelmäßige Sparer:
Erwerbstätig: 68 Prozent
Arbeiter: 66 Prozent
Angestellte: 71 Prozent
Beamte: 69 Prozent
Selbständig: 74 Prozent
Nicht erwerbstätig: 57 Prozent
Hausfrau: 65 Prozent
Rentner: 73 Prozent
Schüler/Student: 42 Prozent
Arbeitslos: 16 Prozent

Nach Ortsgröße

Regelmäßige Sparer:
Unter 20.000 Einwohner: 67 Prozent
20.000 bis 100.000 Einwohner: 64 Prozent
100.000 bis 500.000 Einwohner: 71 Prozent
500.000 Einwohner und mehr: 50 Prozent

Nach Bundesländern

Regelmäßige Sparer:
Berlin: 45 Prozent
Sachsen: 47 Prozent
Brandenburg: 53 Prozent
Niedersachsen: 53 Prozent
Mecklenburg-Vorpommern: 56 Prozent
Hamburg: 61 Prozent
Schleswig-Holstein: 61 Prozent
Saarland: 65 Prozent
Sachsen-Anhalt: 66 Prozent
Baden-Württemberg: 66 Prozent
Hessen: 67 Prozent
Thüringen: 67 Prozent
Bremen: 68 Prozent
NRW: 68 Prozent
Rheinland-Pfalz: 68 Prozent
Bayern: 74 Prozent

Nach Summen

So viel spart der Durchschnittsdeutsche pro Monat:
Weniger als 50 Euro: 10 Prozent
50 bis unter 100 Euro: 22 Prozent
100 bis unter 200 Euro: 25 Prozent
200 bis unter 300 Euro: 15 Prozent
300 bis unter 400 Euro: 9 Prozent
400 bis unter 500 Euro: 5 Prozent
500 Euro und mehr: 10 Prozent

So hatten sich Anleger die Zinswende wohl nicht vorgestellt. „Attraktive Einlagezinsen sind noch lange nicht in Sicht“, sagt Martin Faust, Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance. Die Begründung: „Die entscheidende Variable für kurzfristige Spareinlagen ist der Leitzins der Europäischen Zentralbank.“

Wie sich die Zinsen auf Tagesgeld und Festgeld entwickeln, hängt nämlich maßgeblich von der Refinanzierungssituation der Banken ab. Solange diese über die EZB günstig an Kapital kommen, haben sie keinen Grund, den Sparern höhere Zinsen für ihre Einlagen zu gewähren. Am Leitzins scheint die EZB jedoch erst einmal nicht rütteln zu wollen. Noch in der vergangenen Woche bestätigte sie die Marke von 0,05 Prozent.

Bei Krediten sind die Zusammenhänge anders: „Der Marktzins für Immobilienkredite orientiert sich vor allem an der Rendite für langfristige Anleihen und Pfandbriefe, der Leitzins der EZB wirkt hier nicht unmittelbar“, erklärt der Münchener Bankprofessor Klaus Fleischer. Hintergrund: Um Baudarlehen zu refinanzieren, nutzen Banken Pfandbriefe. Die Zinsen der Pfandbriefe bewegen sich nahezu synchron zu den Zinsen der langlaufenden Bundesanleihen. Steigen also die Anleihezinsen, wird die Immobilienfinanzierung teurer.

Kommentare (10)

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Herr Josef Schmidt

11.06.2015, 08:30 Uhr

Es gibt keine Zinswende. Das ist der Druck der EZB auf D um die Griechen zu retten.

Herr Werner Wilhelm

11.06.2015, 09:10 Uhr

@ Herrn Schmidt

Wie erklären Sie sich denn die niedrigen Zentralbankzinsen in den USA, Japan, Schweden, Schweiz, Großbritannien und Kanada?

Herr S. B.

11.06.2015, 09:50 Uhr

Bevor man Kommentare absondert sollte man sich zumindest ein bisschen mit den Zusammenhängen befassen. Man könnte sonst schnell als informationsresistent oder dumm wahrgenommen werden.

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