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28.01.2013

15:50 Uhr

Kreditrating

US-Topnote bei Fitch vorerst nicht in Gefahr

Bei zwei der drei großen Ratingagenturen werden die USA mit der Höchstnote bewertet – noch. Zwar haben Fitch und Moody's nicht angekündigt, die weltgrößte Volkswirtschaft herabzustufen. Doch der Ausblick ist negativ.

Gebäude von Fitch in New York: Die USA im Blick. dpa

Gebäude von Fitch in New York: Die USA im Blick.

London/FrankfurtDie Vereinigten Staaten müssen zumindest in den nächsten Wochen nicht darum bangen, ihre Top-Bonitätsnote „AAA“ bei der Ratingagentur Fitch zu verlieren. Wie die Agentur am Montag mitteilte, bewahrt die vorübergehende Aussetzung der Schuldengrenze die weltgrößte Volkswirtschaft zunächst vor einer genaueren Prüfung der Kreditwürdigkeit. Die Höchstnote könnte jedoch im späteren Jahresverlauf auf den Prüfstand kommen, sollten sich Regierung und Kongress nicht auf einen Plan zur nachhaltigen Haushaltskonsolidierung einigen, warnte Fitch.

Die USA stehen wie nahezu allen großen Industrieländer vor großen fiskalischen Herausforderungen. Die Staatsverschuldung beträgt mittlerweile mehr als die jährliche Wirtschaftsleistung (BIP), das Haushaltsdefizit liegt bei etwa zehn Prozent des BIP. Die gesetzlich vorgeschriebene Schuldenobergrenze von 16,4 Billionen US-Dollar ist bereits in Reichweite. Ein Überschreiten wurde zunächst durch Budget-Umschichtungen sowie eine Aussetzung der Grenze bis Mitte Mai vermieden. Experten rechnen damit, dass die Schuldengrenze etwa Ende Juni überschritten wird. Bis dahin müssen sich Regierung und Kongress also auf eine Anhebung einigen.

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Die USA werden derzeit von zwei der drei großen Ratingagenturen noch mit der Höchstnote bewertet. Allerdings haben sowohl Fitch als auch Moody's bereits mit einer Abstufung gedroht, der Ausblick für das Rating ist negativ. Die dritte führende Agentur Standard & Poor's (S&P) hatte den USA bereits im Sommer 2011 die Topnote entzogen. Auch bei S&P ist der Ratingausblick negativ.

Von

dpa

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