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24.02.2016

19:41 Uhr

Kreditwürdigkeit gesenkt

Moody's stuft Brasilien auf Ramsch-Status herab

Nach Fitch und Standard & Poor's hat nun auch Moody's die Kreditwürdigkeit Brasiliens auf Ramsch-Niveau gesenkt. Schuld ist der finanzielle Niedergang des Landes. Aber auch die Präsidentin sorgt für Unsicherheit.

Für Unsicherheit sorgen laut Moody's auch neue Spekulationen über ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsidentin Dilma Rousseff. AFP; Files; Francois Guillot

Dilma Rousseff

Für Unsicherheit sorgen laut Moody's auch neue Spekulationen über ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsidentin Dilma Rousseff.

Brasilia/Sao PauloDas von Korruptionsskandalen und Rezession geplagte Brasilien verliert zusehends an Kreditwürdigkeit. Mit Moody's stufte am Mittwoch die dritte führende Ratingagentur die Bonität der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas auf Ramsch-Status herab. Moody's senkte das Rating um gleich zwei Stufen und begründete den ungewöhnlichen Schritt damit, dass er das schiere Ausmaß der finanziellen Niedergangs durch Wirtschafts- und Schuldenkrise widerspiegele. Für Unsicherheit sorgen laut Moody's zudem neue Spekulationen über ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsidentin Dilma Rousseff. Ihr werden Steuervergehen und Korruption vorgeworfen, was sie zurückweist. Unterdessen türmt sich der Notenbank zufolge in Brasilien ein Berg fauler Kredite auf.

Moody's vergab die Note „Ba2“ und begründete den negativen Ausblick mit den Konjunkturaussichten und der Finanzlage. Die brasilianische Wirtschaft werde voraussichtlich in den nächsten Jahren nur ein schwaches Wachstum erreichen. Binnen drei Jahren drohe zudem die Staatsverschuldung die Grenze von 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu überschreiten. In den vergangenen drei Jahren war sie um 15 Punkte auf gut 66 Prozent gestiegen.

Vor Moody's hatten bereits Fitch und Standard & Poor's die Bonität des Landes auf „Junk“-Niveau heruntergestuft. Für Staat und Unternehmen des Landes hat eine Herabstufung tendenziell eine Verteuerung neuer Kredite zur Folge, da Geldgeber bei einem schlechteren Rating oft einen höheren Risikoaufschlag verlangen.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Wegen des wirtschaftlichen Niedergangs dürfte die Zahl von Kreditausfällen nach Erhebungen der brasilianischen Zentralbank in den kommenden Monaten steigen. So stellte die Notenbank fest, dass zuletzt immer mehr Kreditnehmer mit ihren Rückzahlungen in Verzug gerieten. Eine solche Zunahme an verspäteten Ratenzahlungen wird als Warnsignal für faule Kredite gewertet.

Die politische Lage in Brasilien gilt wegen der Vorwürfe gegen Rousseff als instabil. Umfragen zufolge sahen die Brasilianer die Präsidentin aber zuletzt nicht mehr ganz so negativ. Ihre Kritiker machen sie dagegen auch für den Wirtschaftsabschwung im Land verantwortlich. Finanzminister Nelson Barbosa versicherte zwar, die Regierung arbeite weiter an der Sanierung der Staatsfinanzen. Konkrete Ziele für 2017 und 2018 blieb er aber zunächst schuldig. Wirtschaftsstaatssekretär Manoel Pires stellte nun Sparziele in Aussicht. Eine Entscheidung stehe kurz bevor, sagte er.

Von

rtr

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