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05.07.2012

09:30 Uhr

Kreditwürdigkeit

S&P wittert Wendepunkt in der Schuldenkrise

Mit einer Welle von Herabstufungen haben die Ratingagenturen auf die Krise in Europa reagiert. Nun sieht Standard & Poor's einen Silberstreif am Horizont. Schon heute steht dem Anleihemarkt ein wichtiger Test bevor.

Nach Ansicht von S&P könnte Europa seinen Schuldenberg überwinden. dpa

Nach Ansicht von S&P könnte Europa seinen Schuldenberg überwinden.

FrankfurtIn der Schuldenkrise des Euroraums könnte nach Einschätzung der Ratingagentur Standard & Poor's der Wendepunkt erreicht werden, wenn die Beschlüsse des jüngsten EU-Gipfels mit Hilfe der Europäischen Zentralbank korrekt umgesetzt werden.

Die Ergebnisse des Gipfels vom vorigen Freitag könnten die Euro-Zone stabilisieren und eine weitere Schwächung der Kreditwürdigkeit verhindern, erklärte S&P am Mittwoch. Es bestehe jedoch das ernsthafte Risiko, dass die Übereinkünfte nicht verwirklicht würden. Dann müsse S&P die Kreditwürdigkeit der Euro-Zone erneut herabstufen.

Aus Sorge vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone hatten die EU-Staats- und Regierungschefs die Bedingungen für Hilfen gelockert und die die Tür für direkte Bankenzuschüsse aus ihrem Rettungsfonds ESM geöffnet. Sie kamen damit Spanien und Italien entgegen.

Zudem beschloss der Gipfel, mit der Schaffung einer zentralen Bankenaufsicht unter der Führung der EZB einen ersten Schritt zu einer Bankenunion zu gehen. Auch die anderen Ratingagenturen hatten die Gipfelbeschlüsse begrüßt.

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Positive Nachrichten könnten auch aus Irland kommen: Das Land tritt im Tagesverlauf erstmals seit fast zwei Jahren wieder am Geldmarkt auf. Die Schuldenagentur National Treasury Management Agency (NTMA) hat vor, Schatzwechsel im Volumen von 500 Mill. Euro mit einer Laufzeit von drei Monaten zu begeben.

Das Land geht davon aus, dass die auf dem EU-Gipfel in der vergangenen Woche beschlossenen Maßnahmen zur direkten Rekapitalisierung von Banken das Interesse der Investoren an irischen Staatspapieren gestärkt haben. Die irische Regierung unter Ministerpräsident Enda Kenny möchte, dass dem Land nachträglich Erleichterungen gewährt werden. Irland hat 64 Mrd. Euro in die Rettung seiner Banken gesteckt.

So viel kostet Europa

Rettungsfonds EFSM

Beim Rettungsfonds EFSM stehen 60 Milliarden Euro zu Buche. Der deutsche Anteil beträgt dabei 12 Milliarden Euro.

1. Rettungspaket für Griechenland (IWF und EU)

Griechenland erhielt durch das erste Rettungspaket 110 Milliarden Euro, 24 Milliarden davon kamen aus Deutschland.

Einlagensicherungsfonds (von Experten geschätzt)

Nach Schätzung der Citigroup müsste der von der EU-Kommission geforderte Einlagensicherungsfonds ein Volumen von 197 Milliarden Euro haben. Der deutsche Anteil läge dann bei bis zu 55 Milliarden Euro.

EZB-Staatsanleihenkäufe

Die Europäische Zentralbank hat Staatsanleihen für 209 Milliarden Euro eingekauft. Der Bund ist daran mit 57 Milliarden Euro, also mehr als einem Viertel, beteiligt.

IWF-Beitrag zu den Rettungspaketen

Der Internationale Währungsfonds zahlte 250 Milliarden Euro für die Rettungspakete. Deutschland gab dafür 15 Milliarden.

Geplanter ESM

Der dauerhafte Rettungsschirm soll ein Volumen von 700 Milliarden Euro haben. Deutschland wäre daran mit 190 Milliarden Euro beteiligt.

Bürgschaften im Rettungsfonds EFSF

Der Rettungsfonds bürgt mit 780 Milliarden, Deutschland allein mit 253 Milliarden Euro.

Target-Verbindlichkeiten

Die Target-Verbindlichkeiten liegen innerhalb des EZB-Verrechnungssystem bei 818 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt 349 Milliarden Euro.

"Der positive Schwung nach dem EU-Gipfel lässt es opportun erscheinen, jetzt wieder an den Markt zu kommen”, sagte Ryan McGrath, Bondhändler bei Dolmen Securities in Dublin. “Dies wird dem Markt Zuversicht geben, dass die NTMA im Zeitplan bleibt, um ihr Ziel zu erreichen, Mitte 2013 wieder vollständigen Zugang zum Kapitalmarkt zu erhalten.”

Von

rtr

Kommentare (28)

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Account gelöscht!

04.07.2012, 23:37 Uhr

Oh ja stimmt...ich hab auch gehört dass der Weihnachtsmann mit einem grossen Sack Geld vom Himmel herbakommen wird und alle Euro-Pleitegeier beschenken wird....

Das wäre realistischer als das Geschwafel von S&P

itstk

05.07.2012, 00:37 Uhr

"Die Eurozone" stabilisiert sich auch, wenn anstelle aller Empfängerländer nur noch Deutschland, das sind die Banken, herabgestuft wird. Weil die Deutschen, das sind wir, das alles doch nie und nimmer alleine werden stemmen können. Hatten wir ja schon.

Setzt man im Gegenzug dann obendrein das Rating der Empfängerländer der Reihe nach je eine Stufe herauf, geht's mit "der Eurozone", tatsächlich wieder aufwärts.

Leider nur auf dem Papier.

So langsam dämmern auch mir ernste Zweifel an der Objektivität dieser Institute...

Jochen

05.07.2012, 01:03 Uhr

So sind sie, die Ratingagenturen. Jetzt haben Sie Angst, dass das Auspressen Deutschlands vielleicht doch nicht so effizient klappt, wie auf dem Gipfel vom Club Med beschlossen und verkündet. Schließlich sind die Bedingungen noch nicht ausformuliert und nicht abschließend verhandelt. Also wird mal wieder schnell mit Herabstufung gedroht, damit Deutschland bloss nicht auf die Idee kommt, härtere Bedingungen für die Bankendirekt-Geldspritzen etc. zu stellen. Die Agenturen, sie sind so leicht zu durchschauen. Und um Ihre parasitären, schmarotzerischen Ziele zu erreichen, ist den ekelhaften Bankstern jedes Mittel recht. Und wir fallen wie immer drauf rein?!

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