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08.04.2013

12:45 Uhr

Kreditwürdigkeit verschlechtert

Slowenien steht am Abgrund

Droht ein „nächstes Zypern”? Investoren spekulieren, dass eine Bankenkrise in Slowenien den kleinen Staat in den Abgrund reißen könnte. Jetzt ist die neue Regierung gefragt – es gilt, einen Hilfsantrag zu verhindern.

Slowenien hat seit 2007 den Euro. dpa

Slowenien hat seit 2007 den Euro.

UtrechtDie Kreditwürdigkeit Sloweniens verschlechtert sich so rapide wie in keinem anderem Land der Welt mit Ausnahme von Zypern. Investoren spekulieren, dass eine Bankenkrise in Slowenien das Land zu einem Hilfsantrag zwingen könnte.

Kreditausfall-Swaps (CDS) zur Absicherung slowenischer Staatsanleihen für fünf Jahre gegen einen Zahlungsausfall sind zwischen dem 15. März und dem 28. März um 66 Prozent auf ein Sechs-Monats-Hoch von 414 Basispunkten angestiegen. Danach wurden die Rettungspläne für Zypern bekannt. Seither liegen die CDS für Slowenien 35 Prozent höher bei 338 Basispunkten, verglichen mit einem 54-Prozent-Anstieg für Zypern und 13 Prozent für Portugal.

Die slowenische Regierung, seit zwei Wochen im Amt, bemüht sich um die Stützung der Banken des Landes. Diese sind durch die Rezession angeschlagen und sitzen auf faulen Krediten im Volumen von einem Fünftel der slowenischen Wirtschaftsleistung. Die Bankenrettung soll 4 Mrd. Euro kosten.

„Seit der Zypern-Lösung steht Slowenien im Rampenlicht”, sagte Bas van Geffen, Analyst bei Rabobank International im niederländischen Utrecht. „Die geringe Größe das Landes ist jetzt eindeutig ein Nachteil, denn sie verstärkt Spekulationen, dass Slowenien das nächste Zypern werden könnte.” Slowenien hat einen Anteil von 0,4 Prozent an der Wirtschaft der Eurozone, Zyperns Anteil liegt bei 0,2 Prozent.

„Es ist wichtig, dass die Regierung schnell mit ihrer Wirtschaftspolitik reagiert”, sagte Tim Umberger, Leitender Analyst bei East Capital International AB in Moskau. „Die neue Regierung muss mit der Haushaltskonsolidierung und dem Bad-Bank- Plan fortfahren und muss einen Privatisierungsplan einführen, wenn sie weiterhin Zugang zum Kapitalmarkt für eine mögliche Anleiheplatzierung haben will.”

Nova Kreditna Banka Maribor d.d., die 2012 einen Verlust von 205 Mio. Euro verzeichnete, war eine von vier Banken, die im letzten Jahr die Kapitalziele der europäischen Bankenaufseher verfehlten. Die anderen drei waren Bank of Cyprus Pcl, die als Laiki Bank bekannte Cyprus Popular Bank Pcl, und die italienische Banca Monte dei Paschi di Siena SpA. Laiki wurde im Zuge des Rettungsprogramms für Zypern geschlossen.

Dennoch ist das slowenische Bankensystem gemessen an der Größe der Volkswirtschaft kleiner als in den meisten europäischen Ländern und ähnelt damit eher Spanien als Zypern, meinen Umberger und Georg Grodzki, Leiter Credit-Analyse bei Legal & General Investment Management in London.

Welche Euro-Staaten das Zypern-Virus in sich tragen

Slowenien

Laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) haben slowenische Banken etwa sieben Milliarden Euro an faulen Krediten in ihren Büchern stehen - eine Summe, die 20 Prozent des BIP des Landes ausmacht. Seit Monaten wird daher regelmäßig darüber spekuliert, ob der Adria-Staat als nächstes Land unter den Euro-Rettungsschirm flüchten müsse; im vergangenen Sommer waren die Anzeichen dafür besonders akut.

Wie gefährdet ist der Staat?

Slowenien hat eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, die dem Land mehr Luft an den Finanzmärkten verschafften. So wurde eine Bad Bank beschlossen, in die toxische Papiere der Banken ausgelagert werden sollen. Die Ratingagentur Fitch sah in ihrem jüngsten Länderblick auf Slowenien von vor wenigen Tagen daher nicht mehr unmittelbar das Risiko, dass die frühere jugoslawische Teilrepublik internationale Finanzhilfe beantragen muss. Unter einer Voraussetzung: dass die neue Mitte-Links-Regierung in Ljubljana den Reformkurs fortsetzt und den Bankensektor noch stärker an die Kandare nimmt. Vor allem müsse die Rekapitalisierung der Banken vorangetrieben werden. In Slowenien wird im zweiten Jahr in Folge in 2013 mit einer Rezession gerechnet.

Luxemburg

Der Kleinstaat gilt eigentlich als wirtschaftlich grundsolide, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bescheinigte ihm in einem Bericht vom Dezember das höchste Pro-Kopf-Einkommen der OECD-Staatengruppe. Zudem sei Luxemburg vergleichsweise gut durch die Finanz- und Wirtschaftskrise gekommen. Doch die OECD mahnte auch, dass das Land trotz bereits umgesetzter Regulierungen im Bankenbereich zu stark von seinem riesigen Finanzsektor abhängig sei, der ein Drittel des BIP erwirtschaftet - zum Vergleich: Auf Zypern waren es 45 Prozent.Die luxemburgischen Banken gelten freilich als weit seriöser als die zyprischen. Sie litten laut OECD kaum unter der Finanzkrise, weil ihnen als "sicherer Hafen" manche Anlagegelder zuflossen.

Wie gefährdet ist der Staat?

Ein schwere Verschärfung der Eurokrise könnte auch das luxemburgische Geschäftsmodell ins Wanken bringen, die Einlagen bei Banken und Investmentfonds übersteigen das BIP um ein Vielfaches. Das kleine Luxemburg könnte die Banken dann aus eigener Kraft nicht retten - ganz zu schweigen von den internationalen Schockwellen. Allein bei der Rettung der maroden Dexia-Bank gab Luxemburg 2011 eine Garantie von 2,55 Milliarden Euro oder 8,5 Prozent seines Bruttosozialproduktes ab.

Malta

Der winzige Inselstaat im Mittelmeer rühmt sich, die Eurokrise zuletzt weit besser als andere Euroländer überstanden zu haben. Die Arbeitslosigkeit liegt bei lediglich sechs Prozent, das Wachstum erreichte im vergangenen Jahr 1,5 Prozent und das Defizit konnte auf 2,3 Prozent und damit sogar unter die Drei-Prozent-Grenze der EU gedrückt werden.

Wie gefährdet ist der Staat?

Malta wird immer wieder als möglicher Wackelkandidat im Euroraum genannt. Der Grund: Die Entwicklung war vorher über Jahre weit negativer, der Schuldenstand ist immer noch zu hoch und der Finanzsektor ebenfalls viel zu aufgebläht.

Die Bilanzsumme der zyprischen Banken, die mit griechischen Staatsanleihen 4,5 Mrd. Euro in den Sand gesetzt haben, entsprach etwa dem achtfachen Volumen der Wirtschaftsleistung des Landes - mehr als die doppelte Quote wie im Durchschnitt der Eurozone. In Slowenien liegt das Verhältnis bei etwa dem 1,3-fachen, in Spanien beim Dreifachen und in Italien beim 2,5-fachen, wie Bloomberg-Daten zeigen.

Auch die Staatsschulden sind in Slowenien niedriger als anderswo. Sie lagen 2012 bei 53,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, verglichen mit 86,5 Prozent in Zypern und 81,6 Prozent in Deutschland. Allerdings wird die Verschuldungsquote Sloweniens EU-Prognosen zufolge bis Ende des Jahres auf 59,5 Prozent und 2014 auf 63,4 Prozent vom BIP steigen.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

08.04.2013, 13:05 Uhr

Die sind alle auf einem guten Weg, genau wie Frankreich und Italien es sein werden ;) LOL....glaubt ihr nicht? Werdet ihr aber bald....spätestens wenn ihr Zwangsabgaben auf Immobilien abführen dürft und nicht mehr an Euer Erspartes kommt.

undertaker

08.04.2013, 13:31 Uhr

ich halte ab sofort meinen Mund, habe zwei Goldplompen; dem EU-Regime ist ja alles zuzutrauen ...

Der_Henker

08.04.2013, 16:02 Uhr

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Die Lösung heißt AFD !

Wir Deutsche werden noch unser blaues Wunder erleben . An allen Ecken u. Enden kracht es, der arme deutsche Steuerzahler kann nur noch zuschauen.

Dies kann keine Demokratie mehr sein ,erinnert mich stark an Diktatur .

Der Tag der Verarmung der Deutschen kommt sicher bald,aber Merkel u. Schäubele haben sich schnell aus dem Staub gemacht . Putin hat noch zwei Plätze frei in seiner Diktatur , Merkel u. Schäubele werden sich schnell bewerben ,wenn es so weit ist .

Hoffentlich hat dieses Euro-Chaos im September ein Ende.
Mit 40% Zustimmung für die AFD ist Deutschland u. der Steuerzahler endlich gerettet .

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