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28.07.2011

15:02 Uhr

Krise in Europa

Euro sackt nach Italien-Auktion ab

VonAndrea Cünnen, Jörg Hackhausen

Nach dem Euro-Gipfel hat die Politik schon die Rettung gefeiert. Jetzt schlägt die Schuldenkrise zurück. Italien muss für neue Anleihen so hohe Zinsen wie nie anbieten. Der Euro gibt innerhalb kurzer Zeit kräftig nach.

Euro-Münze aus Italien: Das Land muss Investoren mit hohen Zinsen locken. Quelle: dapd

Euro-Münze aus Italien: Das Land muss Investoren mit hohen Zinsen locken.

Frankfurt, DüsseldorfEs sollte der Befreiungsschlag sein. Als die führenden Politiker Europas vor einer Woche einen Rettungsplan für den Euro präsentierten, wollten sie damit ein Zeichen setzen: Die Gemeinschaft lässt keinen hängen.
Die Botschaft schien zu wirken. An den Anleihemärkten beruhigte sich die Lage, der Euro konnte innerhalb weniger Tage deutlich zulegen. Doch spätestens seit heute sind die Sorgen wieder da.
Um neue Anleihen an den Mann zu bringen, musste Italien am Donnerstag erhebliche Zugeständnisse machen. Besonders auffällig war der Zinssprung bei der zehnjährigen Anleihe, die Italien um 2,7 Milliarden Euro aufstockte. Die durchschnittliche Rendite dafür lag bei 5,77 Prozent. So viel musste Italien für die Aufstockung oder Platzierung einer zehnjährigen Anleihe in den vergangenen elf Jahren nicht mehr zahlen.

Wie verschuldet ist Europa?

Griechenland

Staatsverschuldung: 152 % des BIP (2011); Haushaltsdefizit: 7,4 % des BIP (2011); Rating: CCC (S&P), Caa1 (Moody's), B+ (Fitch)

Irland

Staatsverschuldung: 114 % des BIP (2011); Haushaltsdefizit: 10,8 % des BIP (2011); Rating: BBB+ (S&P), Baa3 (Moody's), BBB+ (Fitch)

Portugal

Staatsverschuldung: 90,5 % des BIP (2011); Haushaltsdefizit: 5,6 % des BIP (2011); Rating: BBB- (S&P), Baa1 (Moody's), BBB- (Fitch)

Spanien

Staatsverschuldung: 64 % des BIP  (2011); Haushaltsdefizit: 6,2 % des BIP (2011); Rating: AA (S&P), Aa2 (Moody's), AA+ (Fitch)

Italien

Staatsverschuldung: 120 % des BIP  (2011); Haushaltsdefizit: 4,3 % des BIP (2011); Rating: A+ (S&P), Aa2 (Moody's), AA- (Fitch)

Belgien

Staatsverschuldung: 97 % des BIP  (2011); Haushaltsdefizit: 3,9 % des BIP (2011); Rating: AA+ (S&P), Aa1 (Moody's), BB+ (Fitch)

Deutschland

Staatsverschuldung: 80 % des BIP  (2011); Haushaltsdefizit: 2,4 % des BIP (2011); Rating: AAA (S&P), Aaa (Moody's), AAA (Fitch)

Die Rendite der neuen dreijährigen Anleihe lag bei 4,8 Prozent und damit so hoch wie zuletzt vor drei Jahren. Daneben stockte Italien eine variabel verzinste Anleihe auf, deren Rendite mit 4,65 Prozent ebenfalls sehr hoch war. Laut Händlern ist es indes Schon als Erfolg zu werten, dass Italien den Markttest überhaupt bestanden hat, also genügend Geld am Anleihemarkt einsammeln konnte. Die Regierung in Rom hatte für die Auktionen ein Volumen von 5,5 Milliarden bis 8,5 Milliarden Euro angekündigt, und dieses Ziel erreicht. Auch die Nachfrage war ordentlich, alle drei Bondplatzierungen waren deutlich überzeichnet – allerdings zu einem hohen Preis.
Langfristig ist das kein tragfähiges Niveau bei den Renditen“, sagte Anleihenstratege Marc Ostwald von Monument Securities.

Die Kurse an der Mailänder Börse verdeutlichen die Nervosität der Anleger Der italienische Leitindex MIB-30 notierte zeitweise zwei Prozent im Minus. Auch der Dax weitete seine Verluste aus und notierte mit 7135 Punkten 1,6 Prozent schwächer.

Kommentare (11)

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otto15

28.07.2011, 12:22 Uhr

Na prima, das der EFSF jetzt auch vorsorglich Anleihen kaufen kann. Sol der tun, dann ist es ganz schnell voll und der Druck auf D in Richtung unbegrenzt wird im Handstreich umgesetzt. Prima, ich zahle ohnehin keine Steuern und die Besserverdienenden werden enteignet.

Account gelöscht!

28.07.2011, 12:55 Uhr

Na da haben die Italiener aber nochmal Glück gehabt. Heute steht der Kurs schon bei 5.884%. Seit Anfang der Woche ist der Zins wieder deutlich teurer geworden. 5.970% war der Maximalwert am 22.07.11. Eigentlich geht man davon aus, dass bei einem Zins zwischen 6% und 7%, bei der Staatsverschuldung der Kollaps kommt. Der Zug für Italien ist wohl auch schon abgefahren. Bin gespannt was unsere Finanzexperten (Schäuble und Merkel) diesmal aus dem Hut zaubern.

Account gelöscht!

28.07.2011, 14:34 Uhr

Italien muss in diesem Jahr noch knapp 300 Mrd. Euro neu beleihen. Die Zinsen werden steigen - das ist eine Garantie. Schon im Herbst liegen wir zwischen 7 und 8 Prozent. Bereits jetzt ziehen sowohl Inländer als auch große Finanzinstitute massiv Geld aus Italien ab. Und das ist gut so, denn das Land wird aller Voraussicht nach große Refinanzierungsprobleme bekommen. Nicht bekannt ist, ob die EZB oder die Stützungsfonds bereits bei der jetzigen Auktion am Markt aktiv waren und damit die Zinsen künstlich gedrückt haben. Schon etwas eigentümlich ist, dass bereits direkt nach der Zuteilung die Zinssätze auf italienische Anleihen stiegen. Was für ein Zufall!?

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