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25.09.2014

18:21 Uhr

Kritischer Kredithandel

Wenn mal eben Milliarden Dollar verschwinden

In Markt für Firmenkredite herrschen archaische Verhältnisse: Beim Handel wird noch gefaxt, telefoniert und umgeschrieben. Monatelang sehen Investoren deshalb ihr Geld nicht – was den Banken zugute kommt.

Ein Börsenhändler an der NYSE. Unternehmenskredite können nur sehr mühselig gehandelt werden – anders als Aktien. dpa

Ein Börsenhändler an der NYSE. Unternehmenskredite können nur sehr mühselig gehandelt werden – anders als Aktien.

New YorkStellen wir uns vor, es gäbe einen Billionen-Dollar-Markt, der über Faxgeräte und Telefone läuft und an dem es Monate dauern kann, bevor Investoren etwas davon haben, dass sie ihr Geld zur Verfügung gestellt haben.

So etwas gibt es tatsächlich: Den unregulierten Markt für gehebelte Unternehmenskredite. In einem immer stärker automatisierten Finanzsystem hat es den Anschein, als seien die Vergabe und der Handel von Krediten im Mittelalter steckengeblieben.

Gleichzeitig strömen immer mehr Mittel in den Markt; unter den Investoren sind neben den Pensionsplänen von New York und Kansas auch Fonds, die Privatanleger anvisieren. Sie alle sind im Zeitalter der Niedrigzinsen auf der Suche nach einer höheren Rendite.

Die antiquierte Struktur dieses Marktes stellt allerdings eine immer größere Gefahr dar, nachdem sein Volumen von lediglich 35 Milliarden Dollar im Jahr 1997 zu einem Billionen-Dollar-Markt angeschwollen ist. Die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenbruchs, sollte es zu einem Abschwung kommen und Investoren ihr Geld auf einen Schlag abziehen wollen, wächst. Bislang hat sich allerdings noch keine Aufsichtsbehörde dafür verantwortlich gezeigt, diese Mängel zu beheben.

„Das ist ein kritisches Thema“, sagt Vermögensverwalterin Beth MacLean von Pacific Investment Management Co. (Pimco). Die Firma verwaltet insgesamt 1,97 Billionen Dollar, darunter auch den weltgrößten Anleihefonds. „Jeder einzelne Fonds, der seine Abflüsse nicht bedienen kann, hätte Auswirkungen auf den gesamten Markt.“

Risiken und Nebenwirkungen von Hochzins-Anleihen

Was passiert, wenn Zinsen niedrig bleiben

Hochzinspapiere erscheinen relativ attraktiv, da finanzstarke Emittenten nur extrem niedrige Zinsen zahlen. Gerade schwach beleumundete Schuldner sind auf steigende Preise für ihre Produkte angewiesen, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Signalisieren die Niedrigzinsen gar eine Phase fallender Preise (Deflation), steigt das Pleiterisiko erheblich.

Was tun wenn die Zinsen niedrig bleiben

Unternehmensanleihen im Rahmen der Streuung des Depots beimischen. Deutet sich eine Phase fallender Güterpreise an, sollten Anleger ihre Hochzinsanleihen verkaufen und keine Neuengagements eingehen.

Was passiert wenn die Zinsen steigen

Bei steigenden Zinsen bieten Hochzinspapiere und Schrottbonds etwas Schutz vor sehr hohen Kursverlusten, weil sie einen relativ hohen Kupon bieten. Allerdings kommen lang laufende Papiere spätestens dann unter Druck, wenn sich neue Papiere gut beleumundeter Schuldner im Zins den Kupons alter Schrottbonds deutlich annähern.

Was tun wenn die Zinsen steigen

Papiere mit einer Bonität knapp unterhalb der Investitionsklasse mit einer Laufzeit bis zu rund vier Jahren sind attraktiv. Allgemeine Konjunktur- und Branchenprobleme oder individuelle Fehlgriffe des Managements bedrohen Hochzinsbonds generell.

Fazit

In Phasen halbwegs erträglicher Konjunktur und fallender Zinsen sind Hochzinsbonds gut geeignet. Diese Kombination dürfte es aber in den kommenden Jahren kaum noch geben.

Die Befürchtung besteht darin, dass es zu einem Massen-Exodus aus den Fonds kommen könnte, was den gesamten Kreditmarkt in Mitleidenschaft ziehen würde. Auslöser dafür könnten Ausfälle oder die Erwartung steigender Kreditkosten sein.

Einfacher werden die Strukturen des Marktes allerdings nicht, im Gegenteil: Es dauert immer länger, einen Kredit zu übertragen, wie aus Daten der Loan Syndications and Trading Association hervorgeht. Waren es 2007 noch durchschnittlich 17,8 Tage, so sind es mittlerweile 20 Tage. Zum Vergleich: Am Markt für Hochzinsanleihen dauert es drei oder weniger Tage.

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