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12.05.2013

12:39 Uhr

Kundendaten

Schnüffelaffäre erschüttert Finanzdienst Bloomberg

Bunte Tastaturen, orange Schrift auf schwarzem Grund: Bloomberg-Rechner fallen auf und sind das Lebenselixier der meisten Finanzprofis. Doch die Reporter des Anbieters nutzten sensible Kundendaten für Recherchen.

Typisches Bloomberg-Terminal: Kursdaten und Nachrichten laufen hier zusammen. Ein Arbeitsplatz kostet etwa 20.000 Dollar im Jahr. Wikipedia Creative Commons

Typisches Bloomberg-Terminal: Kursdaten und Nachrichten laufen hier zusammen. Ein Arbeitsplatz kostet etwa 20.000 Dollar im Jahr.

WashingtonDer Finanzdienstleister Bloomberg steht wegen seines Umgangs mit Kundendaten unter Druck. Die US-Notenbank, das US-Finanzministerium und weitere Kunden kündigten am Wochenende Untersuchungen an, inwieweit vertrauliche Informationen verletzt wurden. „Wir schauen uns die Lage an und sind mit Bloomberg in Kontakt, um mehr herauszufinden“, sagte eine Sprecherin der Notenbank Fed.

Journalisten von Bloomberg News konnten bislang einige Kundendaten der etwa von Banken, Händlern und Hedgefonds genutzten Bloomberg-Computerterminals abrufen - etwa, wann diese sich zuletzt eingeloggt, wie oft sie das Messaging-System genutzt oder für welche Themenfelder sie sich interessiert haben, etwa Aktien oder Anleihen.

„Als der Fehler erkannt wurde, haben wir unverzüglich gehandelt“, schrieb Bloomberg-Chef Daniel Doctoroff in einer Stellungnahme. Journalisten hätten schon seit vorigem Monat keinen Zugriff mehr auf diese Daten, nachdem sich ein Kunde beschwert hatte. Diese hätten auch zuvor nicht sehen können, welche Artikel von Kunden gelesen oder welche Wertpapiere sie sich angeschaut haben. Zudem sei die Stelle eines Datenschutzbeauftragten geschaffen worden. Dieser solle sicherstellen, dass Mitarbeiter der Nachrichtenagentur keinen Zugriff auf vertrauliche Kundendaten mehr erhalten.

Die größten Börsenpannen

Nasdaq lahmgelegt

Ein Softwarefehler führt dazu, dass die US-Börse Nasdaq im August 2013 einige Stunden den Handel komplett einstellen muss. Nach der Wiederaufnahme des Handels steigt der Markt – die Aktie des Börsenbetreibers aber verliert.

Dow Jones (2013)

Am 23. April 2013 meldete der Twitter-Account der US-Nachrichtenagentur eine Explosion im Weißen Haus. Die Meldung war jedoch falsch – Hacker hatten das Nutzerkonto übernommen. Dennoch brach die Börse innerhalb von Sekunden um mehr als ein Prozent ein. Möglicher Grund: Computer werteten die Meldung als wahr und lösten Verkaufssignale aus.

Kraft-Aktie (2012)

4. Oktober 2012: Die Nasdaq und mehrere andere Börsen haben nach einem ungewöhnlichen Kurssprung von Kraft Foods einen Teil des Handels mit der Aktie annulliert. Grund für den plötzlichen Anstieg der Papiere von 45,55 auf 58,54 Dollar war nach Angaben der US-Technologiebörse der Fehler eines Börsenmaklers. Nähere Angaben machte sie nicht. „Die Systeme von Nasdaq haben normal funktioniert und der Prozess der Industrie zum Umgang mit solchen Angelegenheiten verlief wie geplant“, hieß es in einer Erklärung.

Software-Panne bei Knight Capital (2012)

Durch einen Fehler hatte die Knight-Software enorm viele Orders platziert, die heftige Kursschwankungen auslösten. Dem Treiben konnte erst nach einer Dreiviertelstunde ein Ende gesetzt werden. In dieser Zeit hatten sich bereits 440 Millionen Dollar Verlust angehäuft, die das US-Brokerhaus fast zum Zusammenbruch brachten.

Das Facebook-Desaster (2012)

Die Erfolgsstory von Facebook bekam an der Börse einen starken Dämpfer. Nach gravierenden Pannen im Handelssystem der Technologiebörse Nasdaq in New York stürzte der Kurs des Börsenneulings rapide in die Tiefe. Beteiligte Firmen erlitten Millionen-Verluste. Die Schweizer Großbank UBS, die 290 Millionen Euro verlor, drohte sogar mit einer Klage gegen die Börse.

Pannen-Start für BATS (2012)

Die Erstnotiz der drittgrößten US-Börse BATS Global Markets im März 2012 endete mit einem Totalschaden. Die neuen BATS-Aktien sackten innerhalb weniger Minuten von 16 Dollar auf unter einen Cent. Schuld daran war eine neue Software. BATS musste die falschen Transaktionen zurücknehmen - und nahm dabei die eigenen Aktien gleich mit von der Börse

Fünf-Minuten-Chaos bei der Citigroup durch Kursrutsch

Die Aktien der Citigroup fielen im Juni 2010 nach Massenverkäufen durch elektronische Handelssysteme zeitweise um 17 Prozent. Doch da die Börsenaufsicht SEC nach dem „Flash Crash“ bereits zuvor beschlossen hatte, Aktien aus dem Index S&P 500 vom Handel auszusetzen, falls diese innerhalb von fünf Minuten mehr als zehn Prozent steigen oder fallen, stoppte das Sicherungssystem den Kursrutsch. Der Handel stand fünf Minuten lang still. Am Ende des Tages lag die Citigroup-Aktie sieben Prozent im Minus.

Flash Crash, 2010

Der „Flash Crash“ wurde im Mai 2010 durch den Hochfrequenzhandel ausgelöst: Durch einen blitzartigen Kurseinbruch lösten sich innerhalb weniger Minuten fast eine Billion Dollar Marktwert in Luft auf. Der Kurs des Dow Jones fiel um rund 1.000 Punkte. Einige Aktien verloren in der Zeit rund die Hälfte ihres Wertes. Der Spuk dauerte eine halbe Stunde lang an. Der sogenannte Hochfrequenzhandel, bei dem Tausende Transaktionen binnen Millisekunden durch Computer ausgelöst werden, stand schon vorher in der Kritik.

Strafe für Morgan Stanley (2007)

Morgan Stanley musste im Februar 2007 für den Fehler eines Händlers 300.000 Dollar Strafe an die Börse New York zahlen. Der Banker wollte einen Order über 100.000 Wertpapiere abgeben, übersah aber automatischen Multiplikator von 1000. Dementsprechend hatte seine Order einen Wert von 10,8 Milliarden Dollar statt der gewünschten 10,8 Millionen Dollar. Erst nachdem Aktien im Wert von 875,3 Millionen Dollar den Besitzer gewechselt hatten, wurde der Fehler bemerkt. Die Bank hat die Handelsvorschriften am Desk seitdem deutlich verschärft.

Football vermasselt 50 Millionen Dollar Deal

Ein äußerst ungewöhnliches Missgeschick passierte einem Händler der Bank of America im September 2006. Er wartete auf die Anordnung seines Vorgesetzten, um einen fertig vorbereiteten Deal über 50 Millionen Dollar abzuschließen. Es fehlte nur noch der Druck auf die Enter-Taste. Während er wartete, warf ein Trainee einen Football durch den Raum und traf die Tastatur, inklusive der Enter-Taste.

Milliarden statt Millionen, 2002

Ein Händler von Bear Stearns verzählte sich im Oktober 2002 beim Verkauf von Aktien bei den Nullen und handelte sie für vier Milliarden Dollar anstelle von vier Millionen. Bevor der Vertipper auffiel, gingen bereits Wertpapiere im Wert von 600 Millionen Dollar an neue Besitzer. Dadurch sank der Leitindex Dow Jones um 2,3 Prozent.

100 Millionen für Verdreher

Im Dezember 2001 begleitete UBS Warburg den Verkauf neuer Aktien des japanischen Unternehmens Dentsu. Ein Händler vertippte sich und verkaufte statt 16 Dentsu-Aktien zu 600.000 Yen 610.000 Aktien zu je 6 Yen. Innerhalb kürzester Zeit verkaufte die USB dadurch 61.915 Aktien, was etwa der Hälfte des Emissionsvolumens entspricht. Die UBS verlor durch die Panne 100 Millionen Dollar, weil sie die Aktien zum Marktpreis zurückkaufen musste.

Lehman Banker verkauft zu viel (2001)

Ein Händler der Investmentbank Lehman Brothers verkaufte 2001 aus Versehen hundertmal mehr Aktien als er wollte. Darunter waren auch Schwergewichte wie AstraZeneca und BP. Der Banker vernichtete damit zeitweise 30 Milliarden Pfund an Börsenwert.

Tippfehler mit Folgen (1999)

Ein Aktienhändler der UBS gab im Januar 1999 zu viele Nullen in seinen Rechner ein und handelte damit innerhalb von nur zwei Minuten zehn Millionen Aktien des Pharmakonzerns Roche, obwohl nur sieben Millionen Stück existierten. Das Handelsvolumen überstieg die Marktkapitalisierung von Roche um knapp die Hälfte.

Der Schwarze Montag (1987)

Am 19. Oktober 1987 bricht der Dow Jones um fast 23 Prozent auf 1.728 Punkte ein, der größte prozentuale Tagesverlust in der Geschichte des Index. Der seinerzeit beliebte Programmhandel - eine Art Vorläufer des heutigen Algo-Tradings - hat den Absturz noch verschlimmert.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte eine Beschwerde von Goldman Sachs. Ein Partner der US-Bank wurde von einem Bloomberg-Reporter nach dem Beschäftigungsverhältnis eines Kollegen befragt - mit dem Hinweis, dass sich dieser schon einige Zeit nicht mehr in seinen Terminal eingeloggt habe. Goldman Sachs war bis dahin nicht bewusst, dass Journalisten Zugang zu solchen Informationen hatten.

Einem Bericht der Nachrichten-Website Buzzfeed zufolge, soll allerdings schon im Jahr 2011 Bloomberg wegen der Praxis einmal aufgeschreckt worden sein. Damals habe ein Moderator des konzerneigenen Fernsehsenders den Zugriff der Reporter auf Kundendaten erwähnt und es habe entgegen anderer interner Ankündigungen damals keine Beschneidung der Zugriffsrechte für die Reporter gegeben.

Für Bloomberg arbeiten weltweit etwa 2400 Journalisten. Der Konzern hat mehr als 315.000 Terminal-Abonnenten. Sie sorgten 2012 für einen Großteil des Jahresumsatzes von 7,9 Milliarden Dollar. Thomson Reuters , die Mutter der Nachrichtenagentur Reuters, konkurriert mit Bloomberg. Reuters-Journalisten hätten keinen Zugang zu vertraulichen Kundendaten, hieß es in einer Stellungnahme von Thomson Reuters.

Kommentare (3)

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Baehring-BOESER-Verleger

12.05.2013, 13:33 Uhr

Vor allem: Die erkennen jeden ihrer Kunden perönlich anhand seines Terminals. Anders beispielsweise als Informationsbewchaffung in anonymen Internetcafes. Wenn ich so eine Session "auf dem Kabel" (packetsniffing) "mitschneide" oder "logge" (also automatsich mictschreieb was sich der trader wann angesehen hat) läßt das Rückschlüsse auf das Investitionsverhalten des Traders einer Fondsgesllschaft zu.

Genau wie ja auch der Supermarktbetreiber sich seine "Charts", die "Liste der meist verkauften Produkte" ansieht und anhand automatiserter Bestellisten aus der EDV weiß daß er beispielsweise jeden Tag kistenweise Milch nachbestellen muß weil die - da sie verkauft/nachgefragt wurde - im Regal fehlt. DAs Fehlen im Regal läßt also Rückschlüsse auf den Verbrauc im Einzugsbeit des Marktes zu. Und das ist hier genauso. Das Ansehen bestimmetr Kenndaten im Bloomberg und der darauf folgende Kauf bestimmmter Aktien.

Wer die abgefragten Daten von Bloomberg/Reuters (das ist das alles zu meinen Zeiten noch BSD/IPv4-basiert) in Relationen zu Kaufentscheidungen setzen kann der kann die aktuelle Strategie einer Investmentbank problemlos errechnen. Und wenn ich weiß wann jemand anderes für gewöhlich einkauft kann ich ihm für diesen Moment die Preise durch künstliche Verknappung also durch eigene Nachfrage Stückzahllimiteirter Anteisscheine hochtreiben. Indem ich selbst kaufe und direkt an den wirklichen Interessenten mit einer Gewinnmitnahme wieder verkaufe.

Am spannendsten wird allerdings wenn ich Content-Filter einsetze und PERSONALISIERTE KAUFENTSCHEIDUNGEN anbiete,

http://de.wikipedia.org/wiki/Webwasher

beispielsweise jncht der billgste Supermarkt sondern der billigste abhängig vom per Handy-GPS übermitteltem Standort

http://www.hotelmarketingstrategies.com/predictive-technology-is-here/
http://ibm-business-analytics.com/2011/08/16/predictive-analytics-the-minority-report-its-easier-to-prevent-a-crime-than-solve-one/

Account gelöscht!

12.05.2013, 13:35 Uhr

So langsam dürften auch die Dümmsten begreifen, dass das ganze angelsächsisch dominierte Finanzkonglomerat (Groß- und Investmentbanken, Ratingagenturen, Hedgefonds und Private-Equitiy-Gesellschaften) schon immer Hand in Hand arbeitet. Wissensvorsprünge von Insidern werden innerhalb "eingeweihter", exklusiver Zirkel weitergereicht und dazu genutzt, sich auf Kosten des ahnungslosen und gutgläubigen Rests der Welt betrügerisch und unermesslich zu bereichern.

Und wenn's mit Wissen nicht reicht, werden halt im großen Stil Daten und Fakten manipuliert.

Eine modifizierte Form von angelsächsischem Kolonialismus und Imperialismus.

Account gelöscht!

12.05.2013, 13:35 Uhr

Naive Welt.
Es ist so sicher wie ein Naturgesetz, daß alle unsere Daten eingesehen und verwendet werden.
Goggle sammelt jeden Klick, Facebook sammelt das soziale Umfeld, Evernote sammelt Gedanken und Ideen....
Das Handy bzw. das Navigationsystem erstellt ein Bewegungsprofil....

Die Datenschutz-Gesetze sollen nur beruhigen, glaube ich. Denn mit wenigen Maßnahmen könnte die deutsche Regierung ja schließlich die Daten der Deutschen vor Spionage schützen, indem z.b. deutsche Daten nur in Servern in Deutschland abgelegt werden dürfen. Oder indem an den Internetknoten eine Anynomisierung durchgeführt würde.

Keiner tut was, bis das Kind mal so richtig in den Brunnen gefallen ist.

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