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27.07.2011

15:24 Uhr

Kurioses Kreditgeschäft

Cristiano Ronaldo geht - zur EZB

VonAlexander Möthe

Die Europäische Zentralbank könnte unverhofft in den Besitz der Transferrechte für Fußballstar Ronaldo geraten. Wenn Spieler zum Spekulationsobjekt werden, bleibt der Sport auf der Strecke.

DüsseldorfIn Südamerika, speziell Brasilien, ist es mittlerweile an der Tagesordnung, dass die Transferrechte an Fußballspielern zumindest in Teilen bei Finanzinvestoren liegen. Die Profis werden zum Anlage-, aber auch Spekulationsobjekt. Wird um Ablösen gefeilscht, schalten sich die beteiligten Firmen in den Poker ein und treiben die Preise. Und mancher teuer bezahlte Profi entpuppt sich am Ende als „Blase“. Eine leidvolle Erfahrungen, die auch Bundesligisten schon gemacht haben.

In Europa ist diese Praxis noch eher unüblich, umso überraschender, dass ausgerechnet der Europäischen Zentralbank (EZB) eine Vorreiterrolle zukommt – zumindest indirekt. Die EZB könnte unverhofft in den Besitz zweier Weltstars gelangen: Cristiano Ronaldo und Kaká. Aber der Reihe nach.

Wie die spanische „El País“ berichtet, sind die Transferrechte an den beiden Fußballern von Real Madrid Teil einer Kreditabsicherung der spanischen Sparkassenverbund Bankia. Der braucht frisches Kapital, beschaffen soll das die EZB.

Das ist soweit legitim, allerdings verlangt die Europäische Zentralbank für diese Leistung gewisse Sicherheiten. Gültig sind Wertpapiere oder Kreditforderungen. Bankia entschied sich, die Absicherungen in einem 773 Millionen Euro schweren Fonds zusammenzustellen. Das Portfolio setzt sich unter anderem aus Kreditforderungen gegenüber dem spanischen Bauriesen ACS (208 Millionen Euro)oder dem Windenergiekonzern Acciona (170 Millionen Euro)zusammen. Ein kleiner, aber nicht unwesentlicher Posten: Ein Kredit, den das Bankia-Schwergewicht Caja Madrid dem Fußballklub Real Madrid gewährte. Höhe: 76,5 Millionen Euro. Bewilligt 2009, um die Transfers von Ronaldo und Kaká zu finanzieren.

Blogger ließen sich bereits zu hämischen Kommentaren hinreißen. Tenor: Unfassbar, was die EZB als Sicherheit akzeptiert. „Das überhaupt ein solcher Kredit an einen Fußballverein, der in etwas so ‚verletzbares’ wie Fußballer investiert, bei der EZB hinterlegt werden soll, ist schon erschreckend“, befindet Finanzblogger Egghat. „Allerdings muss man, wenn man vom Obskuritätsfaktor absieht, schon objektiv feststellen, dass ein Kredit an Real Madrid mit Transferrechten an Ronaldo und Kaká wahrscheinlich eine bessere Qualität aufweist als diverse griechische Anleihen oder auch die Hypotheken aus Irland, die die EZB bereits in Milliardenhöhe in den Büchern hat“, wird dort weiter geunkt.

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