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20.02.2014

13:45 Uhr

Kurse fallen

Ukraine-Unruhen verunsichern die Börsen

Die Kämpfe zwischen den Machthabern und den Regierungsgegnern in der Ukraine wirken sich auf die Börsen der Nachbarstaaten aus: Auf dem polnischen und ukrainischen Aktienmarkt sind bereits Indizes gefallen.

Regierungsgegner in Kiew: Die Kämpfe mit der Polizei halten an. AFP

Regierungsgegner in Kiew: Die Kämpfe mit der Polizei halten an.

Budapest/ FrankfurtDie anhaltenden Kämpfe in der Ukraine haben am Donnerstag für Verunsicherung an den Börsen der Nachbar-Staaten gesorgt. Im Fokus stand dabei Ungarn, das mit einer hohen Verschuldung und einer schwächelnden Wirtschaft zu kämpfen hat. Der Forint fiel auf ein Zwei-Jahres-Tief zum Euro. Die Gemeinschaftswährung legte auch zum polnischen Zloty und zum rumänischen Leu zu.

Der Kursverfall der ukrainischen Anleihen könnte auf andere osteuropäische Staaten überschwappen, warnten Börsianer. Denn viele Investoren, die ukrainische Papiere hielten, seien auch in anderen Ländern der Region engagiert. Sie könnten zu weiteren Verkäufen gezwungen sein, um Verluste auszugleichen. Der Kurs der auf Dollar lautenden ukrainischen Papiere mit einer Laufzeit bis 2020 brach am Donnerstag um weitere 5,6 Prozent ein und markierten mit 79,86 Punkten den zweiten Tag in Folge ein Rekordtief.

Am polnischen Aktienmarkt fiel der Index der in Warschau gelisteten ukrainischen Unternehmen um 3,7 Prozent auf ein Rekordtief von 40,43 Punkten. Damit hat er seit Montag mehr als zehn Prozent eingebüßt.

Fragen und Antworten zum Machtkampf in der Ukraine

Wie ist der aktuelle Stand?

Hauptthema ist derzeit eine von der Opposition verlangte Verfassungsänderung, welche die Vollmachten von Präsident Viktor Janukowitsch deutlich beschränken würde. Darüber hinaus fordern Regierungsgegner wie der Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko den Rücktritt des Präsidenten und Neuwahlen. Darauf geht Janukowitsch bislang nicht ein. Ob der neuen blutigen Straßenschlachten zeigt sich Janukowitsch weiter uneinsichtig und beschuldigt die Demonstranten, für die Eskalation der Gewalt verantwortlich zu sein.

Haben die monatelangen Proteste bisher Ergebnisse gebracht?

Auf Druck der Opposition ist Ministerpräsident Nikolai Asarow zurückgetreten. Doch sein Kabinett führt weiter die Geschäfte. Mit einem Amnestiegesetz für festgenommene Demonstranten will die Regierung Kompromissbereitschaft signalisieren – im Gegenzug sollen radikale Protestierer besetzte Gebäude räumen und Barrikaden im Zentrum von Kiew aufgeben. Doch eine schnelle Verfassungsänderung lehnt die Führung bisher ab. Bisher unbekannt ist, wer für den Tod von mehreren Demonstranten sowie die Folterung von Aktivisten verantwortlich ist.

Was war der Auslöser für die Demonstrationen?

Zu Beginn protestierten vor allem junge und gut ausgebildete Menschen dagegen, dass Janukowitsch auf Druck Moskaus ein wichtiges Abkommen mit der EU auf Eis gelegt und sich stärker Russland zugewendet hatte. Das war Ende November 2013. Seit brutaler Polizeigewalt gegen das Protestlager auf dem Unabhängigkeitsplatz (Maidan) in Kiew fordert die Opposition den Rücktritt Janukowitschs. Das Abkommen mit der EU geriet in den Hintergrund.

Wer führt die Demonstrationen an?

Vor allem im Westen gilt Vitali Klitschko als Gesicht der Proteste. Der 42-Jährige frühere Box-Weltmeister verhandelt – gemeinsam mit seinen Oppositionskollegen Arseni Jazenjuk und Oleg Tjagnibok – immer wieder mit Janukowitsch. Doch ist der einstige Profisportler durchaus umstritten. Kritiker werfen ihm vor, er agiere zu zögerlich und habe kein konkretes Konzept. Radikale Splittergruppen wie der Rechte Sektor verweigern immer öfter die Gefolgschaft und führen eigene Verhandlungen. Als Oppositionsführerin gilt die inhaftierte Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko, ohne deren Zustimmung keine Einigung möglich scheint.

Welche Rolle spielt das Ausland?

Die EU fordert offen eine neue Regierung, eine Verfassungsreform sowie freie und faire Präsidentenwahlen. Sowohl Janukowitschs Wahl 2010 als auch der Sieg seiner Partei bei der Parlamentswahl 2012 waren als frei und fair anerkannt worden. Wie eng auch die USA versuchen, Einfluss zu nehmen, macht ein abgehörtes Telefonat der US-Spitzendiplomatin Victoria Nuland deutlich. Russland kritisiert zwar die Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Nachbarlandes scharf. Allerdings hatte der Kreml mit einem Boykott ukrainischer Waren gedroht, falls Janukowitsch das Abkommen mit der EU unterzeichnet. Moskau will zudem Kiew einen überlebenswichtigen Milliardenkredit erst auszahlen, wenn die neue Regierung bekannt ist.

Die Verunsicherung der Investoren spiegelte sich auch am Markt für Credit Default Swaps (CDS) wider. Die Absicherung eines zehn Millionen Dollar schweren Pakets ukrainischer Anleihen gegen Zahlungsausfall verteuerte sich um 48.000 auf 1,373 Millionen Dollar, teilte der Datenanbieter Markit mit. Das sei der höchste Stand seit Dezember 2009.

Von

rtr

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