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29.04.2015

15:11 Uhr

Kurssturz bei Staatspapieren

US-Investoren lassen Bundesanleihen fallen

VonAndrea Cünnen, Ingo Narat

Anleger kehren am Mittwoch in Scharen Bundesanleihen den Rücken. Die Rendite des zehnjährigen deutschen Papiers steigt so stark wie lange nicht. Der Grund: US-Anleihegurus legen sich mit der Europäischen Zentralbank an.

Gundlach gilt als „Anleiheguru“, sein Wort kann Märkte bewegen – und tut es offensichtlich. Getty Images

Jeffrey Gundlach

Gundlach gilt als „Anleiheguru“, sein Wort kann Märkte bewegen – und tut es offensichtlich.

FrankfurtDas hat schon Dimensionen eines Flash-Crashs. Die Rendite der viel beachteten zehnjährigen deutschen Staatsanleihe ist am Mittwoch um zehn Basispunkte, also 0,10 Prozentpunkte, auf zuletzt 0,26 Prozent gestiegen. Im Markt für Staatsanleihen ist das ein extremer Ausschlag. Die Rendite der Bundesanleihe liegt damit auf dem höchsten Stand seit sechs Wochen.

Vor anderthalb Wochen noch war die Rendite auf ein historisches Tief von 0,05 Prozent gefallen. Der Anstieg klingt zunächst nicht nach viel, ist für Bundesanleihen, deren Renditen üblicherweise nur zwei bis fünf Basispunkte schwanken, enorm. Der Kurs des nominal mit 0,5 Prozent verzinsten Wertpapieres sackte um fast ein Prozent ab.

Bemerkenswert ist der Renditesprung auch vor dem Hintergrund der deutlichen Kursabschläge an den Aktienmärkten, wo etwa der Dax am Mittwochnachmittag zwischenzeitlich rund zwei Prozent eingebüßt hat und auf 11.580 Punkte gefallen ist. In der Regel entwickeln sich die Notierungen der als besonders sicher geltenden Bundesanleihen entgegengesetzt zu den Kursen an den Aktienbörsen.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Auslöser für den rasanten Renditeanstieg sind wohl Aussagen von Jeffrey Gundlach. Er ist Chef der hierzulande in der breiten Öffentlichkeit wenig bekannten Anlagefirma Doubleline Capital. In den USA ist er aber sehr bekannt und gilt als ein Anleiheguru – fast auf einer Stufe mit Bill Gross, dem Ex-Anlagechef von Pimco. Gross hat mittlerweile bei der kleineren Firma Janus Capital angeheuert.

Gundlach machte nun auf eine Wette gegen Bundesanleihen aufmerksam: Mit einer riskanteren Wette auf fallende Kurse bei zweijährigen Bundesanleihen sei ein Gewinn von 20 Prozent möglich. Dafür müssten Investoren ihren Einsatz allerdings kräftig hebeln. Die Rendite der zweijährigen Bundesanleihe stieg zuletzt aber nur leicht auf minus 0,25 Prozent. Bei zehnjährigen Bundesanleihen ist das am Mittwoch anders.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

29.04.2015, 16:34 Uhr

Für mich als Langfristinvestor ist das völlig egal. Ich bin seit 1960 dabei und habe im Leben wie in meinem Depot schon viele Höhen und Tiefen gesehen.
Deshalb ist es mir egal wie der Dow Jonas oder dieser Dax ist,ist sowieso nur der Mogeldax. Seit ich Rentner bin lehne ich mich zurück und schreibe lieber den ein oder anderen Kommentar.

Herr Manfred Zimmer

29.04.2015, 16:34 Uhr

"Anleger kehren am Mittwoch in Scharen Bundesanleihen den Rücken. Die Rendite des zehnjährigen deutschen Papiers steigt so stark wie lange nicht. Der Grund: US-Anleihegurus legen sich mit der Europäischen Zentralbank an."

Es kommt zur Nagelprobe.

Wann finanziert auch die EZB den deutschen Staatshaushalt?

Ein korruptes System wird nicht dadurch legitim, indem man es vergrößert.

Wenn es jemanden geben sollte, der von der Marktmacht und dem Wettbewerb überzeugt ist, dann wird er sich alsbald von diesem theoretischen Denkkonstrukt verabschieden (müssen). Der Ausdruck "gelenkte Demokratie" war zwar schrecklich, aber nicht so falsch. Wenn der Altkanzler Gerhard Schröder den Russen eine "lupenreine Demokratie" bescheinigte, dann kann man abschätzen, was in Deutschland tatsächlich herrscht. In unserem Machtapparat hatte er eine herausgehobene Stellung und man kann ihm gewiss nicht unterstellen, dass er keine Einsicht in den Staatsapparat hatte.

Account gelöscht!

29.04.2015, 16:47 Uhr

Hallo Herr Zimmer,

keiner wiederholt so lange und schön wie Sie, das ist gut so,denn sonst würde bei der Masse der Diskussionsäste niemand mehr durchblicken.

Wie geht es Herrn Wisnewsky,Krassnick und Weissenfels,immer noch krank?

Ich hoffe die Herren Haas,Volkerts,Thomsen,Elbers,Wünsel, Mortensen,Birkenboom,Audt,Sievers sehe ich morgen im schwarzen Drachen

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