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14.04.2011

10:25 Uhr

Kurz vor Ramsch

Moody's stuft Irland herunter

Kurz vor Ramschniveau: Die Ratingagentur Moody’s stuft Irlands Kreditwürdigkeit um zwei Stufen zurück. Die Investoren zeigten sich davon zunächst unbeeindruckt.

Irlands Bonität hat sich verschlechtert. Quelle: dpa

Irlands Bonität hat sich verschlechtert.

LondonNeuer Rückschlag im Kampf Irlands gegen die Krise: Die Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit des Landes um zwei Noten gesenkt. Die Note werde von bisher „Baa1“ auf „Baa3“ reduziert, teilte Moody's am Freitag in London mit. Das bedeutet eine Stufe vor Ramschniveau. Der Ausblick für die Kreditwürdigkeit bleibe negativ. Es drohen also weitere Herabstufungen für das durch eine Bankenkrise stark belastete Land.

Die Finanzkraft Irlands könne weiter sinken, falls das Wirtschaftswachstum schwächer ausfalle als erwartet, begründete Moody's die Herabstufung. Ein weiterer Grund für die Herabstufung sei der europäische Rettungsmechanismus (ESM), der ab 2013 gelten soll.

Beim ESM wird eine Beteiligung privater Gläubiger an den Kosten nicht mehr ausgeschlossen.

Die irische Zentralbank hatte tags zuvor ein erstes Licht am Ende des Tunnels ausgemacht. Das Wirtschaftsleistung soll 2011 nach drei Jahren im Minus erstmals wieder wachsen - um 0,9 Prozent. Für 2012 wurde ein Wachstum von 2,2 Prozent prognostiziert. Allerdings werde die Arbeitslosigkeit mit über 14 Prozent hoch bleiben. Auch der verringerte Verlust der Bank of Ireland von netto 609 Mio. Euro (Vorjahr: 1,47 Mrd. Euro) gilt als Hoffnungsschimmer.

Folgen einer Staatspleite für Gläubiger

Wie hoch waren die Verluste privater Gläubiger bei Staatspleiten?

Die Rating-Agentur Moody's hat 13 staatliche Zahlungsausfälle zwischen 1998 und 2008 untersucht. Danach mussten die Gläubiger 30 Tage nach dem Zahlungsverzug einen durchschnittlichen Abschlag von rund 50 Prozent hinnehmen.

Der Zahlungsausfall schwankte in den einzelnen Ländern aber stark. Gläubiger der Dominikanischen Republik kamen mit einem Minus von fünf Prozent noch glimpflich davon. Für Zeichner russischer Anleihen lag der Verlust mit 82 Prozent um ein Vielfaches höher.

Wurden ausländische Gläubiger benachteiligt?

Grundsätzlich werden ausländische Investoren nicht schlechter behandelt als einheimische Gläubiger. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Allerdings gibt es auch hier keine Regeln ohne Ausnahmen: Sowohl die Ukraine als auch Russland räumten den einheimischen Investoren „deutlich bessere Deals“ ein.

Wie schnell erholen sich Länder von einer Staatspleite?

„Sowohl die russische als auch die argentinische Wirtschaft konnten die Krise relativ schnell überwinden, profitierten dabei aber von außergewöhnlich günstigen Rahmenbedingungen“, heißt es in einer Commerzbank-Studie. In Russland brach die Wirtschaftsleistung im Krisenjahr 1998 um rund 5,5 Prozent ein, ehe sie in den Folgejahren wegen des Rohstoffbooms um durchschnittlich etwa sieben Prozent wuchs.

Auch Argentinien erholte sich dank der steigenden Rohstoffnachfrage rasch. „Anleger sollten diese Erfolge daher nicht bedenkenlos auf andere Länder übertragen“, warnen die Experten der Commerzbank.

Sind Hilfen des IWF eine Garantie gegen Staatspleiten?

Neben den Euro-Ländern hilft auch der IWF mit Geldern aus: Sowohl in Griechenland als auch in Irland ist der erfahrende Krisenhelfer mit im Boot. Aber auch IWF-Hilfen waren in der Vergangenheit keine Garantie gegen Staatspleiten, wie das Beispiel Russland zeigt.

IWF und Weltbank sagten dem vor dem finanziellen Kollaps stehenden Land im Krisenjahr 1998 Hilfen von 22,6 Milliarden Dollar zu. Dennoch bediente der Staat ab August 1998 seine Schulden nicht mehr.

Was passiert, wenn IWF-Auflagen missachtet werden?

Bedingung für IWF-Hilfen sind strenge Auflagen, die aber nicht immer eingehalten werden. Der IWF schnürte 2000/2001 mehrere Hilfspakete für Argentinien - er erhöhte die Kreditlinien, organisierte Kreditzusagen der Weltbank und der spanischen Regierung.

Die Regierung aber sparte nicht wie vereinbart, sondern fuhr ihre Ausgaben im Kampf gegen die Wirtschaftskrise sogar hoch. Argentinien verfehlte damit die mit dem IWF vereinbarten Haushaltsziele.

Der Fonds setzte deshalb im Dezember 2001 die Zahlungen aus. Am 3. Januar 2002 konnte Argentinien seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen.

Am Mittag wollten Vertreter von Europäischer Zentralbank (EZB), Internationalem Währungsfonds IWF und EU eine erste Bilanz der Auswirkungen des Rettungspakets ziehen. Irische Medien erwarten eher positive Aussagen zu der Frage, ob sich Irland den Vorgaben unterworfen hat. Erwartet wird auch, dass es zu leichten Lockerungen bei den Auflagen, etwa in der Frage der Kürzung des Mindestlohnes, kommen könnte.

In der vergangenen Woche hatten die Stresstests der irischen Zentralbank für vier Geschäftsbanken ergeben, dass zu deren Rekapitalisierung weitere 24 Mrd. Euro notwendig sind. Das Geld ist allerdings bereits in dem 85 Mrd. Euro umfassenden Rettungpaket von EU und IWF vorgesehen. Finanzminister Michael Noonan hatte eine Verkleinerung des Bankensektors angekündigt, der künftig nur noch aus zwei Säulen bestehen soll.

Die Investoren ließen sich von der Nachricht nicht weiter schocken. Die Rendite der zehnjährigen irischen Staatsanleihen reagierte am Morgen kaum auf die Rating-Herabstufung. Sie stieg lediglich um vier Basispunkte auf 9,015 Prozent.

Auch der Euro zeigte sich unbeeindruckt. Die europäische Währung gab zwar zunächst etwas nach, erholte sich dann aber wieder und notiert aktuell auf Vortagesniveau bei 1,4494 Dollar.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Scanno

15.04.2011, 08:45 Uhr

Je stärker sich die Lage in den USA zuspitzt steht, desto schlechter wird die EU geredet. Es muss schlimm stehen, um die USA.

Reinhard

15.04.2011, 13:52 Uhr

Danke, Sie haben alles gesagt.

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