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12.08.2015

03:44 Uhr

Kurz vor Ramschniveau

Rezession bringt Brasilien in die Bredouille

Die US-Ratingagentur Moody's sieht die brasilianische Wirtschaftskrise kritischer denn je. Sie stufte die Kreditwürdigkeit des Landes auf die letzte Stufe vor Ramschniveau – ausgerechnet kurz vor Merkels Besuch.

Demonstranten bei einem Protest gegen die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff: Politische Spannungen und eine schwere Wirtschaftskrise machen dem Land zu schaffen. Reuters

Brasilianische Nationalfarben

Demonstranten bei einem Protest gegen die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff: Politische Spannungen und eine schwere Wirtschaftskrise machen dem Land zu schaffen.

Sao Paulo/Rio de JaneiroBrasilien muss einen Abzug von Investoren und damit eine Verschärfung der tiefen Wirtschaftskrise fürchten. Die US-Ratingagentur Moody's stufte die Kreditwürdigkeit am Dienstag auf „Baa3“ herunter. Das bedeutet, es bestehen Risiken, dass Gelder verloren gehen - die nächste Stufe wäre eine Warnung, dass der Kauf von Anleihen mit einem hohen Ausfallrisiko verbunden ist.

Damit hat Moody's Brasiliens Bonitätsnote fast bis auf Ramsch-Status herabgestuft. Die neue Einstufung "Baa3" - nach bislang "Baa2" - ist die letzte Stufe mit Anlagebonität. Der Ausblick ist "stabil", was eine geringe Wahrscheinlichkeit einer Änderung in den kommenden 12 bis 18 Monaten bedeutet.

Zur Begründung führte Moody's unter anderem eine gestiegene Schuldenlast, die Rezession und einen fehlenden politischen Konsens an. Ende Juli hatte der Konkurrent Standard & Poor's bereits mit einer Herabstufung der Bonitätsnote gedroht.

Schwerste Rezession seit einem Vierteljahrhundert

Brasilien befindet sich in der schwersten Rezession seit einem Vierteljahrhundert. Das Land leidet unter offiziell 9,56 Prozent Inflation innerhalb eines Jahres, der höchste Wert seit 2003. Die Bürger ächzen derzeit unter steigenden Preisen, sie bekommen im Supermarkt weniger für ihr Geld als noch Anfang Juli. Der Konsum schwächelt: Die Industrieproduktion brach im ersten Halbjahr um 6,3 Prozent ein.

Nachfrage eingebrochen: Zwangsurlaub für VW-Arbeiter in Brasilien

Nachfrage eingebrochen

Zwangsurlaub für VW-Arbeiter in Brasilien

4200 Arbeiter im dreiwöchigen Zwangsurlaub: Der deutsche Volkswagen-Konzern musste nach einem Einbruch der Nachfrage 4200 Mitarbeiter in Brasilien nach Hause schicken. Die Begründung bleibt zunächst unkonkret.

Die Krise führt auch zu einer Drosselung der Produktion etwa von Mercedes-Benz in Brasilien. Bis 21. August ist die Produktion im Werk São Bernardo do Campo für zwei Wochen weitgehend eingestellt - hier werden vor allem Lastwagen, Motoren und Busse produziert. Auch VW schickte in Brasilien Mitarbeiter in den Zwangsurlaub.

In den ersten sechs Monaten 2015 brach die Produktion im Automobilsektor in Brasilien um über 20 Prozent ein - es gibt eine deutlich geringere Nachfrage. Um Arbeitsplätze zu retten, hat die Regierung bereits eine Kurzarbeit-Regelung mit staatlichen Zuschüssen nach dem Vorbild Deutschlands eingeführt.

Die Zentralbank hat den Leitzins bereits auf mittlerweile 14,25 Prozent angehoben - um Anleger für den Kauf von Staatsanleihen anzulocken und so den Real zu stärken, der fast täglich an Wert zum Dollar verliert. Für 2015 wird ein Rückgang der Wirtschaftsleistung in Brasilien um 2,1 und der Investitionen um 9 Prozent erwartet.

Kommentare (1)

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Herr Carl Andersen

12.08.2015, 11:32 Uhr

Nicht ausgerechnet, sondern bewußt vor Merkels Besuch.

Denn die Kanzlerin als begeisterter Fußballfan und Länderretter, weiß was zu tun ist.

Warum haben wir auch Brasilien bei der WM zu gedemütigt. Ein 3:1 hätte es auch getan. Aber das war damals eine Ohrfeige. Die Kanzlerin wird es richten.

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