Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.01.2005

07:00 Uhr

Kurzläufer von GM und Ford haben durchaus Charme

Geteilte Bond-Welt

VonAndrea Cünnen

Der Markt für Unternehmensanleihen lässt sich seit der vergangenen Woche in zwei Kategorien einteilen: in General Motors/Ford und den Rest. Während sich bei festverzinslichen Firmenwertpapieren im Prinzip nicht viel tat, schnellten die Risikoaufschläge der Bonds der US-Autogiganten in die Höhe.

FRANKFURT/M. Und das nicht ohne Grund. Beide Unternehmen veröffentlichten in der vergangenen Woche ihre Jahresergebnisse. Und die ließen erneut Ängste aufkommen, dass die Unternehmen aus dem Olymp der guten Schuldner fallen könnten. Denn General Motors (GM) und Ford werden von der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) mit der Bonitätsnote „BBB-“ auf der untersten Stufe des sicheren „Investment-Grade“ eingestuft. Noch sind die Ratingausblicke stabil, aber Investoren fürchten, dass sich das ändern wird. Denn die Agentur S&P hatte schon mehrfach erklärt, dass GM und Ford im Kerngeschäft die Wende schaffen müssen, um ihre Ratings zu halten. Viele Experten erwarten, dass Ford in diesem Jahr einen negativen Ratingausblick bekommt, bei GM halten sie sogar eine Herabstufung für möglich.

Die Jahresergebnisse von GM und Ford lagen zwar weitgehend im Rahmen der Erwartungen, aber mit dem Kerngeschäft Autos verdienen beide Konzerne nach wie vor kaum Geld. Gewinnbringer sind die Finanztöchter. Außerdem waren die Ausblicke für das laufende Jahr alles andere als rosig.

GM rechnet mit einem sinkenden Gewinn je Aktie und ächzt weiter unter hohen Pensionsverpflichtungen. Dazu kommt, dass GM sich auch in diesem Jahr auf die Finanzsparte als Ertragsbringer verlassen muss. Bei Ford sieht es zwar etwas besser aus, aber Analysten erwarten, dass der Konzern in diesem Jahr ein schwächeres Ergebnis erwirtschaften wird. Genaueres dazu will Ford heute bekannt geben.

Angesichts dieser trüben Aussichten sind die Bonds der beiden US-Autobauer folglich sehr riskant. Bei kurzen Laufzeiten sind GM- und Ford-Bonds aber dennoch attraktiv, gerade im ansonsten mageren Renditeumfeld. Eine Anleihe von General Motors, die schon in gut zwei Jahren fällig wird, rentiert nach den jüngsten Kursverlusten mit über 4,60 Prozent. Ein Bond von Ford mit Fälligkeit im Juni 2007 bietet eine Verzinsung von immerhin 4,10 Prozent. Es gibt auch noch kürzer laufende Anleihen der beiden US-Autobauer, die ebenfalls ordentliche Renditen bringen.

Dabei halten selbst Pessimisten bei diesen kurzen Laufzeiten das Risiko für überschaubar. Denn dass die beiden US-Autokonzerne innerhalb der nächsten drei Jahre Pleite gehen und ihre Anleihen nicht bedienen können, gilt als sehr unwahrscheinlich.

Vor allem im Vergleich zu anderen Bonds, sind die kurz laufenden Papiere der beiden US-Autobauer einen Blick wert. Denn für Unternehmensanleihen mit Ratings im Bereich „BBB“ bekommen Anleger bei einer langen Laufzeit von zehn Jahren kaum mehr als 4,70 Prozent Rendite. Wer sichere Staatsbonds kauft, muss sich bei einer zehnjährigen Laufzeit mit mageren 3,60 und bei einer zweijährigen Laufzeit mit 2,50 Prozent Rendite zufrieden geben.

Für Anleger, die Anleihen vor dem Ende der Laufzeit verkaufen wollen, sind Anleihen von GM und Ford allerdings – auch bei kurzen Laufzeiten – zu riskant. Denn wenn S&P tatsächlich den Daumen senkt, werden die Kurse der Bonds weiter fallen. Grund ist, dass viele Investoren nur Anleihen mit dem Gütesiegel Investment-Grade halten dürfen und die Bonds bei einer Herabstufung verkaufen müssten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×