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20.01.2009

07:30 Uhr

Land verliert die Topnote „AAA

S&P senkt den Daumen für Spaniens Rating

Nur vier Jahre durfte Spanien im exklusiven Club der Länder mit einem Top-Rating bleiben.

MADRID/FRANKFURT. Gestern stufte die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) Spaniens langfristige Bonität wieder auf die zweitbeste Note "AA+" zurück. Damit befindet sich Spanien bei S&P nun auf gleichem Niveau wie Belgien, hat aber eine bessere Bonität als etwa Italien, Griechenland und Portugal. Erst vergangene Woche hatte S&P angekündigt, das Rating zu prüfen.

Motiv der Herabstufung ist vor allem "die strukturelle Schwäche der spanischen Wirtschaft, deren starkes Wachstum in den vergangenen Jahren kreditgetrieben war und vor allem auf dem Bau- und Immobiliensektor beruhte", erklärte S&P-Analyst Trevor Cullinan in einer Telefonkonferenz. Das unhaltbare Leistungsbilanzdefizit von zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) müsse mittelfristig durch ein "Herunterhebeln" privater und unternehmerischer Bilanzen korrigiert werden.

Nach Meinung von S&P wird Spanien Ende 2010 wieder wachsen, jedoch lediglich um etwa zwei Prozent. Vor allem wegen seines unflexiblen Arbeits- und Produktmarktes, sowie wegen des zuletzt stark gestiegenen Lohnniveaus werde Spanien länger als andere Länder brauchen, um seine Wirtschaft stärker auf den Export hin zu orientieren.

Das Anschwellen des Haushaltsdefizits auf vermutlich 6,6 Prozent in diesem Jahr allein wäre laut S&P kein Grund zur Besorgnis, da andere europäische Länder derzeit ähnliche Defizite erzeugen. Zudem geht Spanien von einem niedrigen Schuldenniveau aus. Das schwächere Wachstum werde jedoch die Staatseinnahmen auf längere Sicht reduzieren. Zudem sei Spanien im Vergleich etwa zu Großbritannien im Nachteil, da es seine Wettbewerbsfähigkeit nicht über eine Steuerung der Wechselkurse erhöhen kann.

Die Renditeabstände spanischer Anleihen im Vergleich zu zehnjährigen deutschen Anleihen erreichten gestern Morgen ein Rekordhoch von 1,22 Prozentpunkten, gingen danach aber leicht zurück. David Keeble, Zinsstratege bei der französischen Bank Caylon, erklärte dies damit, dass die Investoren nach der Herabstufung mehr Klarheit hätten und somit in gewisser Weise erleichtert seien.

Die Kurse spanische Staatsanleihen stehen seit Anfang Dezember unter Druck: Die Renditen sind dementsprechend stark steigen. 2008 gingen die Sätze zwar zurück, aber weniger deutlich als bei deutschen Anleihen. Damit erhöhten sich die Risikoaufschläge spanischer zu deutschen Staatsnleihen immer mehr.

Spaniens Wirtschaftsminister Pedro Solbes spielte die Bedeutung der Herabstufung herab: "Wir sind von "überragend" auf "sehr hoch" heruntergestuft worden, sagte er. Im Übrigen werde Spaniens Staatsverschuldung trotz der Konjunkturpakete unter 55 Prozent des BIP bleiben, während andere Länder 70 Prozent des BIP erreichen. ang/cü

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