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20.04.2012

15:53 Uhr

Langes Gezerre

Märkten steht Tauziehen um Spanien bevor

An den Finanzmärkten steht ein langes Tauziehen um Spanien bevor. Bis die Frage beantwortet ist, ob Spanien ein Rettungspaket benötigt oder nicht, könnten noch Monate oder Jahre vergehen.

Bis es an der spanischen Börse wieder aufwärts geht, könnten Jahre vergehen. dapd

Bis es an der spanischen Börse wieder aufwärts geht, könnten Jahre vergehen.

LondonDie Finanzmärkte müssen sich in der Schuldenkrise auf ein langes und nervenaufreibendes Gezerre um Spanien gefasst machen. Eine Klärung der alles entscheidenden Frage, ob das Land ein Rettungspaket benötigt oder nicht, könnte sich noch Monate oder gar Jahre hinziehen. Stattdessen ist zunächst Durchwurschteln angesagt: Die Zinsen sind zu hoch, um dauerhaft tragbar zu sein, aber gleichzeitig noch viel zu niedrig, um die Regierung zu einem Hilferuf zu zwingen. Genauso die Mittelaufstockung beim IWF - sie bringt etwas Erleichterung, aber noch lange kein Ende der Spekulationen. Einfach gefragt: Warum sollte eine höhere Brandmauer jemanden dazu ermutigen, sich in ein brennendes Haus zu wagen?

Jahrelange Zitterpartie?

Nur eine langfristige Verbesserung der wirtschaftlichen Aussichten in Spanien, eine Entschärfung der heimischen Schuldenbombe sowie eine Gesundung des maroden Bankensystems werden neues Vertrauen schaffen und internationale Anleger zurücklocken, die derzeit einen weiten Bogen um die Staatsanleihen des Landes machen. All dies wird jedoch reichlich Zeit beanspruchen. Bis dahin dürfte daher eine immer wiederkehrende Volatilität auf dem Programm stehen und sowohl den globalen Finanzmärkten als auch europäischen Politikern den Angstschweiß auf die Stirn treiben.

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„Mein Basis-Szenario ist, dass die Dinge genau so weitergehen, bis die Regierung in zwei Jahren ihre Reformfähigkeit nachgewiesen hat“, sagt Chefvolkswirt Charles Robertson von Renaissance Capital in London. Die wahrscheinlichste Alternative ist aus seiner Sicht: Die Bevölkerung geht geschlossen auf die Straße gegen immer neue Sparmaßnahmen und zwingt die Regierung zum Griff nach dem europäischen Rettungsschirm oder gar einem Austritt aus der Euro-Zone.

Umfrage: Wahrscheinlichkeit für Rettung nur 25 Prozent

Spanien musste den Investoren erst am Donnerstag 5,7 Prozent Zinsen für zehnjährige Kredite zahlen. Robertson zufolge könnte das Land mit diesem Niveau jedoch falls nötig noch jahrelang zurechtkommen. Auch Christian Schulz von der Berenberg Bank in London rechnet vor, dass die Refinanzierung der übrigen in diesem Jahr auslaufenden Schulden zum derzeitigen Zinsniveau noch nicht einmal Mehrausgaben von 0,5 Prozent der Wirtschaftsleistung bedeuten würde. Sein Fazit: „Kein Grund für große Sorgen.“

Auch bei den allermeisten anderen Ökonomen hat sich noch lange nicht die Überzeugung durchgesetzt, dass Spanien schon bald unter den Rettungsschirm flüchten muss. Bei einer in dieser Woche veröffentlichten Reuters-Umfrage bezifferten 29 Volkswirte die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios im Schnitt auf lediglich 25 Prozent. Nur jeder sechste Experte hielt dabei eine Finanzspritze für den wahrscheinlichsten Ausgang des Zitterspiels. Dabei setzen die Experten auch auf die abschreckende Wirkung der griechischen Tragödie: „Die spanische Regierung ist recht gut darin, früh gegenzusteuern. Sie wissen jetzt, wie schlimm es werden könnte“, resümiert Alan Clarke von der Scotiabank.

Von

rtr

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