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26.10.2011

15:52 Uhr

Langfrist-Tender

EZB startet neue Runde der Bankenhilfen

VonAnnika Williamson

Die Banken trauen einander nicht mehr – doch bevor der Kreditmarkt einfriert, eilt die EZB zur Hilfe. Es ist ein Schritt, den die EZB zuletzt zum Höhepunkt der Finanzkrise getan hat.

Die europäischen Banken brauchen die Unterstützung der EZB, denn einander leihen sie derzeit nur ungern Geld. dapd

Die europäischen Banken brauchen die Unterstützung der EZB, denn einander leihen sie derzeit nur ungern Geld.

DüsseldorfDie Europäische Zentralbank packt heute ein Krisenwerkzeug wieder aus, das der scheidende EZB-Präsident Jean-Claude Trichet schon längst begraben hatte. Der Zwölfmonatstender soll den Banken auf lange Sicht Liquidität zusichern, wenn sie einander nichts mehr leihen – aus Angst, dass sich in den Büchern unbemerkt Schulden und wacklige Papiere häufen. Während der Finanzkrise war das bitter nötig, und jetzt ist es wieder so weit.

Normalerweise leiht die EZB den Banken höchstens auf Sicht von drei Monaten Geld. Doch mit der Euro-Krise und dem bevorstehenden Schuldenschnitt in Griechenland ist die Palette der Gefahren für die Banken so groß geworden, dass ihre wichtigste Quelle für Bares – die anderen Banken – versiegt ist. Planen ließe sich also ohne die Hilfe der EZB kaum mehr.

Durch den Zwölfmonatstender seien den Banken heute 56,9 Milliarden Euro zugeflossen, teilte die EZB in Frankfurt mit. An dem Refinanzierungsgeschäft beteiligten sich 181 Banken. Der Zinssatz liegt beim durchschnittlichen Leitzins über die Laufzeit des Darlehens - aktuell 1,5 Prozent. Fällig wird der Kredit am 1. November 2012, ein weiterer Jahrestender ist für den 21. Dezember geplant.

Die Jahrestender wurden von der EZB Anfang Oktober reaktiviert, als klar wurde, dass es am Interbankenmarkt wieder eng wird. In der vierteljährlichen Bankenumfrage, welche die EZB Anfang des Monats veröffentlichte, rechneten die befragten Banken damit, dass sie im vierten Quartal bei der Kreditvergabe an Unternehmen und Immobilienbesitzer noch vorsichtiger werden.

Investoren sorgen sich seit Monaten vor einer neuen Bankenkrise. Europaweit sind Bankaktien daher massiv zurückgefallen. Innerhalb der vergangenen drei Monate haben die Papiere der Deutschen Bank 25 Prozent, die der UBS 20 Prozent, der BNP Paribas 34 Prozent und die der Commerzbank sogar 36 Prozent verloren. Im Abstand von oft nur wenigen Tagen melden sich außerdem die großen Ratingagenturen und stufen jedes Mal gleich eine ganze Reihe von Banken herab. Sie halten die Institute für nicht mehr so kreditwürdig wie früher.

Das Besondere daran: Keine der Banken würde derzeit den Ratingagenturen widersprechen. Auch untereinander trauen sie sich nicht mehr über den Weg. Sie parken ihre überschüssigen Gelder lieber über Nacht bei der EZB: Dort lagen am Montag 202 Milliarden Euro, gegenüber 188 Milliarden am Tag zuvor, teilte die EZB in Frankfurt mit. Der Durchschnitt seit Beginn des Jahres liegt weit darunter – bei 61 Milliarden Euro.

Die außergewöhnlich langen Tender mit Laufzeit von einem Jahr wurden zuletzt in der Finanzkrise eingesetzt. Die Notenbank legte damals insgesamt drei Zwölf-Monatstender auf: Beim ersten besorgten sich mehr als 1000 Banken aus der gesamten Euro-Zone die Riesen-Summe von 442 Milliarden Euro – ein weitaus höherer Betrag, als heute verteilt wurde. Analysten hatten jedoch erwartet, dass die Nachfrage dieses Mal deutlich geringer ausfallen würde.

So schlimm wie zum Krisenhöhepunkt Ende 2008 und Anfang 2009 sieht es auf dem Interbankenmarkt auch noch lange nicht aus. Der Zinssatz für den Zwölfmonatseuribor (Euro Interbank Offered Rate) lag damals über der Fünf-Prozent-Marke. Aktuell liegt der Zins bei 2,124 Prozent. Da ist allerdings deutlich höher als noch vor einem Jahr, und auch deutlich höher als die Zinsen, die Banken für den Zwölfonatstender bei der EZB zahlen müssen.

Kommentare (1)

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Schlaumeier

26.10.2011, 15:01 Uhr

EZB - Totengräber des Finanzsystemes. EZB gibt wieder umbeschränkt Geld an die Banken, die an Schattenbanken, die in Derivate (vereinfacht gesagt). Genauso macht es die FED. Ergebnis: Alle wundern sich, dass "auf Teufel komm raus" spekuliert wird. Was hat die reale Wirtschaft von dieser EZB-Politik, ganau NICHTS.

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