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28.12.2012

10:46 Uhr

Leiser Abschied

Bund beerdigt Bundesschatzbriefe

Der Bundesschatzbrief ist den Deutschen in mehr als vier Jahrzehnten ans Herz gewachsen - 2013 soll er beerdigt werden. Dem Bund ist das Geschäft mit Privatanlegern zu teuer. Den Markt dominieren nun Banken und Fonds.

Nach dem Abschluss jeder Auktion folgt Papierkram: Die Finanzagentur hält jeden Verkauf von Bundesanleihen im Bundesschuldenbuch fest. Dies ist maßgebend für den Haushaltsabschluss am Ende des Jahres und gibt somit Aufschluss für das kommende Jahr. dpa

Schritt 6: Bundesschuldenbuch

Nach dem Abschluss jeder Auktion folgt Papierkram: Die Finanzagentur hält jeden Verkauf von Bundesanleihen im Bundesschuldenbuch fest. Dies ist maßgebend für den Haushaltsabschluss am Ende des Jahres und gibt somit Aufschluss für das kommende Jahr.

FrankfurtNach mehr als vier Jahrzehnten verkauft der Staat von 2013 an keine Bundesschatzbriefe mehr. Für Generationen von Sparern endet damit eine fast emotionale Beziehung zu den „Schätzchen“ genannten Papieren. Der Bund indes verweist nüchtern auf die hohen Kosten. Privatkunden müssen Bundesanleihen ab Januar über ihre Hausbank erwerben und dafür Gebühren zahlen.

1968 erdacht, entwickelte sich der Schatzbrief ab 1969 zum Klassiker unter den Bundeswertpapieren. Die erste Geldanlage des deutschen Staates für die breite Masse wurde zur Institution - wie der Weltspartag oder das Sparbuch fürs Kind. Doch Anfang Juli dieses Jahres teilte die Finanzagentur, die Schuldenverwalterin des Bundes, lapidar mit: „Ab 2013 wird der Bund keine neuen Serien von Bundesschatzbriefen und Ausgaben von Finanzierungsschätzen des Bundes mehr auflegen.“ Noch im Januar 2011 schwärmte die Frankfurter Behörde von der „beachtlichen Erfolgsgeschichte, die der Bundesschatzbrief seit über 40 Jahren und mehr als 500 Ausgaben schreibt“. Praktisch jedes Sparziel lasse sich mit einem solchen Investment verfolgen.

Der niedrige Mindestanlagebetrag (zunächst 100 D-Mark, später 50 Euro) und lange Zeit üppige Zinsen - in der Spitze fast zehn Prozent - überzeugten tausende Anleger. Seit der ersten Auflage am 2. Januar 1969 gab es 574 Ausgaben der „Bundesschätzchen“, 142 laufen noch. Der letzte Bundesschatzbrief wird am 1. September 2019 fällig.

Medienbericht: Aus für Bundesschatzbriefe spart Millionen ein

Medienbericht

Bundesschatzbrief-Aus spart Millionen

Privatleute können bald keine Bundesschatzbriefe mehr direkt kaufen.

Anfang Dezember 2012 verwaltete die Finanzagentur noch rund 300.000 sogenannte Einzelschuldbuchkonten, auf denen Privatkunden rund 7,3 Milliarden Euro angelegt hatten. Viele Sparer halten vor allem die über sechs oder sieben Jahre laufenden Bundesschatzbriefe. „Die Kosten des Privatkundengeschäfts standen insbesondere in jüngerer Vergangenheit in keinem ausgewogenen Verhältnis mehr zu seiner Bedeutung bei der Kreditaufnahme“, erklärte ein Sprecher der Bundesrepublik Deutschland-Finanzagentur GmbH.

Kommentare (6)

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norbert

28.12.2012, 10:57 Uhr

Latsch', wie eine dumme Kuh,
auf den eig'nen Metzger zu ...

RDA

28.12.2012, 12:37 Uhr

Wie wäre es, wenn der Bund stattdessen "Bundes-Infrastrukturbriefe" herausgibt? Das könnten Genossenschaften sein, an denen sich der Staat, regionale Unternehmen und Bürger beteiligen. In diese Genossenschaften könnte unsere Infrastruktur eingebracht werden, anstatt sie an ausländische Finanz"Investoren" zu verhökern. Diese Infrastrukturgenossenschaften würden ihre Beteiligungen auf langfristige Ertragskraft und guten Service für den Bürger trimmen, außerdem würden sie hier in Deutschland Ertragsteuern zahlen.

Die Bürger hätten angesichts der "financial repression" eine werthaltige Kapitalanlage, die selbst ein Auseinanderbrechen der Eurozone überstehen würde.

Mazi

28.12.2012, 13:28 Uhr

Wen wundert's, wenn die Staaten über die EZB mit der notwendigen Liquidität versorgt werden.

Ein recht eigenartiges Geschäftsmodell, dass sich am Markt herausgebildet hat.

Die EZB setzt ihren Zinssatz nahe Nullprozent fest. De Banken refinanzieren sich auf dieser Basis. Geben das Geld zu einem etwas höheren Satz, z.B. Mit einem Aufschlag von 1/16 maximal 1/8 % Aufschlag an die Banken weiter. Erhalten von diesen zur Absicherung entsprechende Papiere (Anleihen oder Schuldscheine), die sie wiederum zur Sicherheit bei der EZB hinterlegen.

Ein Geschäftsmodell, dass weder auf der Bankenseite noch auf Staatsseite einen Privaten brauchen kann.

Wie kaputt muss ein Finanzsystem schon sein, wenn das als Allheilmittel des Finanzsystems angesehen wird? Das Finanzsystem hat nicht nur die Wertschätzung des Geldes sondern auch die Achtung vor dem Konsumverzicht des Sparers verloren.

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