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06.05.2015

20:04 Uhr

Lufthansa in der Krise

Airline sondiert Interesse an Hybrid-Anleihe

Das Zauberwort heißt Eigenkapitalquote: Einem Insider zufolge prüft die angeschlagene Lufthansa das Interesse ihrer Aktionäre an einer Hybridanleihe. Schon am Donnerstag könnte das Papier begeben werden.

Auf der Suche nach Möglichkeiten, ihre Eigenkapitalquote aufzubessern prüft die Lufthansa die Ausgabe einer Hybridanleihe. dpa

Airline will neue Wege gehen

Auf der Suche nach Möglichkeiten, ihre Eigenkapitalquote aufzubessern prüft die Lufthansa die Ausgabe einer Hybridanleihe.

London/FrankfurtDie Lufthansa lotet nach Aussagen eines Aktionärs bei Geldgebern das Interesse an einer Hybrid-Anleihe aus. Die Schuldverschreibung mit einer Laufzeit von 60 Jahren und einem Volumen von 500 Millionen Euro bis 750 Millionen Euro könnte bereits am Donnerstag begeben werden, sagte ein Investor, der am Mittwoch an einem Vorbereitungsgespräche der Lufthansa mit Anlegern teilnahm. Nach derzeitigem Stand könnte das Papier nach fünfeinhalb Jahren gekündigt werden.

Der Investor, der namentlich nicht genannt werden wollte, rechnet mit einer Verzinsung von vier Prozent bis 4,25 Prozent - die endgültige Höhe dürfte am oberen Ende der Spanne liegen. Hybrid-Anleihen haben für Unternehmen den Vorteil, dass sie aufgrund der langen Laufzeiten zur Hälfte dem Eigenkapital zugerechnet werden.

Hybride Anleihen: Wie die Papiere funktionieren

Nachrangigkeit

Wenn ein Unternehmen insolvent wird, bekommen Besitzer der speziellen Anleihen ihr Geld erst nach allen anderen Kreditgebern zurück. Entsprechend wenig dürften sie von ihrem Geld wiedersehen.

Laufzeit

Die Laufzeit hybrider Anleihen liegt oft bei 60 bis 100 Jahren, einige laufen auch – genau wie Aktien – unendlich. Anleger, die ihr Geld vorher zurückhaben wollen, müssen die Papiere über Banken oder die Börse verkaufen. Die Spannen zwischen An- und Verkaufskursen sind oft höher als bei anderen Anleihen.

Vorzeitige Tilgung

Die Unternehmen können die Anleihen vorzeitig zurückzahlen, also tilgen. Oft ist das nach zehn Jahren der Fall. Lassen die Firmen diesen Zeitpunkt verstreichen, gibt es meist alle drei oder zwölf Monate weitere Termine für eine mögliche Rückzahlung. Die Berechnungen der Rendite beziehen sich auf die frühestmögliche Tilgung.

Zinsänderungen

Bis zum ersten möglichen Tilgungstermin werden die Anleihen fest verzinst. Danach ändern sich die Zinsscheine in der Regel von fest auf variabel. Dabei bieten die Unternehmen einen Aufschlag auf Interbankensätze wie den dreimonatigen Euribor. Der ist höher als der Aufschlag zum Zeitpunkt der Anleiheplatzierung.

Freiwillige Zinsaussetzungen

Die meisten Unternehmen haben in den Anleiheprospekten festgelegt, dass sie die Zinsen nicht immer zahlen müssen. Sie können die Zinszahlungen zum Beispiel aussetzen, wenn sie keine Dividende zahlen. Oft werden die Zinsen aber nachträglich ausgeschüttet, wenn es wieder Dividenden gibt oder die Anleihen zurückgezahlt werden.

Zwangsweise Zinsaussetzungen

Die meisten Unternehmen haben Regeln, wonach sie keine Zinsen auf hybride Anleihen zahlen dürfen, wenn die Bilanz schlecht ist. Oft geht es dabei um das Verhältnis von Cash-Flow – den Mittelzuflüsse, die ein Unternehmen aus dem operativen Geschäft erwirtschaftet – zu Nettoverbindlichkeiten oder Umsatz. Auch dabei werden die Zinsen oft nachgeholt, wenn es den Unternehmen wieder bessergeht. Die Zinsen gibt es dann allerdings nicht in bar, sondern als neue hybride Anleihen oder neue Aktien. Anders als bei Banken müssen die Anleger bei Industrieunternehmen aber nicht fürchten, dass bei einem Verlust auf der Bilanz die Rückzahlungswerte der hybriden Anleihen gesenkt werden.

Ratings

Die höheren Risiken spiegeln sich auch in den Bonitätsnoten der großen Ratingagenturen wider. Sie bewerten die hybriden Anleihen oft zwei bis drei Stufen schlechter als die herkömmlichen Anleihen derselben Unternehmen.

Die Kranich-Airline steht derzeit unter Druck, ihre Finanzpolster aufzubessern. Hohe Pensionsverpflichtungen und sinkende Zinsen sorgten jüngst dafür, dass die Eigenkapitalquote des Konzerns um 5,7 Prozentpunkte auf 7,5 Prozent sank.

Von

rtr

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