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13.01.2005

07:41 Uhr

Lufthansa und Partner-Airlines in exklusiven Verhandlungen mit Finanzinvestoren

Amadeus soll schnell von der Börse verschwinden

VonE. Krummheuer (S. Müller; Handelsblatt)

Im milliardenschweren Geschäft der Flug- und Reisebuchungen werden die Karten neu gemischt. Der Reisedienstleister Amadeus Global Distribution S.A., bei dem bisher die Fluggesellschaften Lufthansa, Air France und Iberia gemeinsam knapp unter 50 Prozent halten, soll in absehbarer Zeit von der Börse verschwinden.

DÜSSELDORF/MADRID. Die britischen Finanzinvestoren BC Partners und Cinven wollen die Mehrheit an dem in Madrid ansässigen Unternehmen erwerben. Sie haben sich verpflichtet, für jede Aktie einen Preis von 7,35 Euro zu zahlen. Das bringt den Börsenwert von Amadeus auf gut 4,3 Mrd. Euro.

Mit einer Erklärung an die spanische Börsenaufsicht wurde der Deal, über den seit Tagen spekuliert wurde, gestern Nachmittag publik. Der Handel der Amadeus-Aktie wurde ausgesetzt. In Branchenkreisen überrascht vor allem die Höhe des Verkaufspreises. Er gibt dem Computer-Reservierungssystem einen Börsenwert, der annähernd an das Niveau der Lufthansa heranreicht. Wie die drei Fluggesellschaften mitteilten, wollen sie gemeinsam mit den beiden Investoren ein öffentliches Übernahmeangebot an die übrigen Amadeus-Anteilseigener machen. Geplant ist, die Aktien zu hundert Prozent zu erwerben und das Unternehmen „so schnell wie möglich“ von der Börse zu nehmen.

Das Übernahmeangebot soll über eine neue Gesellschaft erfolgen. In einer Presseerklärung der Lufthansa heißt es, die drei Airlines seien in exklusive Verhandlungen mit BC Partners und Cinven eingetreten „um möglichst schnell eine Einigung über die Bedingungen der Transaktion zu erzielen“.

Dabei wollen die drei Fluggesellschaften Aktionäre von Amadeus bleiben. Lediglich einen Teil ihrer Anteile würden sie im Rahmen des öffentlichen Übernahmeangebots an die beiden Private-Equity-Partner übertragen. Derzeit hält Lufthansa lediglich 5,06 Prozent der Aktien, Air France 18,3Prozent und Iberia 23,3 Prozent. Der Rest des Aktienkapitals wird frei gehandelt.

Amadeus zählt weltweit 64 000 Reisebüros als Kunden und wird von etwa 500 Fluggesellschaften als Computer-Reservierungssystem genutzt. Der Reisedienstleister ist Marktführer in Europa; größter Wettbewerber ist das US-System Sabre.

In Luftverkehrs- und Touristikkreisen herrschte gestern weithin Rätselraten über die Hintergründe der angekündigten Transaktion. Branchenkenner verweisen darauf, dass der vereinbarte hohe Aktienkurs den Fluggesellschaften schon bei Teilverkäufen ihrer Anteile satte Erlöse beschere. Und diese könnten die durch Ölpreis und Krisen gebeutelten Unternehmen derzeit alle dringend gebrauchen. Vermutet wird von Fachleuten auch, dass der Rückzug von der Börse vor dem Hintergrund größerer Investitionen angepeilt sei: Kapitalbeschaffung sei mit soliden Finanzinvestoren im Rücken nun einmal einfacher als bei einem börsennotierten Unternehmen mit Kleinaktionären, hieß es. Hinzu komme, dass Amadeus für Finanzinvestoren mit Umsatzrenditen von 20 Prozent unter Anlageaspekten hoch interessant sei.

Georg Jeminat, Luftfahrtexperte des Touristikfachblattes FVW International, erteilte Spekulationen eine Absage, die Fluggesellschaften wollten sich langfristig aus dem Buchungsgeschäft zurückziehen: „Es wird immer vermutet, dass die Reservierungssysteme mit der wachsenden Zahl der Internetbuchungen an Bedeutung verlieren. Das ist falsch: Systeme wie Amadeus sind alles andere als Auslaufmodelle, denn sie stecken in der einen oder anderen Form hinter 80 Prozent des Online-Geschäftes.“ Amadeus hatte erst voriges Jahr Opodo, die Internet-Plattform großer europäischer Airlines übernommen.

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