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11.07.2011

17:45 Uhr

Märkte brechen ein

Anleger zittern vor Schuldenchaos in Italien

Die Sorge vor einem Sturz Italiens in die Schuldenkrise bringt die Märkte ins Wanken. Italienische Anleihen gehen auf Talfahrt, Bankaktien werden in Mailand zeitweise ausgesetzt. Und auch die Commerzbank-Aktie stürzt ab.

Sorge um Italien

Der nächste Krisenkandidat

Sorge um Italien: Der nächste Krisenkandidat: Sorge um Italien wächst

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DüsseldorfDie europäische Schuldenkrise nimmt wieder Fahrt auf. Die Furcht vor einem Übergreifen der Krise auf Italien hat die Märkte zu Wochenbeginn in neue Turbulenzen gestürzt. Die europäischen Aktienmärkte lagen den gesamten Tag im Minus und beschleunigten ihre Talfahrt am Nachmittag. Der Euro verlor fast 1,5 Prozent und die Zinsen für italienische Staatsanleihen stiegen auf Rekordwerte.

Besonders heftig fielen die Reaktionen an der Mailänder Börse aus. Der Leitindex MIB-30 verlor am Nachmittag 4,5 Prozent auf 18,195 Punkte. Aktien der Großbanken Unicredit und Intesa Sanpaolo wurden vom Handel ausgesetzt, nachdem sie die maximal zulässigen Tagesverluste überschritten.

Seit Freitag hat der Druck der Finanzmärkte auf Italien deutlich zugenommen. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone schiebt relativ zu seiner Wirtschaftsleistung einen so großen Schuldenberg vor sich her wie kaum ein anderes Land. Der italienische Staat sitzt auf einem Schuldenberg von rund 120 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsproduktes - der Zielwert in der EU ist 60 Prozent. Nur Griechenland ist mit 150 Prozent höher verschuldet.

Wie verschuldet ist Europa?

Griechenland

Staatsverschuldung: 152 % des BIP (2011); Haushaltsdefizit: 7,4 % des BIP (2011); Rating: CCC (S&P), Caa1 (Moody's), B+ (Fitch)

Irland

Staatsverschuldung: 114 % des BIP (2011); Haushaltsdefizit: 10,8 % des BIP (2011); Rating: BBB+ (S&P), Baa3 (Moody's), BBB+ (Fitch)

Portugal

Staatsverschuldung: 90,5 % des BIP (2011); Haushaltsdefizit: 5,6 % des BIP (2011); Rating: BBB- (S&P), Baa1 (Moody's), BBB- (Fitch)

Spanien

Staatsverschuldung: 64 % des BIP  (2011); Haushaltsdefizit: 6,2 % des BIP (2011); Rating: AA (S&P), Aa2 (Moody's), AA+ (Fitch)

Italien

Staatsverschuldung: 120 % des BIP  (2011); Haushaltsdefizit: 4,3 % des BIP (2011); Rating: A+ (S&P), Aa2 (Moody's), AA- (Fitch)

Belgien

Staatsverschuldung: 97 % des BIP  (2011); Haushaltsdefizit: 3,9 % des BIP (2011); Rating: AA+ (S&P), Aa1 (Moody's), BB+ (Fitch)

Deutschland

Staatsverschuldung: 80 % des BIP  (2011); Haushaltsdefizit: 2,4 % des BIP (2011); Rating: AAA (S&P), Aaa (Moody's), AAA (Fitch)

Die Ratingagenturen Moody's sowie Standard and Poor's drohten bereits damit, das Land herabzustufen. Die Regierung hat Anfang des Monats daraufhin ein Sparpaket geschnürt, das die Ausgaben um 47 Milliarden Euro reduzieren soll. Das Parlament hat dem Paket noch nicht zugestimmt. Zudem zweifeln die Finanzmärkte an den Plänen, weil zwischen Ministerpräsident Silvio Berlusconi und seinem Finanzminister Giulio Tremonti, der das Haushaltsdefizit mit scharfen Einsparungen in den Griff bekommen will, Streit herrscht. Spekuliert wird, dass Berlusconi Tremonti loswerden will. Aber auch Gerüchte um einen Rücktritt machen die Runde, weil ein enger Vertrauter Tremontis in eine Korruptionsaffäre verstrickt ist.

"Der Sparplan ist glaubwürdig, aber die politischen Spannungen haben die Wirksamkeit seiner Botschaft verringert", sagte Fabio Fois von Barclays Capital. Giuliano Noci, Wirtschaftsprofessor an der Handelsschule
MIP der Polytechnischen Universität in Rom, zufolge führen die politischen Animositäten dazu, dass die Märkte Italien als "Risikoland" einstuften.

Kommentare (12)

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Profit

11.07.2011, 17:50 Uhr

Das Euro-Chaos nimmt seinen Lauf. Danke Ihr EU-Träumer!

louis1970segeln

11.07.2011, 17:51 Uhr

...die Katastrophe wird sich nicht mehr aufhalten lassen, denn in wenigen tagen ist auch Frankreich dran

Europaul

11.07.2011, 18:01 Uhr

was hier passiert ist ökonomisch nichtmehr zu erklären. Das Schuldenproblem ist nichts Neues. Bereits vor 10 Jahren waren einige Länder in der EU hochverschuldet. Damals hat es so gut wie keinen interessiert. Schließlich standen große Volkswirtschaften hinter den Schulden, die problemlos den erforderlichen Kapitaldienst leisten konnten. Die Finanzkrise hat dann gezeigt wie fragil die Wirtschaft sein kann. Das haben vor allem zwei player gemerkt: auf der einen Seite die Rating-Agenturen und auf der anderen die großen Hedgefunds ( auch Banken ). Die einen haben die Macht, ganze Volkswirtschaften kaputt zu reden, die anderen die Liquidität, um daran zu verdienen. Das Zusammenspiel dieser Kräfte führt zu den Exzessen, die wir gerade erleben. Und das Schlimme ist, wir können offensichtlich nichts dagegen tun, sie sind uns immer einen Schritt voraus......!

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