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23.09.2013

10:25 Uhr

Märkte gratulieren Merkel

„Eine Sorge weniger“

VonJörg Hackhausen

Merkel bleibt Kanzlerin – ganz so, wie es sich internationale Investoren gewünscht hatten. An den Börsen herrscht Erleichterung. Eine genaue Vorstellung, welche Koalition am besten wäre, haben die Anleger auch schon.

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DüsseldorfWenn sich die Finanzwelt ein Ergebnis der Bundestagswahl hätte wünschen dürfen, dann wäre es fast genauso ausgefallen: Merkel erhält überwältigende Zustimmung, sie regiert weiter, möglicherweise in einer Großen Koalition mit der SPD. Dass es die Alternative für Deutschland (AfD) nicht in den Bundestag schafft, sorgt bei internationalen Investoren für Erleichterung.

„Angela Merkels Wiederwahl ist ein Zeichen politischer Stabilität, und Märkte lieben Stabilität“, sagt David Thebault, Chef-Händler von Global Equities. „Ein Risiko weniger, um das man sich Sorgen machen muss.“

Im Grunde interessiert die Investoren nur eine Frage: Wie fest steht Deutschland hinter der Euro-Rettung? Sehr fest, lautet die Antwort nach der Wahl. Entsprechend ruhig blieb es an den Märkten.

Stimmen zum Wahlergebnis

Angela Merkel (CDU)

„Wir werden gemeinsam auch in den nächsten vier Jahren alles dafür tun, dass es erfolgreiche Jahre für Deutschland werden können. Wir warten jetzt erst einmal das Wahlergebnis ab. Es ist zu früh, genau zu sagen, wie wir vorgehen. Wir werden morgen in unseren Gremien das besprechen, wenn wir das endgültige Wahlergebnis kennen. Aber feiern dürfen wir heute schon, denn wir haben's toll gemacht.“

Peer Steinbrück (SPD)

„Zum Klartext gehört: Wir haben nicht das Ergebnis erzielt, das wir wollten. Die Lage ist sehr unklar. Deshalb wird die SPD gut daran tun, keiner Spekulation darüber nachzugeben, wie eine Regierungsbildung aussehen könnte. Der Ball liegt im Spielfeld von Frau Merkel. Sie muss sich eine Mehrheit besorgen.“

Dirk Niebel (FDP)

„Es gibt mehr Kommunisten in Deutschland als Liberale. Das macht mir sehr große Sorgen.“

Katrin Göring-Eckardt (Grüne)

„Wir haben unsere Ziele nicht erreicht.“ Nun müsse das Ergebnis „sehr ehrlich und klar“ analysiert werden, sagte die Spitzenkandidatin. Koalitionsgespräche mit der Union wollte Göring-Eckardt im ZDF nicht ausschließen. „Aber die Erfolgsaussichten dafür sehe ich nicht besonders groß.“

Rainer Brüderle (FDP)

„Die Arbeit der FDP wird auf jeden Fall weitergehen. Das ist nicht das Ende der Partei.“

Christian Lindner (FDP)

„Es ist die bitterste Stunde für die Liberalen seit Jahrzehnten. Ab Morgen muss die FDP neu gedacht werden.“

AfD-Chef Bernd Lucke

„Wir wissen bereits jetzt, dass die anderen Parteien gelernt haben, dass sie sich nicht alles erlauben können.“ Die AfD habe die Demokratie „ertüchtigt, nachdem es in den vergangenen vier Jahren soviel an Entartungen von Demokratie und Parlamentarismus“ gegeben habe.

Gregor Gysi

„Wer hätte 1990 gedacht, dass diese Partei drittstärkste politische Kraft in der Bundesrepublik wird?“

Linken-Parteichef Bernd Riexinger

„Wir werden den Mitgliedern der SPD sagen und den Wählern: 'Wenn Ihr wirklich soziale Politik machen wollt, aber weiterhin eine Zusammenarbeit mit der Linken ablehnt, dann werdet Ihr Eurer Programm nicht verwirklichen können.“

Andrea Nahles (SPD)

„Jetzt ist Frau Merkel am Zug.“

Der Euro notierte am Montagmorgen bei 1,3533 Dollar – fast unverändert. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel um wenige Basispunkte auf 1,938 Prozent. In Frankfurt lag der Dax am Morgen leicht im Plus bei 8699 Punkten. Auch der Eurostoxx 50 stieg um 0,2 Prozent auf 2935 Zähler.

Die Börsianer hatten nicht nur fest mit einem Wahlsieg Merkels gerechnet, sondern geradezu darauf gehofft. Bei einer Umfrage unter internationalen Investoren, die der Datenanbieter Bloomberg vor der Wahl durchführte, fiel das Ergebnis eindeutig aus: Etwa zwei Drittel der Befragten befürworteten den politischen Kurs der deutschen Bundeskanzlerin. Das war der beste Wert, den Merkel vorzuweisen hatte, seitdem die Frage im September 2010 erstmals gestellt wurde.

Die Ratingagentur Fitch erwartet auch unter einer neuen Koalition keine Änderungen in der deutschen Europapolitik. Es gebe in Deutschland eine breiten Konsens, dass die Euro-Krise durch fiskalpolitische und wirtschaftliche Reformen gelöst werden müsse. Eine Vergemeinschaftung von Schulden werde in Deutschland kritisch gesehen, konstatiert die Ratingagentur. Ein Auseinanderbrechen des Euros erwartet Fitch nicht mehr, warnt allerdings: Der Druck der Märkte könnte schnell wieder zunehmen, wenn Fortschritte auf sich warten lassen.

Der Vorwurf, die Bundesregierung treibe Europa durch ihr Spardiktat noch tiefer in die Rezession, scheint längst vergessen. Auch die Weigerung der deutschen Regierung, über gemeinsame Euro-Bonds nachzudenken, also über eine Verteilung der Schulden auf alle Euro-Länder, stört nicht weiter. Die Märkte gehen davon aus, dass Deutschland unter einer Regierung Merkel einen Großteil der Haftung für die Euro-Zone übernimmt. So oder so. Wenn nicht durch Euro-Bonds, dann auf andere Weise.

Kommentare (43)

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Account gelöscht!

23.09.2013, 10:45 Uhr

Eine Sorge weniger ...

"Merkel bleibt Kanzlerin – ganz so, wie es sich internationale Investoren gewünscht hatten."

mit diesem einfachen Satz ist alles zusammengefasst - wessen Interessen von der Politik vertreten werden - die der int. Investoren und nicht die der Bevölkerung. Und unser Souverain ist blind und wählt Merkel. Es fällt schwer nicht zynisch zu werden und der Hirnlosen deutschen Bevölkerung viel Spaß auf dem Weg in die totale Haftungsunion zu wünschen.

Widerstand

23.09.2013, 10:49 Uhr

Die "internationalen Investoren" freuen sich über die grenzenlose Dummheit der deutschen Opferlämmer, die jetzt ungehindert ausgeplündert werden können. Merkel wird mit der SPD die völlig "alternativlose" Eurorettung durchziehen. Die Steuern werden in Deutschland erhöht, um die Vermögen von Goldman Sachs und anderen zu "retten".

Dabei wird Deutschland mehr und mehr zu einer Dritt-Welt Bananenrepublik. Wer heute durch Berlin geht und das Stadtbild beispielsweise mit dem von Madrid oder gar Peking vergleicht, der weiss, wo heute die dritte Welt ist.

Mit 0,3% haben es die deutschen Lämmlein verpasst, zumindest ein Korrektiv in den Bundestag zu wählen. Die total unfähige FDP, ein verzerrter Schatten einer früher einmal liberalen Partei, hat immer noch zu viele Stimmen bekommen. Der Wirtschaftsflügel der CDU ist nicht existent. Marktwirtschaftler und Ordnungspolitiker sind in diesem Umverteilungs-Bundestag nicht mehr vertreten. Und das in einer der (noch) größten Volkswirtschaften der Welt. Mittel- bis langfristig ist dieses Ergebnis ein Desaster. Aber die Deutschen werden das erhalten, was sie gewählt und damit verdient haben: Weiterer Verfall der Infrastruktur, Verlust bzw. Entwertung ihres Vermögens (Lebensversicherungen, Altersrenten) und Abstieg in die Drittklassigkeit. Wie dumm kann man sein?

kai11

23.09.2013, 10:50 Uhr

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