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21.07.2011

18:52 Uhr

Markt-Reaktionen

Anleger feiern Gipfel-Entwurf

Bringt der Euro-Sondergipfel eine Lösung für Griechenland? Erste Ergebnisse des Gipfels sickerten am Donnerstag durch – und die Anleger reagierten positiv. Vor allem Bankaktien zogen an.

Die Zukunft der Euro-Zone steht in Brüssel auf dem Spiel. Quelle: dpa

Die Zukunft der Euro-Zone steht in Brüssel auf dem Spiel.

DüsseldorfDie Beschluss-Entwürfe des Euro-Sondergipfels sind an den Kapitalmärkten auf ein positives Echo gestoßen. Nachdem Aktien und der Euro am Vormittag nervös hin- und herschwankten, drehten die Märkte am Nachmittag klar ins Plus. Vor allem Bankaktien, allen voran die Titel der Commerzbank waren gefragt.

Laut dem Entwurf, der mehreren Nachrichtenagenturen vorliegt, soll Griechenland mit einem Bündel von Maßnahmen entlastet werden. Die Laufzeit der Hilfskredite für Griechenland soll von 7,5 auf 15 Jahre verlängert werden. Zudem sollen neue Hilfskredite durch den Europäischen Rettungsfonds EFSF vergeben werden, für die Griechenland einen sehr günstigen Zins von 3,5 Prozent zahlen soll.

Insgesamt soll der Rettungsfonds deutlich gestärkt werden. Künftig soll er nicht mehr nur in akuten Krisen helfen, sondern auch vorbeugend tätig werden können. Der Fonds soll die Kapitalbasis von Finanzinstitutionen durch Kredite an Regierungen stärken dürfen. Das könne die Möglichkeit betreffen, Euro-Ländern Kapital zugänglich zu machen, um Anleihen zurückkaufen zu können. Auch soll der Fonds künftig auf dem Sekundärmarkt selbst tätig werden, also Anleihen kaufen können.

Marktreaktionen im Überblick

Dax

Dax-Anleger mussten lange auf eine Entscheidung warten. Der Index legte erst zu, fiel dann deutlich zurück und erholte sich später wieder. Am Nachmittag haben die Bullen endgültig das Ruder übernommen, der Index steigt um mehr als ein Prozent auf gut 7.300 Punkte. Die Aktien von Commerzbank und Deutscher Bank sowie der Allianz führen die Gewinnerliste an, auf der Verliererseite finden sich Infineon nach schlecht aufgenommenen Intel-Zahlen sowie VW nach einem schwachen Ergebnis von Scania.

Devisenmarkt

Der Euro startete stark in den Tag, fiel dann wieder zurück. Mit Bekanntwerden des Beschlussentwurfes für den Gipfel zieht die Gemeinschaftswährung wieder deutlich an und steigt bis auf 1,4385 Dollar. Im Vergleich zum Tagestief ist das ein Plus von fast 2,5 Cent. Begünstigt wird die Entwicklung durch schwache Arbeitsmarktzahlen aus den USA, allerdings steigt der Wert des Euros auch im Vergleich zu anderen wichtigen Währungen deutlich.

Wall Street

Auch an der US-Börse herrscht gute Stimmung. Der S&P-500-Index gewinnt mehr als ein Prozent, obwohl die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe die Erwartungen verfehlten. Morgan-Stanley-Aktien gewinnen mehr als fünf Prozent. Neben dem positiven Klima für Banken insgesamt, beflügeln gute Quartalszahlen des Instituts den Kurs.

Börse Athen

Ein zweites Rettungsprogramm für Griechenland rückt in greifbare Nähe - kein Wunder, dass die Aktienkurse in Athen anziehen. Und auch kein Wunder, dass Banken die größten Gewinner sind. Die Papiere der National Bank of Greece gewinnen mehr als zehn Prozent, die der Konkurrenten gewinnen zwischen sechs und neun Prozent.

Börse Mailand

Die höchsten Gewinne in Europa erzielt der MIB-30-Index der Börse Mailand. Italien war als jüngstes Land in den Sog der Schuldenkrise geraten. Sorgen vor einer Ansteckung des Landes und eine drohende Zahlungsfähigkeit ließen die Aktienkurse abstürzen. Jetzt folgt - zumindest kurzfristig - die Erleichterungsrally. Größte Gewinner sind die Papiere der Großbanken Unicredit und Intesa Sanpaolo. Diese hatten in den vergangenen zwei Wochen aber auch am stärksten einstecken müssen.

Griechische Staatsanleihen

Ein "partieller Zahlungsausfall" für Griechenland ist weiter in der Diskussion, aber die Euro-Staaten kämpfen bis zuletzt dagegen und die schlimmsten Szenarien des Marktes dürften sich nicht bewahrheiten. Am Anleihemarkt macht sich daher so etwas wie Erleichterung breit. Die Rendite griechischer zehnjähriger Staatsbonds fällt um knapp einen Prozentpunkt auf 15,5 Prozent, zweijährige Papiere rentieren mit rund 31 Prozent fast vier Prozentpunkte niedriger als einen Tag zuvor. Auch die Prämien für Kreditausfallversicherungen gehen deutlich runter.

Peripherie-Anleihen

Die Erholung griechischer Staatsanleihen stellt alles in den Schatten, aber auch die Papiere anderer Krisenstaaten erholen sich deutlich. Die Rendite irischer zehnjähriger Anleihen fällt um 40 Basispunkte auf 12,1 Prozent, portugiesische Bonds mit gleicher Laufzeit werfen noch elf Prozent ab. Die Rendite für zehnjährige Anleihen aus Italien fällt auf 5,4, die auf spanische Papiere auf 5,8 Prozent.

Deutsche Staatsanleihen

Die höhere Risikobereitschaft der Anleger macht sich bei den als besonders sicher erachteten Bundesanleihen bemerkbar. Nach der Flucht in die Papiere der vergangenen Wochen, geben die Kurse jetzt nach. Die Rendite für zehnjährige Anleihen zieht auf 2,85 Prozent an, der Bund-Future verliert knapp ein Prozent auf 127 Punkte.

Goldpreis

Auch die Krisenwährung Gold lässt etwas Federn. Der Preis für die Feinunze fällt unter 1.600 Dollar. Dass es nicht weiter abwärts geht, liegt unter anderem am fallenden Dollar-Kurs. So hält sich Gold immerhin in der Nähe seines Rekordhochs bei 1609 Dollar. In Euro fällt der Rückschlag stärker aus. Für eine Unze müssen 1.110 Euro bezahlt werden. In der Spitze lag der Preis in der vergangenen Woche noch bei 1.145 Euro.

Ölpreis

Höhere Risikobereitschaft, stärkerer Dollar und die am Vorabend gemeldeten Rückgänge der US-Lagerbestände geben dem Ölpreis Auftrieb. Europäisches Brentöl klettert nahe an die Marke von 120 Dollar je Barrel heran, US-Öl der Sorte WTI kostet fast 100 Dollar.

Für die Beteiligung des Privatsektors an neuen Hilfen für Griechenland werden in dem Entwurf noch drei Optionen genannt: der Rückkauf von Anleihen, die Laufzeitverlängerung sowie der Anleihentausch. Unklar blieb zunächst, ob am Ende eine Einigung auf nur ein Modell der Privatsektor-Beteiligung geplant ist. Insgesamt könnten sich die Belastungen für den Privatsektor nach Berechnungen des Bankenverbandes IIF auf 17 Milliarden Euro summieren.

Eine Bankenabgabe, über die lange diskutiert worden war, ist nicht Teil des Rettungspakets. Unter anderem deshalb sprangen die Aktien europäischer Banken kräftig an. Die stärksten Ausschläge zeigten die Papiere der Commerzbank, die sich in der Spitze um fast zehn Prozent auf 2,75 Euro verteuerten. Die Aktien des Konkurrenten Deutsche Bank legten in Frankfurt drei Prozent zu.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

21.07.2011, 19:13 Uhr

Merkt keiner was das bedeutet? Dieser Tag ist richtungsweisend!

Der Steuerzahler übernimmt mit dieser Entscheidung unwiderruflich alle Schulden Griechenlands mit einem läppsichen Abschlag von 20% auf den Nominalpreis! Welcher Gläubiger wird da Nein sagen, wo jeder weiss das Griechenland pleite ist!

Und wenn die Gläubiger ihre Anleihen zum Marktwert bilanziert haben, dann ist das hier keine Gläubigerbeteiligung, sondern ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk!

Und dazu mussten unbedingt Sarkozy und Trichet vorher nochmal zur Krisensitzung nach Berlin anreisen? Was wird hier gespielt? Unglaublich!

Account gelöscht!

21.07.2011, 19:32 Uhr

ok, erst mal abwarten was tatsächlich beschlossen wird. noch ist nix verloren ;)

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