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29.06.2015

08:21 Uhr

Marktbericht Asien

Unsicherheit in Tokio, aber keine Panik

Die Eskalation um Griechenland beunruhigt die Aktienmärkte in Asien und in der Pazifikregion. Exportwerte belastet der steigende Wert des Yen. In China geht die Talfahrt der vergangenen Woche trotz Zinssenkung weiter.

Passanten gehen an einer Anzeigentafel mit den Aktienkursen der Börse Tokio vorbei. Reuters

Passanten vor Anzeigentafel mit Aktienkursen

Passanten gehen an einer Anzeigentafel mit den Aktienkursen der Börse Tokio vorbei.

TokioAsiens Finanzmärkte mussten als erste die Angst vor eine Pleite Griechenlands ausbaden. Am frühesten begann der Tag in Tokio: Binnen Minuten krachte der Nikkei-Index um mehr als 500 Yen nach unten – bis zum Handelsschluss am Montagmorgend deutscher Zeit verstärkte sich der Kursverfall. Doch angesichts der Nachrichten wirkte das Minus von 2,9 Prozent noch bescheiden. Denn offenbar glauben die Aktionäre den Volkswirten, die selbst bei einem Grexit keine Panik in Asien droht. Zwar wird es negative Auswirkungen geben, meint Frederic Neumann, Volkswirt der HSBC in Hongkong. „Aber es schwer vorstellbar, dass die Tumulte in Griechenland akuten finanzielle Stress auslösen würden.“ 

Der Grund für die relative Gelassenheit: Zwar erhöht das Drama um Griechenland die Unsicherheit just zu einem Zeitpunkt, als die Exporte aus Asien nach Europa endlich wieder zu steigen beginnen. Zudem erscheint auch China nicht mehr in der Lage, die Region und die Welt fast im Alleingang aus jedem Schlamassel ziehen zu können. Doch die Länder der Region sehen haben ihre Hausaufgaben gemacht. „Im Gegensatz zu früheren Episoden, in denen die Angst vor Ansteckung in Asiens aufstrebende Märkte um sich griff, besitzen die meisten asiatischen Länder komfortable Währungsreserven als Puffer“, meint Neumann. 

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Selbst im Falle eines Grexit und Ansteckungserscheinung auf Europas Peripherie rechnet Rajiv Biswas, Chefvolkswirt von IHS Global Insight daher nur mit Wachstumseinbussen von 0,3 Prozentpunkten – im Jahr 2016. Und das Hauptproblem wäre für sie weniger die Angst der Anleger um ihre finanzielle Gesundheit oder die Nachfrage aus Europa, sondern der Einfluss der Wechselkurse. Wenn die Anleger risikoscheuer werden und ihre Gelder aus Europa und schwachen Ländern abziehen und in den vermeintlich sicheren Hafen USA und Japan verschieben würden, könnte der Euro und andere betroffene Währungen abrutschen und Dollar und Yen steigen. 

Ein Großteil der Länder wäre vielleicht kaum betroffen. Indien beispielsweise hat höhere Reserven als 2013, dem Jahr, als die US-Notenbank Fed eine Drosselung ihrer ultraexpansiven Geldpolitik ankündigte und damit für Kapriolen in Asien sorgte. Auch Korea, Taiwan, Thailand und die Philippinen stehen solide da. Am anfälligsten sind noch Indonesien und Malaysia, meinen die Volkswirte.

Die indonesische Rupie und der malaisische Ringgit hat bereits abgewertet, weil sich Inestoren über das langsamere Wachstum und die Leistungsbilanzen der Länder sorgen. Zudem sind in beiden Ländern ausländische Investoren in Aktien- und Anleihemärkten stark vertreten. Aber auch die Schwäche dieser Länder ist nur relativ, gibt Neumann zu bedenken. Denn Indonesiens Schulden liegen nur bei 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Und Malaysia habe seine Handelsbilanz wieder stabilisiert und kann auf Währungs-Swaps zurückgreifen, um sich zu verteidigen. 

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Auch die japanische Wirtschaft sieht die griechische Tragödie mit nur einem weinenden Auge. "Der Einfluss auf japanische Firmen wird nur sehr klein sein", ist Kobayashi Yoshimitsu, Vorsitzender des Unternehmerverbands Keizai Doyukai und des Chemieriesen Mitsubishi Chemical. 

Ein Grund ist für ihn, dass die griechische Wirtschaft nur sehr klein ist. "Ich erwarte, dass die Märkte sich unabhängig vom Ergebnis des Referendums beruhigen werden", meint Kobayashi. Außerdem setzt er darauf, dass andere Länder wie Italien und Spanien sich erholen und sich auch künftig nicht von der Unsicherheit anstecken werden. 

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