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15.01.2009

17:50 Uhr

Marktbericht: Börse Frankfurt

Bankaktien reißen den Dax nach unten

Die Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank konnte den Aktienmarkt nicht beflügeln. Banktitel belasteten die Börse. Der Dax fiel am Donnerstag fast um hundert Punkte.

Der Blick auf die Kurstafel an der Frankfurter Börse ist zurzeit deprimierend. Der Dax kennt seit Tagen nur eine Richtung: abwärts. Foto: dpa dpa

Der Blick auf die Kurstafel an der Frankfurter Börse ist zurzeit deprimierend. Der Dax kennt seit Tagen nur eine Richtung: abwärts. Foto: dpa

HB FRANKFURT. Nach der Zinssenkung durch die Europäischen Zentralbank (EZB) und den jüngsten US-Konjunkturdaten hat der Dax am Donnerstag den siebten Tag in Folge mit Verlusten beendet. Marktteilnehmer verwiesen auf die insgesamt schlechte Stimmung sowie zum Teil deutliche Kursverluste an den US-Börsen. Der Leitindex schloss 1,94 Prozent tiefer bei 4 336,73 Punkten. Der MDax mittelgroßer Werte gab 1,07 Prozent ab auf 5 068,38 Zähler nach. Lediglich der TecDax verbuchte Gewinne und ging mit einem Plus von 0,97 Prozent bei 460,26 Zählern aus dem Handel.

"Die Zinssenkung sowie die anschließenden Kommentare von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet waren keine Überraschung für den Markt" sagte sagt Herbert Perus, Leiter des Aktienteams bei Raiffeisen Capital Management in Wien. Die Stimmung sei "grottenschlecht", man blicke in einen tiefen Abgrund, erklärte der Experte weiter. Die Europäische Zentralbank (EZB) senkte den Leitzins für den Euroraum wie erwartet zum vierten Mal in Folge. Der wichtigste Leitzins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld wird um 0,5 Prozentpunkte auf 2,00 Prozent reduziert. Bereits im Dezember hatte die EZB ihren Leitzins um 0,75 Prozentpunkte gesenkt.

Positive Daten kamen hingegen aus den USA. Dort stieg die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der abgelaufenen Woche nicht so stark wie erwartet. Zudem hellten sich die Geschäftsaussichten im Verarbeitenden Gewerbe im US-Bundesstaat New York im Januar überraschend auf. Der Empire-State-Manufacturing-Index stieg von revidiert minus 27,88 (25,8) Punkten im Vormonat auf minus 22,20 Punkte. Volkswirte hatten mit einer weitaus moderateren Erholung auf minus 25,0 Punkte gerechnet.

Im Dax brachen die Aktien der Postbank erneut drastisch ein und sackten erstmals unter zehn Euro. Sie markierten beim Stand von 9,35 Euro zwischenzeitlich ein neues Rekordtief. Sie schlossen mit einem Minus von 18,73 Prozent bei 9,63 Euro am Dax-Ende. Nachdem sich die Deutsche Bank mit der Post tags zuvor auf neue Bedingungen zur Übernahme der Post-Tochter geeinigt hatten, äußerten sich nun Analysten negativ zu dem Papier. JPMorgan hatte die Papiere von "Neutral" auf "Underweight" abgestuft und das Kursziel von 16,50 auf 6,00 Euro reduziert. Die Neuregelung des Anteilsverkaufs der Postbank zwischen der Deutschen Post und der Deutschen Bank sei negativ für Postbank-Investoren, schrieb Analystin Francesca Tondi in einer Studie vom Donnerstag. So biete das Geschäft keine echte Wertsteigerung und berge ein signifikantes Abwärtsrisiko für die Bank.

Infineon Technologies gehörten mit minus 6,15 Prozent auf 0,840 Euro ebenfalls zu den Schlusslichtern im DAX. Händler und Analysten verwiesen auf die Zahlen von ASML Holding . Der niederländische Chipindustrie-Ausrüster hat nach einem Verlust im vierten Quartal den Umsatzausblick für die ersten drei Monate 2009 erneut gesenkt. Zudem werden von Februar an wegen der Krise in der Halbleiterbranche rund 1.800 Mitarbeiter des Dresdner Infineon-Werkes in Kurzarbeit geschickt.

Der Kurs der Deutschen Bank konnte sich gegen den schwachen Branchentrend nicht stemmen. Sowohl an den übrigen europäischen Börsen als auch in den USA gehörten Bankaktien zu den größten Verlierern. Zuvor war bekannt geworden, dass Vorstandschef Josef Ackermann am Vorabend im Krankenhaus war. Ackermann habe sich nach einem Schwächeanfall untersuchen lassen, hieß es von Seiten der Bank. Auslöser sei vermutlich ein Essen gewesen. Der Aktienkurs hatte im Tagesverlauf kurzzeitig im Plus gelegen. Die Titel schlossen um 6,00 Prozent tiefer bei 20,76 Euro.

Autowerte wurden von einer Branchenstudie der Citigroup bewegt. Daimler sackten um 4,29 Prozent auf 23,770 Euro. BMW gaben mit 2,37 Prozent auf 19,60 Euro weniger deutlich nach. Die Analysten rechnen damit, dass die Gewinne europäischer Autobauer 2009 schwinden. Dennoch sei BMW der bevorzugte deutsche Wert - die Einstufung wurde von "Sell" auf "Buy" angehoben. Daimler stuften die Experten hingegen von "Buy" auf "Hold" ab und verwiesen zur Begründung auf die Entwicklung im Lkw-Geschäft. Der Rückgang der Pkw-Neuzulassungen im vergangenen Jahr sollte Händlern zufolge unterdessen bereits eingepreist sein - der Fokus liege nun auf dem laufenden Jahr.

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