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08.01.2009

07:56 Uhr

Marktbericht: Börse Tokio

Nikkei sackt deutlich ab

Die Serie ist gerissen. Nachdem der japanische Leitindex Nikkei sieben Handelstage hintereinander mit Gewinnen abgeschlossen hatte, folgt an Tag acht die Ernüchterung. Besonders heftig erwischte es die Aktien der Technologie-Unternehmen.

Kein guter Handelstag an der Börse in Tokio. Foto: Reuters Quelle: Reuters

Kein guter Handelstag an der Börse in Tokio. Foto: Reuters

HB TOKIO/HONGKONG. Die Börsen in Asien haben am Donnerstag herbe Verluste hinnehmen müssen. Mit Wucht verdrängten neue Konjunktursorgen den aufkeimenden Optimismus, der die Aktienmärkte in Fernost zu Jahresbeginn noch beflügelt hatte. In Tokio fiel der Nikkei-Index um fast vier Prozent und schlug sich damit noch besser als die Börse in Taiwan. Dort stürzte das Kursbarometer nach Meldungen über einen Rekordeinbruch der Exporte im Dezember mehr als fünf Prozent in die Tiefe. Überall schockierte eine neue Serie von Hiobsbotschaften aus den USA die Anleger, vor allem der wohl größte Abbau von Arbeitsplätzen seit fast 60 Jahren.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss in Tokio 3,9 Prozent im Minus bei 8876 Zählern. Der breiter gefasste Topix-Index verlor 3,1 Prozent auf 860 Punkte. Die Börse in Taiwan büßte 5,3 Prozent ein. Auch die Aktienmärkte in Korea, Shanghai, Hongkong, Singapur und Australien gaben deutlich nach.

Das Ende der Rally zu Jahresbeginn wurde durch schlechte Nachrichten ausgelöst, die binnen 24 Stunden nur so auf den Markt einprasselten. Eine Flaute in so ziemlich allen Branchen von der Bekleidungs- bis hin zur Computerindustrie zwang eine Reihe von Unternehmen zu pessimistischen Prognosen, darunter der Chiphersteller Intel, der Computerproduzent Lenovo und die Einzelhandelskette Marks & Spencer.

Doch vor allem der US-Arbeitsmarkt machte den Anlegern Sorgen. Nach einer Erhebung der privaten Arbeitsagentur ADP nahm die Zahl der Jobs in der Privatwirtschaft im Dezember um fast 700 000 Stellen ab. Experten hatten mit einem Minus von 500 000 Jobs gerechnet. Damit steuern die USA wohl auf den größten Abbau von Arbeitsplätzen seit fast 60 Jahren zu. Klarheit gibt es am Freitag, wenn die US-Regierung die offiziellen Zahlen vorlegt. Schon am Mittwoch wurde in Deutschland ein ebenfalls alarmierender Trend gemeldet, denn zum ersten Mal seit März 2005 war die Arbeitslosenrate konjunkturbedingt wieder gestiegen.

"Die ganze Zeit hieß es, dass der Markt schlechte Wirtschaftsdaten und schwache Unternehmenszahlen schon einkalkuliert hat", sagte Nagayuki Yamagishi von Mitsubishi UFJ Securities in Tokio. "Aber jetzt wird klar, dass das nicht stimmte." Jetzt sei möglicherweise die echte Rezession zu spüren. "Der Anstieg der Weltmärkte zur Jahreswende könnte deshalb tatsächlich auf einer Fehleinschätzung beruht haben." Eine ähnlich düstere Einschätzung gab auch Lucinda Chan von Macquarie Equities in Australien ab: Bis vor kurzem habe es noch etwas Hoffnung gegeben, dass sich die Weltwirtschaft schnell erholen könnte. "Aber die Realität ist, dass es an den Märkten noch immer eine Menge Probleme gibt."

Unter Druck gerieten vor allem Technologiewerte, nicht zuletzt weil der Chipproduzent Intel seine Umsatzprognose für das vierte Quartal zum zweiten Mal nach unten korrigierte. In Tokio lastete vor allem Kyocera mit einem Minus von 6,7 Prozent auf dem Nikkei. Doch auch der Chipausrüster Tokyo Electron stand auf der Verkaufsliste der Händler und verlor fast 13 Prozent. In Südkorea wurden verstärkt Aktien von Samsung Electronics abgestoßen, der Kurs fiel um mehr als drei Prozent. Lenovo-Aktien brachen in Hongkong fast 22 Prozent ein. In Tokio war Mitsubishi Motors einer der wenigen Lichtblicke. Der Autobauer liefert Elektrofahrzeuge an die französische PSA Peugeot Citroen-Gruppe und wurde an der Börse mit einem Kursplus von 3,6 Prozent belohnt. In New York hatte am Mittwoch der Dow-Jones-Index der Standardwerte 2,7 Prozent auf 8 769 Punkte verloren. Der breiter gefasste S&P-500-Index schloss bei 906 Punkten, drei Prozent schwächer. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 3,2 Prozent auf 1 599 Punkte.

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