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22.05.2013

08:08 Uhr

Marktbericht

Euro vor Bernanke-Rede stabil

Mit der Anhörung des US-Notenbankchefs im Kongress und dem Zinsentscheid der Bank of Japan stehen wichtige Termine an. Doch nach einem ruhigen Start im Frühhandel zeigt sich der Euro auch an der Börse in Frankfurt stabil

Wenn sich der Chef der US-Notenbank zur Zinspolitik äußert, wird das an den Börsen – etwa hier in New York – aufmerksam beobachtet. dapd

Wenn sich der Chef der US-Notenbank zur Zinspolitik äußert, wird das an den Börsen – etwa hier in New York – aufmerksam beobachtet.

Frankfurt/ TokioNachlassende Spekulationen auf eine baldige Straffung der US-Geldpolitik haben den Dollar am Mittwoch etwas geschwächt. Zum Euro gab die US-Währung um 0,2 Prozent nach, so dass die Gemeinschaftswährung bei 1,2930 Dollar gehandelt wurde. Zu einem Korb aus sechs Währungen verlor der Dollar 0,15 Prozent. Die Nachfrage nach den als sicher geltenden Bundesanleihen zog an; der richtungsweisende Bund-Future stieg um 34 Ticks auf 144,67 Zähler.

Im Fokus der Investoren steht eine Anhörung von Fed-Chef Ben Bernanke vor dem US-Kongress am Nachmittag um 16 Uhr. Zudem wird das Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung veröffentlicht. Anleger erhoffen sich neue Hinweise auf den weiteren geldpolitischen Kurs der weltgrößten Volkswirtschaft.

In den vergangenen Tagen hatte der Präsident der Notenbank von San Francisco, John Williams, Spekulationen über einen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik angeheizt. Er hatte darüber gesprochen, dass die massiven Anleihekäufe der Zentralbank möglicherweise noch in diesem Jahr zurückgefahren werden könnten. Doch der Fed-Chef von St. Louis, James Bullard, und der Präsident der New Yorker Notenbank, William Dudley, nahmen diesen Spekulationen am Dienstag Wind aus den Segeln.

Die Fed solle nach Ansicht von Bullard weiterhin Anleihen erwerben, jedoch die Geschwindigkeit der Käufe den neusten Konjunkturdaten anpassen. Dudley machte das weitere Vorgehen der Notenbank davon abhängig, wie die US-Wirtschaft auf Sparmaßnahmen der Regierung und Steuererhöhungen reagiert. Investoren interpretierten die Äußerungen als ein Signal, dass das laufende Anleihen-Kaufprogramm nicht vorzeitig verringert wird.

Die wichtigsten Fragen zum Börsenjahr 2013

Kann ich mit sicheren Anlagen die Inflationsrate schlagen?

Nein. Und das dürfte vorerst auch so bleiben, weil Zentralbanken und Regierungen die Zinsen unten halten. Nur so können sie vermeiden, dass Staaten von den Schulden erdrückt werden. Wer die Inflation schlagen will, muss begrenzt Risiken eingehen. Mit Aktien zum Beispiel.

Soll ich mein Eigenheim jetzt sanieren

Wann, wenn nicht jetzt? Zehnjähriges Baugeld gibt’s für 2,5 Prozent, von der staatlichen KfW für eine neue Heizung oder ein gedämmtes Dach sogar ab einem Prozent. Auch der Einsatz von Erspartem lohnt: Auf der Bank bringt es kaum Zinsen, und Investitionen für Dämmung und Heizung schützen gut vor Inflation. Die wird stark von Öl-, Gas- und Strompreisen getrieben. Und: Maßnahmen, die Erhalt und Modernisierung dienen, steigern den Wiederverkaufswert.

Fällt der Garantiezins meiner Lebensversicherung

Am Garantiezins aus alten Verträgen kann die Finanzaufsicht nur im Notfall rütteln. Wer neu abschließt, bekommt 1,75 Prozent auf Beiträge garantiert, nach Abzug von Provision und Kosten. Der Garantiezins orientiert sich an der Rendite von AAA-Anleihen im Schnitt der vergangenen zehn Jahre (zuletzt 3,7 Prozent). 60 Prozent davon können sich Versicherer als Garantiezins noch leisten – etwa 2,2 Prozent. Noch bleibt Luft.

Ist es Zeit, Schwarzgeld zu legalisieren?

Das Schweizer Bankgeheimnis ist praktisch erledigt, weitere Steuer- CDs können durchaus noch in die Hände der Finanzbehörden geraten. Und: Per Selbstanzeige kommen Steuerhinterzieher relativ milde davon. Das muss aber nicht so bleiben. Nebenbei: Was passiert, wenn Bürger ihre Steuern nicht zahlen, lässt sich in Griechenland besichtigen.

Soll ich mein Vermögen zu Lebzeiten schon verschenken?

Jedes Elternteil darf jedem Kind alle zehn Jahre bis zu 400.000 Euro steuerfrei schenken. Schön fürs Kind: Es bekommt das Elternhaus schon zu deren Lebzeiten und spart Steuern. Wer seine Villa nur steueroptimiert übertragen, aber selbst noch bewohnen will, sollte vorsichtshalber ein Nießbrauchsrecht eintragen lassen. Mit Kindern kann man sich zer- streiten, Verschenktes aber nur bei „grobem Undank“ zurückfordern. Die Hürden dafür aber sind hoch.

Ist mein Geld auf der Bank sicher?

Käme eine deutsche Bank oder Sparkasse in Schieflage, müssten zunächst die Einlagensicherungs-systeme der Geldhäuser die Sparer entschädigen. Doch klar ist: Bei Pleite einer sehr großen Bank oder einer Kettenreaktion wären die Töpfe schnell leer. Unabhängig davon garantiert daher seit Ende 2010 das Gesetz pro Kopf und Bank 100.000 Euro; wer mehr hat, sollte das Geld also auf mehrere Banken verteilen.

Droht ein Aktiencrash?

Eher nicht. Aktien sind, gemessen an der global schwachen Konjunktur und der Euro-Krise, zwar schon recht weit gelaufen. Und Aktienkurse zieht es nach unten, wenn die Wirtschaft darbt. Aber Investoren suchen Rendite. Sichere Staatsanleihen bringen zu wenig. Aktien solide geführter Konzerne mit guten Dividenden rentieren höher als Anleihen der Unternehmen. Wer Geld übrig hat, steckt einen Teil in solide Aktien.

Soll ich in Währungen außerhalb des Euro investieren?

Die goldene Regel heißt: Setze nie alles auf eine Karte. Das gilt auch für Währungen. Problem: Die Fluchtwährungen, allen voran der Schweizer Franken, sind schon sehr teuer. Ein paar norwegische, schwedische oder kanadische Staatsanleihen aber können Sie Ihrem Depot ruhig beimischen.

Wie sichere ich meine Kinder ab?

Indem Sie sicherstellen, dass sie etwas bekommen, wenn Ihnen etwas zustößt: Unerlässlich ist eine Risikolebensversicherung, für etwa 30 Euro monatlich gibt es im Todesfall 250 000 Euro. Dazu regelmäßig eine feste Summe ansparen, am besten in Aktien für ein Kinderdepot. Vorsichtige schließen noch eine Kinder-Invaliditätsversicherung ab, die greift weiter als eine Unfallpolice.

Soll ich jetzt Schulden machen?

Kredite sind billig, Konsum kurbelt die Wirtschaft an. Ist Ihr Job sicher, kaufen Sie sich was Schönes, viel Zinsen gibt es sowieso nicht. Bei Immobilien gilt: Auch Niedrigzins-Kredite müssen verlängert und zurückgezahlt werden. In zehn Jahren können die Zinsen viel höher sein. Wer zu wenig tilgt, ist bis zur Rente nicht schuldenfrei. Baukredite also nur so hoch ansetzen, dass Sie die Rückzahlung in einem vernünftigen Zeitraum stemmen können.

Soll ich meine Immobilie verkaufen?

Die Preise sind hoch, eigentlich ein guter Zeitpunkt. Aber die Euro-Krise ist nicht gelöst, Sachwerte bleiben gefragt. Wer verkaufen will, braucht vor allem aber einen Plan, wie er das Geld anlegt. Wer es nur auf dem Sparbuch parken möchte, sollte seine vermietete Wohnung behalten. Das gilt erst recht für das Eigenheim – so man sich wohl darin fühlt.

Soll ich Gold kaufen?

Im Zweifel ja. Wer Gold als Währung betrachtet, kann Papier immer in Edelmetall tauschen, egal, zu welchem Preis. So gesehen ist Gold das einzige Tauschmittel, das Inflation und Währungsreform überlebt hat. Wer davor Angst hat, kauft Gold – als Versicherung.

Gibt es sicheres Tagesgeld für mehr als zwei Prozent Zins?

Kaum. Solange die EZB Banken Geld für 0,75 Prozent gibt, müssen nur kapitalschwache Institute für zwei bis drei Prozent Geld sammeln. Oft greift dann nur die ausländische Einlagensicherung. Bei Pleiten wird es mühsam, an sein Geld zu kommen.

Soll ich in Oldtimer, Kunst, Uhren oder Wein investieren?

Klar doch, wenn Sie Spaß daran haben – und etwas davon verstehen. Die Angst vor Inflation treibt die Preise von Sachwerten, auch von schönen, nutzlosen, wie Cézanne und Mercedes SL. Aber Vorsicht: Laien werden von Experten übervorteilt. Lassen Sie sich unabhängig beraten, auch wenn das erst mal Geld kostet.

Der Euro zeigte sich den gesamten am Mittwoch vor der mit Spannung erwarteten Rede von US-Notenbankchef Ben Bernanke stabil. Zur Börsenöffnung in Frankfurt kostete die Gemeinschaftswährung 1,2910 US-Dollar und damit in etwa so viel wie am Vorabend. Ein Dollar war 0,7745 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstagmittag auf 1,2866 (Montag: 1,2853) Dollar festgesetzt.

Da die Investoren bisher darauf vertrauen, dass die Fed ihre lockere Geldpolitik und ihre Strategie der massiven Anleihenkäufe beibehält, standen die Kurse im frühen Devisenhandel in Fernost schon recht hoch, auch der Euro hatte am Morgen zugelegt. Die Gemeinschaftswährung war für 1,2924 Dollar zu haben nach 1,2904 Dollar im späten Handel in New York.

Es wird auch erwartet, dass Japans Zentralbank an ihrer lockeren Geldpolitik festhält. Zum Yen hielt sich der Greenback nahezu unverändert um 102,50 Yen. Er gab damit gegenüber dem Frühhandelskurs nur leicht nach – ein Dollar war damals 102,58 Yen wert, während der Euro bei 132,55 Yen rangierte. Ein Euro wurde zudem zu 1,2528 Schweizer Franken, ein Dollar zu 0,9694 Franken getauscht.

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