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17.01.2008

18:26 Uhr

Marktbericht Frankfurt

Dax kann Talfahrt nicht stoppen

Die Angst vor einer Rezession in den USA hat den deutschen Aktienmarkt am Donnerstag erneut eingeholt und Ansätze für eine Erholung im Keim erstickt. Der Dax ging nur knapp über der Marke von 7 400 Punkten aus dem Handel. Zuvor hatte Fed-Chairman Ben Bernanke in einer Rede vor dem Kongress ein düsteres Bild der US-Wirtschaft gezeichnet.

Schnell war es mit der Erholung wieder vorbei. Foto: dpa dpa

Schnell war es mit der Erholung wieder vorbei. Foto: dpa

HB FRANKFURT. Der deutsche Aktienmarkt ist am Donnerstag uneinheitlich aus dem Handel gegangen. Der Dax sank um 0,78 Prozent auf 7 413,53 Zähler und setzte damit seine am Dienstag begonnene Talfahrt fort. Für den MDax ging es um 0,88 Prozent auf 8 455,09 Punkte nach unten. Der TecDax rückte hingegen um 0,71 Prozent auf 815,78 Zähler vor.

Aktienhändler Fidel Helmer von der Privatbank Hauck und Aufhäuser zufolge habe der Dax nur bis zum späten Mittag von einer technischen Erholung profitieren können. Am Nachmittag hätten dann viele Anleger den "grottenschlecht ausgefallen Philadelphia-Fed-Index" zum Anlass genommen, sich von Standartwerten zu trennen.

Der Index fiel von minus 1,6 Punkten im November auf minus 20,9 Punkte und signalisiert damit laut Händlern einen deutlichen Rückgang der Wirtschaftsaktivität in der Region Philadelphia. Auch Bernanke konnte die Stimmung nicht aufhellen. Der Ausblick habe sich weiter verschlechtert, die Abwärtsrisiken für das Wachstum hätten sich verstärkt, sagte der Fed-Chef. Auch die Lage auf den Finanzmärkten bleibe fragil. Zugleich bekräftigte er seine Bereitschaft zu „substanziellen Schritten“, um einer drohenden Rezession entgegenzuwirken.

Analysten werteten dies als Indiz dafür, dass die Fed den Leitzins bei ihrer Sitzung Ende des Monats sogar um 75 Basispunkte senken könnte.Derzeit liegt der Leitzins bei 4,25 Prozent. Die Aussicht auf eine kräftige Zinssenkung konnte die Märkte aber nicht stimulieren. „Es hat sich bestätigt, was wir alle denken, nämlich dass die US-Wirtschaft sich schnell in eine Rezession dreht“, sagte Analyst Greg Salvaggio von Tempus Consulting.

BMW -Aktien gaben 3,27 Prozent auf 38,70 Euro ab. Die Titel hätten wichtige Orientierungsmarken nach unten durchbrochen, was technisch orientierte Anleger zu Verkäufen veranlasst habe, sagte ein Händler. Papiere des Branchenkollegen Daimler sanken um 3,55 Prozent auf 54,59 Euro.

Titel von Großbanken präsentierten sich den Tag über uneinheitlich und schwankungsanfällig: Deutsche Bank-Aktien verloren 0,96 Prozent auf 80,82 Euro, und Papiere der Commerzbank sackten um 3,57 Prozent auf 21,90 Euro ab. Grundsätzlich sei die Situation in der Finanzbranche weiterhin unsicher, sagte ein Händler. Niemand wisse genau über die Auswirkungen der Kreditkrise in den USA Bescheid. Die Deutsche Bank bestätigte darüber hinaus Medienberichte über einen Abbau von weltweit 300 Stellen im Investmentbanking im Zuge der anhaltenden Finanzmarktkrise. Postbank -Titel weiteten ihre Vortagesverluste um 2,87 Prozent auf 56,52 Euro aus.

Adidas-Papiere stiegen um 0,20 Prozent auf 40,89 Euro. Börsianer verwiesen auf die von dem Sportartikelhersteller bekräftigte Prognose für das Geschäftsjahr 2008. Danach solle der Umsatz im hohen einstelligen Prozentbereich wachsen und der Nachsteuergewinn stärker gesteigert werden als in 2007.

Aktien von Infineon Technologies setzten sich mit einem Kursgewinn von 5,12 Prozent auf 6,77 Euro an die Dax-Spitze. Nach Einschätzung eines Händlers dürfte damit zumindest kurzfristig die bereits mehrere Monate andauernde schwache Entwicklung des Titels zu Ende sein.

Im MDax sprangen Gildemeister -Titel nach massiven Vortagesverlusten um 11,07 Prozent auf 11,94 Euro an. Das gesamte Ausmaß der Untersuchungen bei Gildemeister sei derzeit schwer abzuschätzen, sagte equinet-Analyst Holger Schmidt mit Blick auf Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen den Vorstandsvorsitzenden. Er rate zur Zurückhaltung, erwarte aber grundsätzlich eine Fortsetzung des positiven Geschäftstrends im laufenden Jahr.

Dagegen rutschten Aktien von Pfleiderer nach einer Telefonkonferenz gegen den Trend um 4,50 Prozent auf 13,15 Euro ab. Die Pfleiderer -Familie habe kein Interesse, ihren Anteil zu verkaufen, sagte Vorstandschef Hans Overdiek in einer Telefonkonferenz. Overdiek sehe einen Buy-Out kritisch und ziehe die Unabhängigkeit vor. "Das dämpft die Übernahmefantasie", sagte ein Händler. Am Indexende verloren die Papiere von Heidelberger Druckmaschinen 8,05 Prozent auf 16,91 Euro. Händler verwiesen auf Gerüchte, wonach die Allianz sich von ihrem 12,96-prozentigen Anteil an dem Druckmaschinenhersteller getrennt habe.

Bechtle -Titel stiegen im TecDax im Kielwasser eines positiven Analystenkommentars um 3,36 Prozent auf 23,72 Euro an. Die WestLB hat die Aktien des IT-Handelsunternehmens nach dem jüngsten Kurssturz von "Add" auf "Buy" hochgestuft. Das Kursziel senkte Analyst Wolfgang Fickus von 33,5 auf 28,5 Euro. An der Indexspitze gewannen Aktien von Nordex 8,67 Prozent auf 25,70 Euro. Die Titel seien weiter auf Erholungskurs, hieß es am Markt.

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