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11.07.2011

17:59 Uhr

Marktbericht Frankfurt

Schuldenkrise lässt Aktienmarkt einbrechen

Zunehmende Sorgen um eine Ausweitung der Schuldenkrise auf Italien ließen den Dax und insbesondere europäische Bankenwerte am Montag abstürzen. Die Bundesregierung versuchte dagegenzuhalten.

Börse Frankfurt: Die enormen Kursverluste bauten sich langsam aber sicher aus. Quelle: dpa

Börse Frankfurt: Die enormen Kursverluste bauten sich langsam aber sicher aus.

FrankfurtNachdem der Dax bereits mit hohen Verlusten von 0,8 Prozent geöffnet hatte, baute er die Verluste im Laufe des Handels immer weiter aus. Schließlich schloss er mit enormen Abschlag von 2,33 Prozent auf 7.230 Punkte. Für den MDax ging es 2,31 Prozent auf 10.813 Punkte nach unten, während der TecDax ein Minus von 2,36 Prozent auf 877 Punkte zu Handelsschluss verzeichnete. Als Begründung wurden in erster Linie die Sorgen um eventuelle Hilfen für Italien aus dem EU-Rettungsschirm angebracht. Die Bundesregierung versuchte mit Vertrauensbekundungen Italien gegenüber vergeblich den Gerüchten den Wind aus den Segeln zu nehmen. „Der Markt ist hochnervös“, sagte Jochen Intelmann, Chefvolkswirt von der Hamburger Sparkasse. Zum einen werde diskutiert, ob nun auch noch Italien Hilfe benötige, zum anderen sei das US-Schuldenproblem nach wie vor ungelöst.

Neben dem italienischen Bankenindex sackte auch der griechische auf den tiefsten Stand seit 15 Jahren ab. Weiterhin nannten Händler die andauernde Belastung durch den schlechten Arbeitsmarktbericht des USA vom letzten Freitag als weitere Ursache der Kursverluste. Schließlich belaste auch die weiter anhaltende Inflation in China die Märkte. Unter Druck geriet ebenfalls der Euro. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am späten Nachmittag mit 1,4032 US-Dollar gehandelt.

„Niemand weiß, wo das noch enden wird und wann der nächste Domino-Stein fällt. Aber man kann die Investoren nicht vom Spekulieren abhalten“, erklärte Aktienstratege Jeremey Batstone-Carr vom britischen Brokerhaus Charles Stanley. EU-Ratspräsident Herman van Rompuy haben am Montagnachmittag ein Sondertreffen gehalten, an dem unter anderem auch EZB-Chef Jean-Claude Trichet teilnahm. Dabei ging es nicht nur um ein zweites Hilfspaket für Griechenland, sondern auch um die Gefahr einer Ausweitung der Schuldenkrise auf Italien.

Italien im Strudel der Schuldenkrise: Euro und Dax sacken ab

Video: Italien im Strudel der Schuldenkrise: Euro und Dax sacken ab

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Die Bundesregierung habe „volles Vertrauen, dass die italienische Regierung die notwendigen klaren Entscheidungen für einen Sparhaushalt treffen wird“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Deswegen seien darüber hinausgehende Spekulationen „ganz unangebracht“. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat Spekulationen über eine Aufstockung des Euro-Rettungsschirms, wegen der Probleme Italiens dementiert. „Davon kann überhaupt keine Rede sein“, sagte Schäuble vor Beginn eines Treffens der Euro-Finanzminister in Brüssel.

Einem Zeitungsbericht zufolge forderte die EZB zum Schutz von Italien eine deutliche Aufstockung des Euro-Rettungsschirms. „Da wäre schon ein großer Befreiungsschlag vonnöten, um diese Spekulationen zu beenden. Aber wo soll das herkommen?“, fragte ein weiterer Börsianer in Frankfurt.

Wie verschuldet ist Europa?

Griechenland

Staatsverschuldung: 152 % des BIP (2011); Haushaltsdefizit: 7,4 % des BIP (2011); Rating: CCC (S&P), Caa1 (Moody's), B+ (Fitch)

Irland

Staatsverschuldung: 114 % des BIP (2011); Haushaltsdefizit: 10,8 % des BIP (2011); Rating: BBB+ (S&P), Baa3 (Moody's), BBB+ (Fitch)

Portugal

Staatsverschuldung: 90,5 % des BIP (2011); Haushaltsdefizit: 5,6 % des BIP (2011); Rating: BBB- (S&P), Baa1 (Moody's), BBB- (Fitch)

Spanien

Staatsverschuldung: 64 % des BIP  (2011); Haushaltsdefizit: 6,2 % des BIP (2011); Rating: AA (S&P), Aa2 (Moody's), AA+ (Fitch)

Italien

Staatsverschuldung: 120 % des BIP  (2011); Haushaltsdefizit: 4,3 % des BIP (2011); Rating: A+ (S&P), Aa2 (Moody's), AA- (Fitch)

Belgien

Staatsverschuldung: 97 % des BIP  (2011); Haushaltsdefizit: 3,9 % des BIP (2011); Rating: AA+ (S&P), Aa1 (Moody's), BB+ (Fitch)

Deutschland

Staatsverschuldung: 80 % des BIP  (2011); Haushaltsdefizit: 2,4 % des BIP (2011); Rating: AAA (S&P), Aaa (Moody's), AAA (Fitch)

Daneben schwele noch die Krise in den USA, wo die Verhandlungen der Demokraten von Präsident Barack Obama und den Republikanern, die im Repräsentantenhaus das Sagen haben, bislang keine Einigung über eine Anhebung der Schuldenobergrenze brachten. „Das könnte die Investoren in den nächsten Tagen noch zusätzlich irritieren“, gaben die Analysten von Close Brothers Seydler Bank zu bedenken.„Im Moment herrscht am Markt noch der Konsens, dass sich die Kontrahenten bei allen Streitereien am Ende doch auf eine Lösung einigen werden.“

Die Woche könnte vielleicht durch die anlaufende US-Berichtssaison mit positiven Impulsen gerettet werden. Am Montag nach der Schlussglocke an der Wall Street eröffnet der Aluminiumkonzern Alcoa traditionell den Zahlenreigen. Vor dem Wochenende hatte indes ein enttäuschender Arbeitsmarktbericht aus den USA für einen kräftigen Stimmungsdämpfer gesorgt.

Kommentare (29)

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Account gelöscht!

11.07.2011, 08:08 Uhr

wer waren nochmal die käufer am freitag...

Kenner

11.07.2011, 08:37 Uhr

Ich...aber Freitag abend noch mit Limit wieder rausgeflogen...Glück gehabt

Account gelöscht!

11.07.2011, 08:51 Uhr

dax 7100 ende dieser woche. willkommen in der realität.

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