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18.01.2008

07:21 Uhr

Marktbericht New York

US-Börsen rutschen tief ins Minus

Die US-Börsen sind am Donnerstag regelrecht eingebrochen. Unerwartet schlechte US-Konjunkturdaten, neue Milliardenabschreibungen der US-Investmentbank Merrill Lynch und eine düstere Einschätzung der Wirtschaftslage durch Fed-Chef Bernanke setzten die Märkte massiv unter Druck.

<<p>HB NEW YORK. Die US-Börsen sind am Donnerstag nach unerwartet schlechten US-Konjunkturdaten eingebrochen. Der Dow und der S&P büßten wegen neuer Rezessionsängste jeweils mehr als zwei Prozent ein. Belastet wurden die Märkte zudem von neuen Milliardenabschreibungen der US-Investmentbank Merrill Lynch und einer drohenden Herabstufung von US-Anleiheversicherern. Auch Notenbank-Chef Ben Bernanke zeichnete vor einem Ausschuss des US-Kongresses ein düsteres Bild von der Lage der Wirtschaft.

Der Dow-Jones -Index der Standardwerte schloss 2,46 Prozent tiefer bei 12 159 Punkten. Im Verlauf hatte er sich zwischen 12 125 und 12 517 Zählern bewegt. Der breiter gefasste S&P-500-Index gab 2,91 Prozent auf 1 333 Punkte ab. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 1,99 Prozent auf 2 346 Zähler. In Deutschland hatte der Dax zuvor nach einer Berg- und Talfahrt 0,8 Prozent niedriger bei 7414 Punkten geschlossen.

Der Konjunkturindex der Federal Reserve Bank von Philadelphia fiel im Januar unerwartet deutlich. Das Wirtschaftsbarometer sank auf minus 20,9 Punkte und verzeichnete damit den stärksten monatlichen Rückgang der Industrieaktivitäten in der Region seit Januar 2001, als die Wirtschaft auf dem Höhepunkt der letzten Rezession war. Von Reuters befragte Volkswirte hatten mit einem Anstieg auf minus 1,0 Punkte gerechnet. "Der Philly-Fed ist tiefer als erwartet ausgefallen. Das hat den Markt geschockt", sagte Cleveland Rueckert von Birinyi Associates in Stamford, Connecticut.

Auch der US-Immobilienmarkt rutscht immer tiefer in die Krise. Im Dezember brach die Zahl der Wohnbaubeginne unerwartet um mehr als 14 Prozent ein und fiel auf den tiefsten Stand seit 1991. Die Zahl der Baugenehmigungen fiel um acht Prozent und erreichte damit das tiefste Niveau seit 1993.

Bernanke konnte die Stimmung ebenfalls nicht aufhellen. Die Abwärtsrisiken für das Wachstum hätten sich verstärkt, sagte der Fed-Chef. Auch die Lage auf den Finanzmärkten bleibe fragil. Die Fed sei aber bereit, einer Rezession mit "substanziellen Schritten" entgegenzuwirken. Einige Analysten werteten dies als Indiz dafür, dass die Fed den Zins bei ihrer Sitzung Ende Januar um bis zu 75 Punkte auf dann 3,5 Prozent senken könnte. Selbst dies konnte die Märkte jedoch nicht stimulieren.

Merrill Lynch hatte im vierten Quartal weitere 14,1 Mrd. Dollar an schlecht besicherten Krediten abschreiben müssen. Dadurch fiel mit 9,8 Mrd. Dollar der bislang größte Quartalsverlust in der Firmengeschichte an. Bis vor kurzem seien Abschreibungen in dieser Höhe noch unfassbar gewesen, sagte ein Analyst. Die Nachricht belastete die Börsen weltweit. In New York schlossen die Merrill-Aktien 10,2 Prozent im Minus.

Unter Druck gerieten zudem US-Anleiheversicherer, nachdem die Ratingagentur Moody's drohte, Ambac Financial möglicherweise die Top-Note für die Bonität zu entziehen. Ambac-Aktien stürzten um fast 52 Prozent ab, die des Konkurrenten MBIA notierten 31,2 Prozent tiefer. Zu den Verlierern gehörten auch die Papiere des Versicherers American International Group: Sie verloren 6,4 Prozent.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 2,17 Mrd. Aktien den Besitzer. 473 Werte legten zu, 2686 gaben nach und 63 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,79 Mrd. Aktien 684 im Plus, 2323 im Minus und 106 unverändert.

An den US-Kreditmärkten stiegen die zehnjährigen Staatsanleihen im späten Handel 34/32 auf 105-7/32. Sie rentierten mit 3,614 Prozent. Die 30-jährigen Bonds kletterten 60/32 auf 112-21/32 und hatten eine Rendite von 4,241 Prozent.

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