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04.09.2011

17:30 Uhr

Marktmanipulation

Staatsanwaltschaft klagt ehemalige Anlegerschützer an

Einer der größten deutschen Börsen-Skandale geht vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft München habe gegen vier Verdächtige Anklage erhoben, berichtet der "Spiegel". Zu den Angeklagten gehören ehemalige Anlegerschützer.

Markus Straub (Archivaufnahme), einst stellvertretender Vorsitzender der SdK, gilt als eine Schlüsselfigur des Börsen-Skandals. SDK

Markus Straub (Archivaufnahme), einst stellvertretender Vorsitzender der SdK, gilt als eine Schlüsselfigur des Börsen-Skandals.

MünchenIm Skandal um großangelegte Marktmanipulationen ist nach Informationen des „Spiegel“ Anklage gegen vier Verdächtige erhoben worden. Dabei soll es sich um drei ehemalige Mitglieder der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sowie einen Börsenbriefschreiber handeln.

Einem der Beschuldigten, dem ehemaligen SdK-Vize Markus Staub, werfen die Ermittler in der 342seitigen Anklageschrift dem Spiegel zufolge Marktmanipulation und Insider-Handel in 196 Fällen vor. Christof Öfele, der ebenfalls Sprecher der SdK war, soll 92-mal Insiderwissen zum Aktienkauf genutzt haben. Beim dritten Beschuldigten, Tobias Bosler, laute der Vorwurf auch auf Betrug. Bosler, der zuletzt als Vermögensverwalter und Börsenbief-Herausgeber tätig war, gilt als Drahtzieher der illegalen Börsengeschäfte. Er war früher ebenfalls Mitglied der SdK, war dort aber seit Jahre nicht aktiv. Der Beschuldigte, der Börsenbrief-Herausgeber Stefan Fiebach, soll in 165 Fällen Aktienkurse gezielt gepusht haben, werde von den Fahndern allerdings eher als Handlanger eingestuft.

Die Staatsanwaltschaft in München war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Vor knapp einem Jahr hatten die Ermittler bei einer Razzia bundesweit und in Österreich 48 Büro- und Privaträume durchsucht - auch der SdK in München. Die Ermittlungen richten sich insgesamt gegen rund 30 Verdächtige. Die Razzia war der bislang größte Vorstoß gegen organisierte Kursmanipulation in Deutschland und folgte zweijährigen Vorermittlungen.

Nach früheren Angaben eines SdK-Sprechers geht es um angebliche Bilanztricks beim Bezahldienstleister Wirecard. Einer der früheren Funktionäre soll öffentlich angebliche Bilanztricks bei Wirecard angeprangert und zugleich auf den fallenden Kurs der Aktie spekuliert haben. Bereits 2008 war die SdK deshalb Ziel einer Durchsuchungsaktion der Staatsanwaltschaft.

Die SdK und Wirecard lieferten sich damals eine monatelange Schlammschlacht, an deren Ende der stellvertrende Vorsitzende der SdK, Markus Straub, seinen Rücktritt erklärte. Die Wirecard-Affäre war aber nur die Spitze des Eisbergs. Bereits zuvor sollen die Beschuldigten gemeinsam mit weiteren Verbündeten Aktien gezielt hochgeschrieben haben und diese verkauft haben, sobald andere Anleger ihren Empfehlungen folgten.

Kommentare (1)

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AlexM3

04.09.2011, 18:53 Uhr

Wenn ich das richtig gelesen habe, ging es bei Wirecard wohl nicht um das gezielte Hochschreiben, sondern (was eindeutig noch schlimmer ist, weil es Firmen in Konkurs treiben kann) das heruntertreiben eines Kurses.

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