Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.12.2016

15:46 Uhr

Marktreaktionen auf Italien

Tutto bene – Dax schießt ins Plus

Vor der Abstimmung in Italien hatten Experten vor Turbulenzen an den Märkten gewarnt. Doch das Gegenteil passiert. Der Dax schießt bis zu zwei Prozent ins Plus. Sogar der italienische Leitindex notiert deutlich fester.

Reaktionen zum Italien-Referendum

Börsen stecken Renzirendum überraschend gut weg

Reaktionen zum Italien-Referendum: Börsen stecken Renzirendum überraschend gut weg

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Frankfurt/TokioAn den Finanzmärkten ist das von einigen Experten erwartete Beben nach dem Scheitern der Verfassungsreform in Italien ausgeblieben. Im Gegenteil: der Dax schoss am Montag sogar bis zu zwei Prozent ins Plus auf 10.726 Punkten. Noch erstaunlicher waren die Kursbewegungen in Italien. Zunächst rutschte der FTSE MIB bis zu 1,3 Prozent ins Minus. Doch bereits knapp eine Stunde nach Handelseröffnung raste der italienische Leitindex 1,4 Prozent ins Plus. Zuletzt jedoch fiel er wieder 0,9 Prozent ins Negative zurück. Auch in den USA ließen sich die Anleger vom „No“ der Italiener nicht beirren. In New York legte der Dow Jones zur Handelseröffnung 0,4 Prozent zu auf 19.262 Punkten.

„Es zeigt sich einmal mehr: Die Investoren ziehen die Gewissheit eines ungewünschten Ausgangs gegenüber der Unsicherheit vor der Wahl vor“, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Viele Anleger hätten bereits mit einem Scheitern des „Renzirendums“ gerechnet, erläuterte Heinz-Werner Rapp, Chef-Anleger des Vermögensverwalters Feri. „Sie haben aus den politischen Wendungen, die das Jahr 2016 bislang brachte, gelernt.“ Außerdem stützte Börsianern zufolge die Hoffnung auf frische Geldspritzen der Europäischen Zentralbank die Kurse.

„Vielleicht werden wir alle zunehmend immun gegen solche 'Schocks'“, merkte Paul Hatfield, Chef-Anleger des Vermögensverwalters Alcentra, an. Nach dem Brexit-Referendum Großbritanniens Ende Juni benötigte der Dax noch etwa vier Wochen, um seine anfänglichen Verluste wettzumachen. Bei der überraschenden Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten dauerte es nur wenige Stunden.

Ökonomen zum Ausgang des Italien-Referendums

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt VP Bank

„Ich würde am heutigen Tag nicht das Wort Euro-Krise in den Mund nehmen. Italien dürfte jetzt eine Technokraten-Regierung bekommen. Das muss nichts Schlechtes bedeuten. Übergangsregierungen in Europa haben manchmal mehr hinbekommen als reguläre Regierungen.

Die Debatte über eine Absenkung der Anleihenkäufe durch die EZB dürfte nun erst einmal vom Tisch sein. EZB-Chef Draghi dürfte am Donnerstag signalisieren, dass das Kaufprogramm fortgesetzt wird. Es dürfte nachjustiert werden zugunsten von italienischen Staatsanleihen. Das dürfte diese stützen. Die EZB Sitzung am Donnerstag kommt wie gerufen, um größere Schäden vor allem für italienische Staatsanleihen zu verhindern.“

Holger Sandte, Europa-Chefvolkswirt Nordea

"Wenn man sieht, wie breit der Widerstand gegen die Reformen war, dann war es eher Renzis Niederlage als ein Sieg der Populisten. Nachdem Renzi das Land vorangebracht hat, ist nun erst einmal unklar wie es weitergeht - Neuwahl oder nicht? Dieses Vakuum dauert hoffentlich nur kurz an. Auf den Finanzmärkten könnten italienische Bankaktien mehr leiden als Staatsanleihen. Italien ist aber nicht auf dem Weg aus der EU oder dem Euro-Raum. Damit das realistisch würde, müsste die Fünf-Sterne-Bewegung die nächste Wahl gewinnen, die Verfassung ändern, damit ein Euro-Referendum möglich würde, und es gewinnen. All das ist weit weg. Italien und die EU werden den gestrigen Rückschlag überleben."

Jörg Krämer, Commerzbank-Chefvolkswirt

„Der asiatische Handel hat gefasst reagiert. Der Eurokurs ist nicht eingebrochen. Natürlich ist es tragisch, dass die Italiener die Chance vertan haben, sich einen effizienteren parlamentarischen Entscheidungsprozess zu geben. Aber das bedeutet nicht automatisch eine eurokritische Fünf-Sterne-Regierung und eine Rückkehr der Staatsschuldenkrise. Der Staatspräsident will eine Übergangsregierung einsetzen. Diese würde versuchen, eine Wahlrechtsreform durchzubekommen.

Mittelfristig ist eine wesentliche Regierungsbeteiligung der Fünf-Sterne-Bewegung nicht vom Tisch. Sie will deutlich mehr Staatsausgaben. Das könnte zu einem Käuferstreik der Investoren führen und eine Staatschuldenkrise auslösen.“

Quelle: Reuters

Der Euro folgte mit leichter Verzögerung dem positiven Trend an den Aktienmärkten. Nach anfänglichen Verlusten wurde die europäische Gemeinschaftswährung zuletzt bei 1,0716 Dollar 0,4 Prozent höher bewertet. Bei der Krisenwährung Gold waren heute keine „Krisenprofite“ zu verzeichnen. Der Preis für eine Feinunze des Edelmetalls sank um einen Prozent auf 1165 Dollar. Auch die als sicher geltenden Bundesanleihen waren am Montag nicht gefragt. Die Renditen für Papiere mit einer zehnjährigen Laufzeit stiegen heute um fünf Basispunkte auf 0,34 Prozent.

„Der Markt hatte das Referendum aufgebauscht“, sagte Folker Hellmeyer, Chef-Analyst der Bremer Landesbank. „Die Ängste davor entsprechen nicht der Realität danach.“ Bei den deutschen Finanzwerten zeigte lediglich die Commerzbank Schwächen. Die Aktien sackten 1,5 Prozent ins Minus. Die Deutsche Bank hingegen legte nach anfänglichen Verlusten rund 1,6 Prozent zu.

Ökonomen reagieren auf das Referendum: Düstere Aussichten für Italiens Wachstum

Ökonomen reagieren auf das Referendum

Düstere Aussichten für Italiens Wachstum

Nach dem „Nein“ der Italiener zur Parlamentsreform sind Ökonomen besorgt. Sie befürchten, dass die Euro-Krise wieder aufflammt und sich die Probleme der EU verschärfen. Manche sehen in dem Votum aber auch eine Chance.

Verkauft wurden dagegen Aktien italienischer Banken. Der entsprechende Branchenindex fiel gegen den europäischen Trend um 2,3 Prozent. Die größten Verluste verzeichnete die Unicredit mit einem Minus von 3,4 Prozent, womit sie im FTSE MIB an die letzte Stelle zurückfiel. Direkt dahinter positionierten sich die Anteilsscheine der Banco Popolare Milano, die 1,9 Prozent verloren. Die Monte dei Paschi sackte 0,2 Prozent ins Negative. Zweifel an einer erfolgreichen Sanierung der Banca Monte dei Paschi di Siena (BMPS) haben die nachrangigen Anleihen der Bank am Montag auf Talfahrt geschickt. Dies trieb die Rendite der bis 2020 laufenden Titel um mehr als einen Prozentpunkt auf 22,729 Prozent.

Kommentare (16)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Wolfgang Plum-Nufer

05.12.2016, 10:14 Uhr

"Deutlich unter Druck stehen jedoch die kriselnden Banken"...irgendwas negatives muss doch zu finden sein...sorry, aber DB +2,5% und die CoBa +2%.

Herr richard roehl

05.12.2016, 10:25 Uhr

Kein Wunder, hat der oberste Ersparnissvernichter Draghi doch jetzt wieder Argumente an der Hand, seinen Landsleuten und der Finanzelite wieder unter die Arme zu greifen

Herr Peter Delli

05.12.2016, 10:29 Uhr

Wer legt den im Sozen-Deutschland Geld an ?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×