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08.01.2009

18:02 Uhr

Marktschlussbericht: Börse Frankfurt

Dax: Die alten Sorgen sind wieder da

Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag den zweiten Tag in Folge mit Verlusten beendet. Vor allem Finanzwerte verbuchten zuletzt deutliche Verluste, nachdem die Commerzbank mitgeteilt hatte, sie brauche deutliche mehr Geld vom Staat. Im MDax kamen die Papiere von Praktiker unter die Räder.

Börsensaal in Frankfurt. Vieles spricht dafür, dass er Aufschwung der vergangenen Tage vorbei ist. Foto: dpa Quelle: dpa

Börsensaal in Frankfurt. Vieles spricht dafür, dass er Aufschwung der vergangenen Tage vorbei ist. Foto: dpa

HB FRANKFURT. Der Leitindex Dax fiel um 1,17 Prozent auf 4 879 Punkte und büßte damit rund die Hälfte seiner Kursgewinne seit Jahresbeginn wieder ein. Der MDax mittelgroßer Werte sank um 3,28 Prozent auf 5 590 Zähler. Der TecDax gab um 3,26 Prozent auf 502 Punkte nach. "Die Sorgen sind heute massiv zurückgekehrt und lasten auf den Märkten", sagte Matthias Jasper, Leiter Aktien bei der WGZ Bank. "Vor allem die Finanzwerte belasten wieder. Aber auch die Nachrichten von Wal-Mart sorgen für deutliche Verstimmung." Es zeige sich erneut, dass sich die Krise durch alle Sektoren ziehe, sagte der Experte. Außerdem hätten sich Anleger insgesamt vor den monatlichen US-Arbeitsmarktdaten an diesem Freitag zurückgehalten, sagten Händler.

Zu den Hauptgesprächsthemen im späteren Handel gehörte die Commerzbank. Wegen der geplanten Übernahme der Allianz-Tochter Dresdner Bank braucht die Bank zudem deutlich mehr Geld vom Staat als bislang bekannt und wird teilverstaatlicht. Die zweitgrößte deutsche Bank bekommt vom Staat eine zusätzliche Kapitalspritze in Höhe von zehn Milliarden Euro. 1,8 Milliarden Euro sollen durch den Verkauf von 295 Millionen Stammaktien zu je sechs Euro an den Staat erlöst werden. Damit hält der Bund 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank. Zusätzlich erhalte der Commerzbank eine weitere stille Einlage über 8,2 Milliarden Euro. Die Bank wurde bereits Ende 2008 durch eine stille Einlage in derselben Höhe gestützt.

Die Aktien gingen mit einem Abschlag von 13,79 Prozent bei 5,25 Euro aus dem Handel, nachdem sie zuvor ein Rekordtief bei 4,79 Euro markiert hatten. Allianz-Aktien gaben um 5,43 Prozent auf 66,67 Euro nach.

Im MDax stürzten Praktiker-Aktien um 15,31 Prozent auf 6,14 Euro. Die Baumarktkette enttäuschte Händlern zufolge mit ihrer Vorlage der Umsatzzahlen für das Geschäftsjahr 2008.

Derweil hat die Fluggesellschaft Air Berlin den Investor Len Blavatnik als Großaktionär verloren. Wie das Unternehmen in einer Ad hoc Meldung für die Börse mitteilte, verkaufte Blavatnik sein Aktienpaket von 18,94 Prozent. Der russischstämmige Unternehmer war erst im Frühjahr 2008 bei Air Berlin eingestiegen. An wen sein Aktienpaket ging, blieb zunächst unklar.

Positive Impulse von der US-Konjunktur dämmten die Verluste am Nachmittag etwas ein. In den USA sank die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der abgelaufenen Woche überraschend. Im Dax sacken die Aktien der Commerzbank dramatisch ab.

Vor den monatlichen US-Arbeitsmarktdaten an diesem Freitag würden sich die Anleger insgesamt zurückhalten, sagten Händler. Die Handelsvolumina seien nicht allzu hoch. "Viele trauen sich nicht, auch wenn der Markt sich zuletzt ganz gut entwickelt hat. Man muss mal sehen, ob die Verluste von gestern und heute eine Verschnaufpause sind oder ob wieder Ungemach droht", erläuterte einer. Ein anderer Händler sagte: "Die Stimmung ist so lala. Weder zu Tode betrübt noch himmelhochjauchzend."

Die Aktien von Infineon haben deutlich verloren. Die Papiere des Chipherstellers rutschten in der Spitze um elf Prozent ab. Händler führten eine Reihe von Gründen für das Minus an. Zum einen belaste die Senkung der Umsatzprognose des US-Chipherstellers Intel. "Der Einbruch bei Intel dürfte kein Einzelfall im Halbleitersegment gewesen sein", kommentierte Analyst Harald Schnitzer von der DZ Bank. Börsianer verwiesen auch auf eine am Mittwoch bekannt gewordene Untersuchung der EU-Kommission bei Chipherstellern wegen des Verdachts von Preisabsprachen. Die Ermittler waren nach Aussagen eines Konzernsprechers auch bei Infineon. In den vergangenen fünf Handelstagen waren die Infineon-Aktien um 44 Prozent gestiegen.

Mit 156,3 Millionen Aktien blieb der Aktienumsatz im Dax hinter dem Durchschnitt der vergangenen 90 Handelstage (199,9 Millionen Aktien) zurück.

An der Wall Street lag der Dow Jones bei Xetra-Handelsschluss in Deutschland 0,9 Prozent im Minus bei 8 689 Stellen. Der Nasdaq Composite verlor 0,2 Prozent auf 1 597 Punkte.

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