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24.01.2008

15:27 Uhr

Marktturbulenzen

Börsenhistorie macht Hoffnung

VonUlf Sommer

In der Vergangenheit wurden Phasen sehr schlechter Stimmung immer wieder durch Aufwärtsbewegungen abgelöst. Denn wer pessimistisch ist, hat all seine Aktien bereits verkauft. Dementsprechend schnell kann schon geringes Kaufinteresse die Kurse wieder treiben.

Schlechte Stimmung führt nicht zwangsläufig zu schlechten Kursen.

Schlechte Stimmung führt nicht zwangsläufig zu schlechten Kursen.

DÜSSELDORF. Die aggressive US-Zinssenkung vom Dienstag kombiniert mit extrem schlechter Stimmung dürften die Börsen nach Experteneinschätzung zumindest vorübergehend beflügeln. Eine Fortsetzung der seit fünf Jahren anhaltenden Hausse ist damit aber keineswegs garantiert.

Seit vielen Jahrzehnten befragen in den USA Forschungsinstitute und Gesellschaften für Marktanalyse die Anleger Woche für Woche nach ihrer Stimmung. Aus den Ergebnissen glauben die Experten Rückschlüsse auf die künftige Kursentwicklung ziehen zu können. Und tatsächlich: Auf Phasen mit sehr schlechter Stimmung folgten in der Vergangenheit stets Aufwärtsbewegungen. Der Grund dafür liegt weniger in der Kauf-, sondern mehr in der mangelnden Verkaufsbereitschaft. Denn wer die nahe Zukunft schwarz malt, verkauft anschließend kaum noch Aktien – er hat dies bereits getan. Deshalb sorgt geringes Kaufinteresse für steigende Kurse. Auf diese Weise folgten hohen Umsätzen im Crash oft niedrige Volumina, sobald sich die Börsen erholten: beispielsweise im Frühjahr 2003, als Rezessionssorgen und Kriegsängste am Golf die Anleger in Schrecken versetzen.

In ihrer jüngsten Umfrage ermittelte die American Association of Individual Investors (AAII) 2,27 Pessimisten auf jeden Optimisten. Solch einen hohen Wert gab es noch nie (siehe Chart auf Seite 2). Auffällig ist, dass in der Vergangenheit schon nach Werten von 1,5 oder darüber höhere Kurse folgten. Über das Ende einer langjährigen Baisse geben solche Indikatoren indes keine Auskunft. Denn ebenso oft wie eine Vielzahl an Pessimisten (im Börsianerjargon „Bären“ genannt) das Ende einer langen Talfahrt ankündigt, belegen hohe „Bärenwerte“ auch eine prägnante Zwischenholung, die wieder verpufft. „Die aktuelle Situation erinnert stark an das erste Quartal 2003. Auch damals fielen die Aktienkurse unter hohen Umsätzen, und die Stimmung erreichte einen Tiefpunkt“, sagt Commerzbank-Analyst Andreas Hürkamp. In der Folge stiegen die Kurse, trotz weiterer schlechter Unternehmensnachrichten.

Auch in diesem Jahr dürfte die Welle schlechter Nachrichten noch eine Weile anhalten. Schließlich starten die Unternehmen erst jetzt mit ihren Ausblicken für 2008 und die Analysten damit, ihre Gewinnschätzungen zu senken. Deshalb erwartet Hürkamp zunächst keine starke Börsenerholung, sondern „eine sehr schwankungsvolle Seitwärtsbewegung“, in der sich ein tragfähiger Boden herausbilde. „Erst in einem zweiten Schritt, wenn die Zinssenkungen zu wirken beginnen, werden sich die Aktienmärkte deutlich erholen“, glaubt Hürkamp.

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